Werft [1]


Werft [1]

Werft, 1) in Seestädten der Platz zum Schiffbau. Sie befinden sich längs dem Hafen, dicht am Wasser u. enthalten unüberdeckte Bauplätze, wo kleinere Schiffe gebaut u. kalfatert werden, u. meist sehr geräumige, nach dem Wasser zu mit großen Thoren verschließbare od. offene Schuppen, wo Kriegsschiffe od. größere Handelsschiffe, deren Bau Jahre lang dauert, gebaut werden u. vom Stapel laufen, außerdem auch wohl Reeperbahnen, Verkaufshäuser von allerhand Schiffsbedürfnissen, Arbeiterwohnungen etc. Oft sind die W-en mit Docks (s.d.) verbunden, in welchen schadhafte Schiffe trocken gelegt u. reparirt od. auch neue gebaut werden. In einigen Häfen, bes. im Mittelmeere, heißen die W-en, wenn sie mit einer Mauer umschlossen u. blos für Kriegsschiffe bestimmt sind, auch Arsenale. Die neuerbauten Schiffe ruhn in den holländischen u. deutschen W-en auf der Helling, einem langen, auf starken, in die Erde gerammten Pfählen schräg liegenden Balken, dessen Neigung (1/24, bis, 1/11,) gegen das Wasser das Stapellaufen des Schiffs befördert. Dieser Balken ist oben zu einer flachen Rinne ausgehöhlt, worin die unter den Kiel geschobenen Schmierhölzer herabgleiten, ohne herunter zu fallen. Während des Baues (s. darüber Schiff 2) liegt das Schiff auf den Stapelblöcken od. Stapelhölzern (s.d.) u. wird durch viele seitlich angebrachte Stützen in unverrückter Stellung erhalten; wenn aber der Bau beendigt ist u. das Schiff ablaufen soll, werden jene Hölzer herausgeschlagen u. die Stützen hinweggenommen, so daß die ganze Last auf den Schmierhölzern ruht, welche mit ihr hinabgleiten, wenn das Stopptau weggenommen worden ist. Das Umschlagen des Schiffs wird durch zwei lange, bis in das Wasser reichende Balken (Schlagbetten) verhindert, welche, gleichlaufend mit dem Kiele, auf Unterlagen ruhen, an der äußeren Seite aber gut angesteift u. stark mit Fett beschmiert sind. Auf der Helling zieht man auch beschädigte Schiffe aufs Land, um dieselben besser u. bequemer ausbessern zu können. Das vom Stapel Laufen ist meist mit besonderen Feierlichkeiten verbunden, Musik ist auf den Schiffen, Frühstück u. Branntwein wird den Arbeitern gegeben u. nach Losschlagen der letzten Stützen setzt sich das Schiff in Bewegung u. schießt pfeilschnell in die Fluthen herab. Meist wird eine Schaar Pöbels vermocht auf das Schiff zu kommen, sie halten sich so lange auf dem Vordertheile des Schiffs auf, bis dasselbe eben im Begriff ist das Wasser zu berühren, dann laufen sie möglichst rasch nach dem Hintertheil, um die Wirkung des Stoßes in das Wasser zu schwächen u. das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dies ist jedoch nicht ohne Gefahr, denn zuweilen schlägt das Schiff um, bes. wenn es falsch gebaut ist. 2) (Weberei), so v.w. Kette 8).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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