Leyden [1]


Leyden [1]

Leyden, 1) Bezirk im niederländischen Gouvernement Südholland; drei Cantone 92,500 Ew.; 2) Hauptstadt desselben, die älteste Stadt Hollands u. nach Amsterdam die größte des Königreichs, am Rhein, Does, Vliet, Mare u. Zyl, von vielen Kanälen durchschnitten, hat 17 Kirchen (darunter die Peterskirche mit den Denkmälern Boerhaave's, Spanheims, Dodonäus, P. Campers, Scaligers, Meermanns u. Lussacs), Universität von fünf Facultäten u. 5 Jahre Cursus, wovon zwei zu den vorbereitenden philosophischen bestimmt sind (gestiftet 6. Juni 1575), mit Bibliothek (14,000 Manuscripte), Sternwarte, Anatomisches Theater (Schills Kopf, der sonst hier in Weingeist aufbewahrt wurde, ist 1837 nach Braunschweig geschafft worden), Physikalisches Cabinet, Botanischer Garten, 1587 angelegt, Museum der Alterthümer, Siebolds Japanesische Sammlung, Collegium der Theologanten u. Wallonen, 6–700 Studenten, Gymnasium, mehrere Gelehrte Gesellschaften (der Wissenschaften, Poetische Gesellschaft, ferner für Bildhauer, Kupferstecher u. m. a.), Königliches Museum für Naturgeschichte, durch Temmincks Sammlung vermehrt, Krankenhaus, Rathhaus (mit dem jüngsten Gericht von Lucas von Leyden), Schützenhaus (mit Abbildungen vieler Grafen von Holland), Waisen-, Irren- u. Zuchthaus, Landesmilitärstrafgefängniß u. m. a., auf der alten Burg, von der noch Ruinen eines großen Thurmes übrig sind, Park, öffentlicher Vergnügungsort; Handel mit Wolle u. Tuch, Fabriken in Tuch u. wollenen Zeugen, Band, Garn, Leder etc., Salzraffinerien u.a.m.; 37,500 (einst 100,000) Ew. L. ist Geburtsort von J. Bockold (Joh. von Leyden), Gerard u. Isaak Voß, Nic. Heinsius, van Swieten, van Bommel, Otto Venius, G. Metzu, Mieris, P. Rembrand, Lucas von Leyden, P. Musschenbroeck. Berühmt ist die in der Umgegend gefertigte Butter. Der Kanal von L. (tiefer als das Meer gehend) führt nach Haarlem. – L. hieß bei den Römern Lugdunum Batavorum u. war Hauptstadt der Caninefater. Hier 197 n. Chr. Sieg des Kaisers Severus über seinen Gegenkaiser Albinus, worauf der Sieger L. verbrannte. 1090 war L. ansehnliche Herrschaft u. erhielt von den Grafen von Holland Burggrafen. Ihre Mauern wurden 1249, 1355, 1399 u. 1611 erweitert. Vom 31. Oct. 1573 bis 24. März 1574 wurde L. von den Spaniern belagert u. von Ludwig von Nassau entsetzt. Bald darauf begann die Belagerung von Neuem, wurde aber am 3. Oct. 1574, da Wilhelm von Oranien die Dämme Nordhollands durchstach u. mit einer Flotte mit Lebensmitteln vor L. erschien, wieder aufgehoben, s.u. Niederlande (Gesch). 1575 wurde die Universität gestiftet. Am 12. Jan. 1807 wurde die Stadt zum Theil durch das Auffliegen eines Schiffes mit 40,000 Pfund Pulver zerstört; 3) so v.w. Lébény; 4) Insel an der Norbspitze von Ceylon; 5) Insel in der Bataviabai an der Nordküste von Java; 6) Städtischer Bezirk mit Postamt (Post-township) in der Grafschaft Lewis des Staates New York (Nordamerika); 2600 Ew.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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