Keil [1]


Keil [1]

Keil, 1) (Cuneus). einfache Maschine, in ihrer einfachsten Form ein dreiseitiges Prisma darstellend, dessen beide Basisflächen gleichschenkelige Dreiecke mit einem verhältnißmäßig kleinen Winkel an der Spitze sind. Sonach ist die eine Seitenkante des Prisma, welche diese beiden Winkelspitzen verbindet, eine verhältnißmäßig scharfe, sie wird die Schärfe des Keils, die gegenüberliegende Fläche der Rücken des Keils, die beiden anderen vierseitigen Flächen schlechthin die Seiten des Keils genannt. Der K. wird in der Mechanik angewendet, indem man seine Schärfe zwischen zwei durch gewisse Kräfte[415] gegeneinander gedrückte Gegenstände bringt, um dieselben durch eine dritte gegen den Rücken des Keils wirkende Kraft von einander zu entfernen Nennt man die letztere Kraft die Kraft, die erstere die Last, so folgt aus dem Gesetze des Gleichgewichts an der schiefen Ebene, daß zwischen Kraft u. Last am K. Gleichgewicht stattfindet, wenn sich die Kraft zur Last, wie der Rücken zur Seite des Keils verhält. Daher ist der K. um so wirksamer, je schmäler verhältnißmäßig der Rücken, d.h. je schärfer die Kante ist. Da jedoch der K. nicht ohne große Reibung sich anwenden läßt, so ist diese Formel für die Praxis unbrauchbar u. man folgt bei seinem Gebrauche empirischen Regeln. Jene große Reibung würde überhaupt das Vortheilhafte seines Gebrauches zu schmälern scheinen, wenn es nicht die einzige unter den einfachen Maschinen wäre, welche nicht durch Druck, sondern durch Stoß getrieben zu werden pflegt, u. bei diesem durch die Geschwindigkeit der Bewegung der Effect sich bedeutend steigern läßt. Die Wirksamkeit des Keils wird noch mehr vertheilt, wenn auch die beiden dreikantigen Flächen der einfachen Keilform convergirend sind, od. selbst zusammentreten, wo dann der K. vorne, statt in einer Kante, in einer Spitze sich endigt, also statt einer prismatischen, eine Pyramidalform hat. Diese Form kann dann auch bei jeder anderen Pyramidalform von drei bis zu einer unendlichen Zahl Seiten haben, kann also auch eine kegelförmige sein. Überall, wo es darauf ankommt, nicht blos nach zwei entgegengesetzten Seiten drückend od. stoßend zu wirken, ist eine solche Pyramidal- od. Kegelform wirksamer. Mehrere der gemeinsten Werkzeuge, welche schneidend wirken, so, außer Beilen, Säbeln, Messern, auch Scheren (als Doppelkeile), wirken in ersterer Art, Degen, Nägel, Nadeln u. alle stechend wirkende Werkzeuge dagegen auf die zweite Art. 2) (Math.), so v.w. Flächenwinkel; 3) bei mehreren Gewerben was die Form eines Keils hat.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Keil [1] — Keil, ein dreiseitiges Prisma a bc (Fig. 1), das mit einer Kante c (Schneide, Schärfe) zwischen zwei Körper A und B dringt, um diese vermittelst einer auf dem Rücken ab (Kopf) zur Wirkung kommenden Kraft K voneinander zu entfernen. Fig. 1. Keil.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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  • Keil [3] — Keil, Robert, Schriftsteller, geb. 22. Aug. 1826 zu Weimar, Rechtsanwalt das., gest. 1. März 1894; verdient um die Goethe Forschung (»Vor hundert Jahren«, 1875 etc.), veröffentlichte »Deutsche Studentenlieder des 17. und 18. Jahrh.« (1861), mit… …   Kleines Konversations-Lexikon