Streichfeuerzeug

Streichfeuerzeug

Streichfeuerzeug (Reibfeuerzeug), besondere Art von Feuerzeugen, bei welcher die Entzündung durch Reiben, bewirkt wird. Die Streichzünder sind Holzstäbchen, Papierstreifen etc., welche an einem Ende od. auf einer Seite mit einer Mischung von leicht entzündlichen u. leicht Sauerstoff abgebenden Körpern versehen sind, welche sich durch Reiben an einer rauhen Fläche mehr od. weniger leicht bis zur Entzündung erhitzt u. dann den Fidibus selbst entzündet. Streichzündhölzchen, welche am allgemeinsten gebraucht werden u. von dem Engländer John Walker erfunden wurden, werden folgendermaßen fabrikmäßig hergestellt: mittelst eines am Ende mit zwei schneidenden Ösen versehenen Hobels erzeugt man etwa fußlange u. eine Linie dicke Stäbchen aus astfreien Tannenholzscheiten, läßt dieselben jahrelang austrocknen, legt sie dann zu Bünden zusammen u. zerschneidet sie mit Hülfe einer Art Apothekerschneidemesser in Hölzchen von der erforderlichen Länge (2–4 Zoll). Die letzteren werden nun von Kindern auf schmale Bretchen von je 50 rinnenförmigen Vertiefungen in diese gelegt u. die gefüllten u. an ihren beiden Enden durchlöcherten Bretchen zu 20 übereinander auf zwei hölzerne Schraubenbolzen aufgesteckt, so daß sie nach dem Festschrauben in einer Art Rahmen befestigt sind. Durch Aufstoßen der 1000 Stück Hölzchen auf eine ebene Fläche bringt man deren Spitzen in eine Ebene u. durch Eintauchen in die breiförmigen od. geschmolzenen Substanzen, welche sich gleichmäßig ausgebreitet auf ebenen Steinen od. in Schmelzkästen mit ebenem Boden befinden, überzieht man alle auf einmal mit einer Schicht der Zündmasse. Das Aufreihen der Hölzchen geschieht mit Maschinen so schnell, daß ein Kind in einer Stunde 50–60,000 Stück legen kann. Die Zündmasse ist gewöhnlich eine Phosphormischung, erhalten durch Einrühren von sauerstoffreichen Stoffen, wie Salpeter, Braunstein, Mennige, Bleisuperoxyd (durch Behandeln der letzteren mit Salpetersäure gewonnen), chlorsaurem Kali (wenn die Hölzchen mit Knall entflammen sollen) etc., in eine heiße u. dicke Gummi od. Leimlösung u. nachheriges Einquirlen einer gewissen Menge Phosphor. Die letztere darf nur 1/15 bis 1/12 der Zündmasse betragen, da größere Mengen (früher bis zu 1/3) so viel Phosphorsäure bilden, daß die Hölzchen davon durchdrungen u. schwer entzündlich werden. Noch weit mehr läßt sich die Phosphormenge verringern, wenn man den Phosphor, in Schwefelkohlenstoff gelöst, in die obige Mischung einquirlt, od. weniger gefährlich, wenn man den Phosphor als Schwefelphosphor zusetzt. Letztere Verbindung erhält man durch Zusammenschmelzen von 4 Theilen Phosphor u. 1 Th. Schwefel unter 30° warmem Wasser, u. es genügt ein Zusatz hiervon von 31/2 Procent zu der Zündmasse, um gute Zünder zu erhalten. Letztere leuchten im Dunkeln nicht, riechen nicht nach Phosphor u. verzischen mitbläulicher Flamme; in die Gummilösung muß aber statt der obigen Körper ein Gemisch von chlorsaurem Kali, Salpeter, Schwefelantimon u. salpetersaurem Bleioxyd eingerührt werden, wenn die Entzündung zwar durch stärkere Reibung, aber sicher geschehen soll. Die Zündmassen werden nie direct auf das Hölzchen aufgebracht, sondern man taucht letzteres erst in geschmolzenen Schwefel od. in flüssiges Wachs, Stearinsäure etc. (geruchlose Streichzündhölzchen), welche Substanzen eine sichere Entzündung des Holzes vermitteln. Damit die Zündmasse bei der Aufbewahrung der Hölzchen nicht feucht wird, überzieht man dieselbe oft mit einem Lack, welcher mit verschiedenen Farbstoffen versetzt wird (lackirte Streichzündhölzchen). Streichzündhölzchen mit silberglänzenden Köpfchen erhält man, wenn man die bereits fertigen Zünder mit dem Kopfe in verdünnte Bleizuckerlösung taucht u. sie dann in einem Schwefelwasserstoffgas enthaltenden Raume wieder trocknet. Nachdem die Zünder in Trockenkammern auf den Rahmen getrocknet sind, werden sie von 50 bis zu mehren hundert Stück entweder in runde Holzschachteln od. in viereckige Papierfutterale mit den Köpfen nach oben verpackt. Schachteln u. Päcktchen sind gewöhnlich oben u. unten mit einer Reibfläche von aufgeleimtem Sand, Schmirgelpulver etc. versehen. Die Päcktchen endlich werden in kleine Kisten aus Holzspänen verpackt. Um die S. weniger gefährlich zu machen, erfand man die Antiphosphorreibzünder. Diese müssen an einer bes. präparirten Fläche gerieben werden, wenn sie sich entzünden sollen; die Fläche ist aus Pappe, Holz etc., auf welche eine Mischung[919] von 10 Th. amorphem Phosphor u. 8 Th. Braunsteinpulver, od. von Schwefelantimon, mit der erforderlichen Menge Sand u. Schmirgelpulver aufgelehmt ist; die Zündmasse der Hölzchen besteht aus 6 Th. chlorsaurem Kali, 2–3 Th. Schwefelantimon u. 1 Th. Leim. Eine besondere Art hiervon sind die Zwitterzündhölzchen; um diese herzustellen, spaltet man 7–8 Centimeter hohe, 10–12 Centimeter lange u. 3–4 Centimeter dicke Holzblöcke in 3–400 Stäbchen, doch so, daß diese an der Basis noch zusammenhängen. Diese Seite überpinselt man mit Leimlösung, in welche man sehr wenig amorphen Phosphor eingerührt hat, während man die gespaltene, entgegengesetzte Seite in flüssigen Schwefel u. hierauf in eine Mischung von 2 Th. chlorsaurem Kali, 1 Th. Kohlenpulver od. Schwefel u. 1 Th. Umbra mit einer Leimlösung taucht. Nach dem Trocknen trennt man die Hölzchen od. verkauft sie zusammenhängend (in Bouquets). Beim Gebrauche zerbricht man dieselben in zwei ungleiche Stücke u. reibt mit dem phosphorhaltigen Ende an dem anderen, bis sich letzteres entzündet. Phosphorfreie S. (Sicherheitszünder) haben verschiedene Zündmassen, z.B. ein Gemisch von 10 Th. Dextrin, 75 Th. chlorsaurem Kali, 35 Th. Bleisuperoxyd u. 35 Th. Schwefelkies, welches sich durch Reiben an jeder harten Fläche, aber nicht durch Stoß od. Erhitzen bis 180° entzündet; od. ein Gemisch von gleichen Theilen chlorsaurem Kali u. Bleieisencyanür (letzteres erhalten durch Fällen einer Bleisalzlösung mit Blutlaugensalz), welches sich nur an einer präparirten Fläche entzündet, auf welche ein Gemisch von je 1 Th. Hammerschlag, Schmirgel, Mennige u. 6 Th. chlorsaurem Kali geleimt ist. Alle die erwähnten Zündmassen, bes. aber die gewöhnlichen Phosphormischungen, werden auch auf Papier- od. Pappstreifen, auf Zündschwamm u. kleinen Wachskerzchen angebracht, u. man erhält so das Streichpapier, die Streichfidibus, den Streichschwamm u. die Streichkerzchen. Die Papierstreifen werden gewöhnlich mit einem wohlriechenden Harz getränkt; häufig auch mit einer Lösung von Bleizucker od. salpetersaurem Bleioxyd, wodurch sie lebhaft verglimmen u. bes. dann, wenn sie lackirt sind, in der Nässe nicht verlöschen (unauslöschliche Zünder). Die Zündhölzchenfabriken, welche sich zur Herstellung der Höllen besonderer Maschinen bedienen, liefern erstaunliche Mengen; so eine Fabrik in London, welche mit Kreissägen u. drei Spaltmaschinen arbeitet, fertigt täglich 54 Millionen Zündhölzchen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

См. также в других словарях:

  • Streichfidibus — Streichfidibus, s.u. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Streichhölzchen — Streichhölzchen, s.u. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Streichkerzen — Streichkerzen, s.u. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Streichpapier — Streichpapier, s.u. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Streichschwamm — Streichschwamm, s.u. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Streichzünder — s.u. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Unauslöschliche Zünder — Unauslöschliche Zünder, s.u. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Zwitterzündhölzchen — Zwitterzündhölzchen, s.u. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Zünder — Zünder, 1) unauslöschliche, s.u. Streichfeuerzeug; 2) (Zündungen), haben den Zweck, das Pulver im Rohr od. in einem Hohlgeschoß od. andere Feuerwerkskörper, auch sonstige brennbare Gegenstände zu entzünden. I. Zum Zünden der Geschützladungen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Zündhölzchen — Zündhölzchen, 1) die zu den chemischen Feuerzeugen (s. Feuerzeug 1) gehörigen Schwefelhölzchen; 2) (Streichzündhölzchen), s. Streichfeuerzeug …   Pierer's Universal-Lexikon


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