Zinnober


Zinnober

Zinnober, 1) Natürlicher Z. (Cinnabarit, Mercurblende), Mineral, krystallisirt rhomboedrisch, meist in körnigen, faserigen, dichten Massen, eingesprengt, erdig, als Überzug u. Anflug; Härte 2 bis 3, specifisches Gewicht 8 bis 8,2, cochenill- od. scharlachroth, zuweilen ins Blaugraue; diamantglänzend, durchscheinend bis undurchsichtig, Strich scharlachroth; besteht aus Quecksilber u. Schwefel zu gleichen Äquivalenttheilen. Der natürliche Z. findet sich bei Almaden in Spanien auf Gängen von Thonschiefer, auch bei Almadenejos u. Alcaria in Spanien, ferner auf Lagern in der unteren alpinen Steinkohlenformation zu Idria in Krain, im Karpatensandstein von Zalathna in Siebenbürgen, zu Ripa in Toscana, im Steinkohlengebirge von Rheinbaiern, bes. bei Wolfstein, am Potzberg, Landsberg bei Moschel. Der natürliche Z. ist eins der wichtigsten Mineralien zur Gewinnung des Quecksilbers u. dient bisweilen, wie der künstliche Z., als Malerfarbe. 2) Künstlicher Z. Fast aller im Handel vorkommender Z. ist künstlich aus Quecksilber u. Schwefel dargestellt. Man hat verschiedene Bereitungsweisen für denselben. a) Auf trockenem Wege. In Idria bringt man 42 Pfund Quecksilber u. 8 Pfund gepulverten Schwefel in kleine Fässer, welche durch ein Mühlwerk um ihre Achse gedreht werden, dadurch erhält man ein braunes Pulver, welches zum Theil schon eine chemische Verbindung von Quecksilber u. Schwefel enthält. Dieses Pulver wird in Portionen von 100 Pfund in gußeisernen Kolben erhitzt, u. zwar anfangs mit aufgesetztem gußeisernen Helm, dann, wenn das hygroskopische Wasser verdampft, der überschüssige Schwefel absublimirt u. die chemische Verbindung des Quecksilbers mit dem Schwefel erfolgt ist, mit irdenen Helmen u. Vorlagen. Man erhitzt die Kolben bis das Schwefelquecksilber vollständig sublimirt ist u. zerschlägt dann den Helm, an dessen innerer Wand sich der Z. in dunkelrothen krystallinischen Massen (Stückzinnober) angesetzt hat. In diesem Zustande kommt der Z. selten in den Handel, er wird vielmehr sogleich höchst fein gemahlen, weil erst dadurch die ausgezeichnet rothe Farbe zum Vorschein kommt; je feiner das Pulver ist, um so feuriger u. heller wird der Z. Indessen hängt die Schönheit der Farbe nicht blos von der feinen Zertheilung ab, sondern hauptsächlich von der Beschaffenheit der[642] Materialien, von dem Verfahren bei der Darstellung u. von der Behandlung mit gewissen Agentien. In Idria wird der Stückzinnober zerklopft u. erst trocken, dann mit Wasser auf Mühlen gepulvert; zur Entfernung des noch beigemengten Schwefels übergießt man ihn mit heißer Lauge od. kocht ihn damit, wäscht ihn sorgfältig mit Wasser u. trocknet ihn auf eisernen Platten. Über das von den Chinesen befolgte Verfahren den Z. darzustellen ist nichts bekannt. Die Schönheit des Z-s soll nach Einigen wesentlich erhöht werden, wenn man ihn im gepulverten Zustande mit Wasser od. sehr verdünnter Salpetersäure übergossen mehre Monate lang unter öfterem Umrühren stehen läßt. Wenn man Z. mit 1/100 Schwefelantimon sublimirt, so erhält man ein stahlgraues Sublimat, welches gepulvert u. wiederholt mit Schwefelleberlösung gekocht, dann abgewaschen u. mit Salzsäure digerirt, ein dem chinesischen Z. gleichkommendes antimonfreies Präparat liefert. b) Auf nassem Wege kann ebenfalls Z. von ausgezeichneter Schönheit gewonnen werden. Nach Brunner reibt man 300 Theile Quecksilber u. 114 Theile Schwefel innig zusammen, setzt dann eine Auflösung von 75 Theilen Ätzkali in 400–450 Theilen Wasser zu u. erwärmt auf 45° C., indem man das Gemisch anfangs fortwährend, dann nur von Zeit zu Zeit reibt u. das verdampfende Wasser ersetzt, bis sich ein schönes Scharlachroth gebildet hat; man wäscht den Z. ab u. entfernt das metallische Quecksilber durch Schlämmen. Liebig erhielt sehr schönen Z. durch Digestion von frisch gefälltem weißen Präcipitat mit einer Auflösung von Fünffachschwefelammonium. Nach einem anderen Verfahren bringt man 7 Theile Quecksilber, 1 Theil Schwefelblumen u. 2–3 Theile concentrirte Schwefelleberlösung in eine starke Glasflasche, welche davon nicht ganz angefüllt wird, u. befestigt die Flasche an die Säge einer Sägemühle; durch das beständige Schütteln erzielt man eine vollständige Vereinigung des Quecksilbers mit dem Schwefel u. nach 2–3 Tagen hat sich der schönste Z. gebildet. Der Z. löst sich nicht in Wasser u. Säuren, nur durch anhaltendes Digeriren mit Königswasser wird er zersetzt; Natriumsulfhydrat löst ihn sehr leicht auf; mit einer ammoniakalischen Auflösung von salpetersaurem Silberoxyd färbt er sich augenblicklich schwarz, indem sich Schwefelsilber bildet. Beim Erhitzen wird er dunkler, erhält aber seine rothe Farbe wieder, wenn die Erhitzung nicht bis zur Sublimation gesteigert wird. Man benutzt den Z. bes. als Malerfarbe, zum Zeugdruck u. zur Siegellackfabrikation. Häufig wird er verfälscht u. zwar hauptsächlich mit Ziegelmehl, Mennige, Colcothar, Chromroth; so verfälschter Z. läßt beim Erhitzen einen Rückstand, während reiner Z. sich vollständig verflüchtigt. Zuweilen erhält er noch freien Schwefel beigemengt, wird dann in Berührung mit Kupfer braun u. kann daher zum Rothdruck mit Kupferplatten, sowie zum Malen mit Messingschablonen (bei der Kartenfabrikation) nicht benutzt werden; man erkennt einen Gehalt an Schwefel im Z. an der gelben Farbe, welche Ätzkalilösung annimmt, wenn man den Z. damit kocht; auf diese Weise läßt sich auch der freie Schwefel entfernen. 3) Antimon-Z. Durch geeignete Behandlung erhält der orangefarbene Niederschlag von Schwefelantimon eine schöne zinnoberrothe Farbe u. kann in manchen Fällen statt des Z-s angewendet werden. Nach Mathieu-Plessy vermischt man eine Lösung von Schwefelantimon in Salzsäure mit einer concentrirten Lösung von unterschwefligsaurem Natron u. erhitzt im Wasserbad, worauf sich das schön rothe Präparat abscheidet. 4) Grüner Z., eine grüne Farbe, welche neuerdings als Ersatzmittel für die arsenikhaltigen grünen Farben in den Handel kommt. Nach Vogel löst man Berlinerblau mittelst einer geringen Menge Oxalsäure in Wasser auf u. versetzt dieses mit chromsaurem Kali; auf Zusatz einer Bleizuckerlösung entsteht ein grüner Niederschlag, welcher ausgewaschen, getrocknet u. fein gerieben ein lebhaft grünes Pulver darstellt. Je nach den dabei verwendeten Mengen der Lösungen kann man die verschiedensten Nüancen vom tiefen Blaugrün bis zum hellsten Saftgrün darstellen. Statt des Bleizuckers kann auch Chlorbarium u. salpetersaures Wismuthoxyd dienen; letzteres liefert ein sehr glänzendes Grün, ist jedoch ziemlich kostspielig.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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