Bem


Bem

Bem, Joseph, geb. 1790 (1795) zu Tarnow in Galizien, besuchte zuerst die Universität zu Krakau, seit 1810 die Militärschule zu Warschau u. machte als Lieutenant der polnischen Artillerie den Feldzug 1812 in Rußland mit, trat 1815 in russisch-polnische Dienste, wurde 1819 Hauptmann u. war kurze Zeit Lehrer an der Artillerieschule zu Warschau, nahm 1825 seinen Abschied u. lebte in Lemberg, seit 1826 auf Fr. Potocki's Gütern u. beschäftigte sich mit Construction von Dampfmaschinen. 1831, bei der Polnischen Revolution, trat er als Major wieder ein u. rückte schnell zum Obristlieutenant, Oberst, General u. Chef der polnischen Artillerie empor u. zeichnete sich namentlich in der Schlacht bei Ostroleuka aus, wo er das Feld behauptete. In der Schlacht bei Warschau beschuldigte man ihn der Unthätigkeit; er ging nach der Einnahme Warschaus auf preußisches Gebiet u. leitete in Deutschland die polnische Emigration nach Frankreich; er selbst ging 1832 nach Paris. Vergebens suchte er 1833 eine polnische Legion für Dom Pedro von Portugal zu errichten u. ward hierbei durch einen Pistolenschuß meuchlerisch verwundet; da er auch von der spanischen Regierung sein Dienstanerbieten zurückgewiesen sah, ging er wieder nach Paris, versuchte dort vergebens eine polytechnische Gesellschaft ins Leben treten zu lassen u. lebte seitdem auf Reisen in Portugal, Spanien u. den Niederlanden. In Folge der Maiereignisse 1848 ging er nach Lemberg, von da nach Wien u. nahm seit dem 14. October wesentlich Theil an der Vertheidigung der Stadt. Seit dem 28. Oct. zog er sich aber zurück u. am 31. Oct. glücklich über die Linien entkommen, ging er zunächst nach Preßburg zu Kossuth u. von da nach Pesth, wo, weil das Gerücht des Verraths aus Wien vor ihm hergegangen war, ein gewisser Coladjeßki wieder ein Pistol auf ihn abschoß u. ihn verwundete. In Kossuths Auftrag organisirte er in Debreczin die Honveds, ging mit diesem Heere von 8–10,000 Mann im Decbr. nach Siebenbürgen, nahm Klausenburg, schlug am 17. Jan. 1849 den General Puchner u. bedrohte Hermannstadt. Nachdem er sein. Heer auf 30,000 M. gebracht hatte, besiegte er die Österreicher am 9. Febr. an der Brücke von Piski, nahm am 11. März Hermannstadt u. hatte in Kurzem ganz Siebenbürgen besetzt. Nun erhöhte er sein Heer auf 40–50,000 M. u. ging Ende März mit Perczel nach dem Banat. Im April drängte er die Österreicher in die Walachei u. verwaltete jene Provinz als Obergeneral, benutzte inzwischen aber seine Stellung, um eine Verbindung mit der Türkei anzuknüpfen u. zu unterhalten, um über dort Waffen von England zu erhalten u. für alle Fälle seinen etwaigen Rückzug zu decken. Inzwischen war die russische Armee in Siebenbürgen vorgerückt, welche ihn bei Schäßburg am 31. Juli u. am 7. Aug. bei Temesvár schlug. Nach dem endlichen für die Insurrection ungünstigen Ausgange im Aug. 1849 zog er sich auf türkisches Gebiet zurück. In der Türkei angekommen, trat er zum Islam über, um vor einer etwaigen Auslieferung geschützt zu sein, u. erhielt die Würde eines Paschas u. den Namen Murad Pascha. Am 24. Februar 1850 wurde er mit den anderen zum Islam Übergetretenen nach Aleppo in Syrien gebracht, wo sie, nach dem türkisch-österreichisch-russischen Übereinkommen, internirt werden sollten. In Österreich aber wurde er abwesend processirt, am 16. Mai in Wien in effigie gehenkt u. seine Güter confiscirt. Bei dem Blutbad in Aleppo (s.d.) im November 1850 commandirte er die türkischen Truppen gegen die arabische Bevölkerung u. st. hier am 10. December 1850. Er schr. französisch: Über die Congrevischen Brandraketen, deutsch von M. Schuh, Weim. 1820; Exposé général de la méthode mnémonique polonaise perfectioné à Paris, Par. u. Lpz. 1839.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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