Thon [1]


Thon [1]

Thon nennt man erdige, zerreibliche, theils ungefärbte, theils gefärbte Mineralsubstanzen, welche mit Wasser eine plastische Masse bilden. Der T. ist kein einfaches, ursprünglich gebildetes Mineral, sondern stets ein Zersetzungsproduct feldspathiger Mineralien, bes. solchen Gesteins, dessen Hauptbestandtheil diese ausmachen, wie Granit, Gneiß, Porphyr; in seinen Hauptbestandtheilen daher ein Gemenge von Thonerde u. Kleselerde mit etwas Kalk u. bisweilen Eisenoxyd. Durch die Einwirkung von kohlensäurehaltigem Wasser haben diese Mineralien eine Zersetzung erlitten, bei welcher kieselsaures Kali ausgeschieden u. Wasser aufgenommen wurde, so daß ein wasserhaltiges Thonerdesilicat zurückblieb; zuweilen blieben diese thonigen Verwitterungsproducte an dem Ort ihrer Bildung liegen u. heißen dann Caolin (Porzellanerde, Porzellanthon, s. Caolin), häufiger aber wurden sie durch Wasser fortgeschwemmt u. gemengt mit andern, gleichzeitig im Wasser suspendirten Substanzen, bei ruhigem [537] Stehen des Wassers abgesetzt. Solcher in weit verbreiteten Ablagerungen vorkommende T. heißt vorzugsweise Thon (Gemeiner T., Plastischer T., Töpferthon, Pfeifenthon), er ist meist mit Sand gemischt u. nicht selten durch geringe Mengen Eisenoxyd od. Eisenoxydul gefärbt, zuweilen enthält er Bitumen u. Kohle, hie u. da auch kohlensauren Kalk. Der reine T., welcher nur geringe Mengen von Kalk u. Eisenoxyd enthält, dient zur Darstellung von Steingut, von Thonpfeifen, Porzellankapseln, zuweilen sogar von Porzellan, die durch Eisenoxyd u. Eisenoxydulhydrat gelblich od. bläulich gefärbten Varietäten werden zu Töpferwaaren u. Ziegeln verarbeitet. Ist der T. sehr reich an Sand u. durch viel Eisenoxydhydrat gelb gegefärbt, so heißt er Lehm. Gelberde u. Bolus sind ebenfalls durch Eisenoxyd u. Eisenoxydhydrat gefärbte T-e; Löß ist eine mit seinem Sand u. kohlensaurem Kalk, auch mit etwas Eisenocker gemengte erdige Thonmasse, deren staubartige Theile nur lose mit einander verbunden sind; Thoneisenstein ist ein Gemenge von T. mit kohlensaurem Eisenoxydul, rothem od. braunem Eisenocker. In der Nähe brennender Kohlenlager ist der T. zuweilen gebrannt (Gebrannter T.), er zeigt sich dann fest u. hart, schieferig, gelb od. roth. Mergel ist kalkhaltiger T.; man nennt ihn Thonmergel, wenn der Kalk nur in geringen Mengen darin vorkommt, Kalkmergel, wenn der Kalk vorherrscht; der Kalkmergel geht mit zunehmendem Kalkgehalt in thonigen Kalkstein über. Mit Bitumen durchzogener T. heißt bituminöser T.; T. mit schieferigem Gefüge, Schieferthon, kommt häufig in der Steinkohlenformation vor, ist dann meist schwarz gefärbt (Kohlenschiefer) u. enthält häufig Pflanzenabdrücke (Kräuterschiefer), ist er so reich an Bitumen, daß er im Feuer brennt, so heißt er Brandschiefer. Die T-e, welche beim Vermischen mit Wasser eine sehr plastische Masse geben, heißen fette, welche eine weniger plastische Masse liefern, magere T-e; beim Trocknen behält diese Masse ihren Zusammenhang, schwindet aber, beim Brennen erhärtet sie bedeutend u. kann dann nicht mehr im Wasser aufgeweicht werden. Hierauf beruht die Anwendung des T-s zur Fabrikation von Porzellan, Töpferwaaren, Ziegeln etc. Die fetten T-e trocknen langsam u. schwinden beim Trocknen u. Brennen sehr stark, verziehen sich u. reißen dabei leicht; die mageren trocknen schneller u. schwinden wenig. Im Ofenfeuer verhalten sich die T-e verschieden je nach ihren Gemengtheilen; sind sie frei von Eisenoxyd u. kohlensaurem Kalk, od. enthalten sie viel beigemengten Sand, so schmelzen sie auch bei dem stärksten Brennen nicht, sondern sintern nur zusammen: an Alkali od. alkalischen Erden reiche T-e schmelzen in der Ofenhitze u. geben eine glasartige Masse. Man kann den T. leicht flüssig machen durch Zusatz von Alkali, alkalischen Erden, Gyps, Knochenasche, Eisenoxyd od. seldspathhaltigen Mineralien u. bedient sich bes. bei der Glasirung der Thonwaaren solcher Zusätze (Flußmittel). Der plastische T. findet sich in mächtigen Ablagerungen in der Tertiärformation (s.d.) in England (Londonthon), bei Paris, in der Wetterau u. bes. in der Braunkohlenformation von Mitteldeutschland, Rheinpreußen, Hessen u. Böhmen; auch in manchen jüngeren Ablagerungen kommt er vor. Er findet sehr vielfache Anwendung, so zur Fabrikation von Töpferwaaren, Steinzeug, Öfen, Tiegeln, Tabakspfeifen, Drainir- u. Wasserleitungsröhren, Trögen, Backsteinen, Ziegeln, architektonischen Ornamenten etc. Manche Völker gebrauchen sogar den T. als Genußmittel, s. Erdeessen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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