Kriegswissenschaften


Kriegswissenschaften

Kriegswissenschaften, die Gesammtheit aller Wissenschaften, welche die zur Ausübung der Kriegskunst nöthigen Kenntnisse behandeln. Dazu gehören A) Die Wissenschaft der Kriegführung, nach welcher die Gesetze entwickelt werden, welche den politischen Zweck durch die Lösung einer militärischen Aufgabe erreichbar machen, schließt also die Kriegspolitik mit ein. Sie zerfällt in a) Strategie u. b) Taktik (s. b.). B) Die Wissenschaft von den Kriegsmitteln; die Kriegsmittel kann man in lebendige u. todte scheiden u. demzufolge ihre Wissenschaft theilen in: a) die Armeeorganisation, die Organisation der lebenden Streitkräfte, u. b) die Waffen- u. Ausrüstungslehre. Aus der Wechselbeziehung zwischen der Lehre von den Kriegsmitteln u. der Kriegführung entsteht: C) die Genie od. Ingenieurwissenschaft, welche die Befestigungslehre, die Lehre von der Herstellung der Verbindungen (Brücken- u. Wegebau, künstliche Nachrichtenverbindungen etc.) u. dann im Gegensatz hierzu die Lehre von den Belagerungen u. der Zerstörung der Verbindungen einschließt. Die hohe Wichtigkeit des Terrains erzeugt aber direct das Bedürfniß, dasselbe auf zweckmäßige Weise kennen zu lernen, u. so entstehen die Terrainlehre, das militärische Aufnehmen, militärische Geographie etc. Außerdem breiten die K. ihre Arme nach allen Seiten hin aus u. es dürfte kaum ein Zweig menschlicher Thätigkeit u. eine Wissenschaft von ihnen unberührt bleiben. Wie die Militärgeographie, hat man daher eine Militärchemie, eine Militärphysik u.a. m. als Hülfswissenschaften herbeigezogen. Eine andere Theilung der K. entsteht aus der Nothwendigkeit der Arbeitstheilung; so gibt es eine Generalstabs-, Artillerie-, Militärökonomie-, Militärarzneiwissenschaft etc. Weil die K. im Ganzen u. in allen ihren Zweigen immer auf die Betrachtung der Materie, mit welcher sie es zu thun haben, zurückgeleitet werden, so müssen sie in das Gebiet der Erfahrungswissenschaften gezählt werden, u. die Geschichte ist für sie die unentbehrlichste Quelle, so daß man mit Recht auch die Geschichte als einen ganz wesentlichen Theil der K. betrachten kann. Die K. haben in Hand-, Lehr- u. Wörterbüchern eine sehr reiche Literatur; vgl. Scharnhorst, Handbuch für Offiziere in den angewendeten Theilen der K., Hann. 1782–90, 3 Bde., u. Aufl 1804–14, neu bearbeitet von Hoyer, ebd. 1815–20, 3 Bde.; Müller, Militärische Encyclopädie, Gött. 1796, 2 Bde.; R. von L., Handbuch für Offiziere, Berl. 1817–18, 2 Bde., ebd. 1828; Wörterbücher über die K. von Belidor (übersetzt von Kratzenstein), Nürnb. 1765, umgearbeitet von Schleicher, ebd. 1801–4, 2 Bde.; Rosenthals Encyclopädie der K., Gotha 1704–1803, 9 Bde.; von Rittig von Flammenstern, Wien 1813; von Hildebrandt, Erl. 1820; von Rumpf, Berl. 1821 f., 2 Bde.; von[824] der Lühe, Militärisches Conversationslexikon, Lpz. u. Adorf 1833–31, 8 Bde.; Handbibliothek für Offiziere, Berl. 1828–33; Müller, Kleine Taschenbibliothek etc., Prag 1841; Erdmannsdorff, Lehrbuch der K., Magdeb. 1845, 2. Aufl. Die übrigen Schriften s.u. den Benennungen der einzelnen Abtheilungen der K., wie unter Waffenlehre, Artillerie etc.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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