Schießscharte


Schießscharte

Schießscharte, eine nach innen enge, nach außen weite Öffnung durch die Brustwehr, um durch dieselbe mit grobem Geschütz zu feuern. Die S-n durch Erdbrustwehren sind inwendig 18–20 Zoll, äußerlich aber 9 Fuß breit, unbedeckt, gewöhnlich 4 Fuß tief. Die Seitenwände der S-n heißen die Backen, die untere Fläche die Sohle der S., die Mittellinie der S. Directrice. Der Theil der Brustwehr zwischen zwei S-n von der Krone bis zur Fläche der Sohle, durch welche die S-n eingeschnitten sind, heißt Kasten (Merlon). Man hat auch schiefe S-n. Meist ist die Sohle der S. nach außen gesenkt, nur bei Ricochetschießscharten wird die Sohle so angelegt, daß das äußere Ende etwas höher als das innere liegt. Auch bei der Haubitzenschießscharte läuft die Sohle von der Kniehöhe nach der oberen äußeren Brustwehrfläche etwas aufwärts, um noch mit Haubitzen Bogenschüsse zu thun u. sich mehr gegen feindliche Kugeln zu sichern. Man macht die S. auch, bes. für Kasematten, aus- u. inwendig weiter u. in der Hälfte ihrer Länge enge. Montalembert hat zum Schutz gegen Steinsplitter seine Scharten mit 12 Zoll starken Hölzern ringsum verkleidet, welche untereinander verbolzet sind. In Erdbrustwehren werden die Backen der S-n gegen die Beschädigung durch das eigene Feuer der Kanonen durch eine Verkleidung geschützt; diese besteht entweder aus Batterienwürsten, 1 Fuß stark, 12 F. lang, od. aus 3 F. hohen Schanzkorden, od. aus 3 F. langen, aufrecht stehenden Sappenbunden, welche in der Mitte einen 41/2 F. langen Pfahl eingebunden haben, um sie damit fest in die Schießschartensohle einschlagen zu können. In offenen Batterien werden die S-n oben durch quer herüber gelegte Faschinen verblendet u. zuweilen während der Ladung des Geschützes gegen die feindlichen Gewehrschüsse durch Blendladen, Thürchen aus eichenen Bohlen, verschlossen. Schmiedeeiserne Blendladen wendet man jetzt bei allen Scharten an, um die Artilleristen gegen das Feuer der weitschießenden Artillerie zu decken. In Sewastopol bewährten sich am meisten Blendladen aus Schiffstauwerk gefertigt, welche allein den Gewehrkugeln widerstanden. Man schneidet S-n immer da in die Brustwehr einer Schanze ein, wo man die Artilleristen gegen ein heftiges feindliches Geschützfeuer zu decken gedenkt u. nach einem bestimmten Punkte feuert, ohne die Richtung wesentlich zu ändern, daher fast immer in Festungswerken u. bei zum Angriff einer Festung bestimmten Werken.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Schießscharte — Schießnische mit Kreuzscharte (Corfe Castle) Eine Scharte (Schießscharte) ist im Fortifikationswesen eine Öffnung innerhalb einer Befestigung, die einem Schützen den Einsatz einer Fernwaffe bei gleichzeitiger hoher Deckung erlaubt. Schießscharten …   Deutsch Wikipedia

  • Schießscharte — Scharte: Zum Stamm des unter 1↑ scheren »schneiden« behandelten Verbs gehört ein im Nhd. untergegangenes Adjektiv mit der Bedeutung »verstümmelt, zerhauen« (mhd. schart, ahd. scart, aengl. sceard, aisl. skarđr). Aus ihm ist mhd. schart‹e›… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schießscharte — die Schießscharte, n (Oberstufe) Öffnung innerhalb einer Befestigung, die einem Schützen den Einsatz einer Fernwaffe bei gleichzeitig möglichst hoher Deckung erlaubt Beispiel: In den etwa 1,3 Meter starken Wänden wurden Schießscharten eingelassen …   Extremes Deutsch

  • Schießscharte — Schieß|schar|te 〈f. 19; in Festungen, Burgen〉 schmale, senkrechte Maueröffnung, durch die geschossen werden kann * * * Schieß|schar|te, die: Öffnung im Mauerwerk einer Burg, Festung o. Ä. zum Schießen auf den Feind. * * * Schieß|schar|te, die:… …   Universal-Lexikon

  • Schießscharte — Schieß·schar·te die; hist; eine Lücke in einer Mauer (z.B. bei einer Burg), durch die man auf den Feind schießen konnte …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Schießscharte — Schieß|schar|te …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Schießscharte, die — Die Schießscharte, plur. die n, Scharten, d.i. Einschnitte in den obern Theil der Mauern und Brustwehren, um dadurch mit groben und kleinen Geschütz auf den Feind zu schießen. In weiterer Bedeutung werden auch wohl die Schießlöcher in den Mauern… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Scharte — Schar|te [ ʃartə], die; , n: 1. schadhafte Stelle an dem glatten, geschliffenen Rand von etwas, besonders in der Schneide eines Messers: die Sense hat schon ein paar Scharten; im Rückspiel können wir die Scharte wieder auswetzen (den entstandenen …   Universal-Lexikon

  • St. Laurentius und Heinrich — Gesamtansicht Die Kirche St. Laurentius und Heinrich in Hohenpölz (Landkreis Bamberg) ist eine Filialkirche der katholischen Pfarrgemeinde Königsfeld in Oberfranken. Inhaltsverzeichnis 1 …   Deutsch Wikipedia

  • Erker — Er|ker [ ɛrkɐ], der; s, : (mit Fenstern versehener) Vorbau an der Front oder an einer Ecke eines Gebäudes: eine Jugendstilvilla mit einem runden Erker und zwei Balkonen. * * * Ẹr|ker 〈m. 3〉 vorspringender Bauteil mit Fenstern an Gebäuden… …   Universal-Lexikon