Bodensee


Bodensee

Bodensee, 1) (Konstanzer See, Deutscher See, Lacus Bodamicus), führt seinen Namen von dem alten Schlosse Bodema (Bodmen), zur Zeit der Karolinger zuweilen Sitz dieser Kaiser, wird vom Rhein gebildet, der unterhalb Rheineck einmündet, bei nonstanz in den Zellersee u. bei Stein aus diesem nieder ausfließt; liegt zwischen Deutschland (Österreich, Baiern, Württemberg, Baden) u. der Schweiz (St. Gallen, Thurgau), 1225 Fuß (1322), über dem Mittelmeere, ist von Bregenz bis nach Bodmen 81/3 Meile lang, von Lindau bis Arbon 21/2 Meile breit, zwischen Lindau u. Bregenz am tiefsten, angeblich über 2000 Fuß, durchschnittlich aber 800–1000 Fuß tief, hält im Umfange 24 Meilen, im Spiegel 81/2 QM., nimmt an 50 Zuflüsse, als im SO. die Goldach u. Steinach, von O. die Bregenzer Ach, Leiblach, Argen, Schussen, Seefelder Ach, Stockach u.a. auf, die ihn mit zugeschwemmtem Gerölle mehr u. mehr zufüllen, ist oft stürmisch, namentlich wenn der Südwind (Föhn) weht u. bisweilen anschwellend u. wieder sinkend, eine der Ebbe u. Fluth des Meeres ähnliche Erscheinung, welche man Nuhs nennt, fischreich (26 Arten, darunter vorzüglich Blaufelchen, Rheinlanken, Lachsforellen). An den Ufern nisten von Schwimmvögeln 36 Arten, darunter die Kropfgans, von Sumpfvögeln an 30 Arten An Umfang u. Tiefe soll der See im Laufe der Zeit verloren haben. Der zwischen Tyrol u. St. Gallen liegende Theil ist der schönne, umgeben von den Vorbergen der Vorarlberger u. Appenzeller Alpen, hinter denen (von Lindau aus gesehenen) die höheren schneebedeckten Berggipfel aufsteigen Das Wasser des Sees erscheint dunkelgrün mit mannichfachem Wechsel, je nach der Ferne od. der Beleuchtung; auf, einer Oberfläche lagert bisweilen so dicker Nebel, das die Schiffer sich des Compasses bedienen müssen, um nicht zu irren, auch sind mitunter Luftspiegelungen wahrgenommen worden. Man unterscheidet den Ober- od. Konstanzer See (zwischen Bregenz u. Kostnitz), Unter- od. Zellersee (von Kostnitz bis Radolfzell), gewöhnlich als besonderer See betrachtet, worin die Insel Reichenau, u. den Überlinger (Bodmersee, von Mörsburg bis Überlingen), mit der Insel Mainau, welche seit 1853 dem Prinzregenten von Baden gehört. Der lebhafte Schifffahrtsverkehr auf dem See, dessen fruchtbare Ufer mit blühenden Städten, wohlhabenden Dörfern, Landgütern etc. besäet sind, wird theils mit Segel- (Lädi-), theils mit Dampfschiffen betrieben. Die Hauptlinien der Dampfer sind von Lindau, wo die baierische Bahn ausmündet, nach Rorschach (Endpunkt der St. Galler Bahn), Rheineck (von wo sich die St. Galler Bahn bis nach dem Lago maggiore fortsetzt) u. Bregenz, von Friedrichshafen (Endpunkt der Wüttemberger Bahn) nach Romanshorn (Endpunkt der Züricher Bahn, die in ihrer Fortsetzung den Genfer See mit dem B in Verbindung setzt). Die Wasserstraße von Bregenz nach Konstanz geht durch den Zellersee nach Schaffhausen, wo sie wegen der Rheinfälle endet, aber Eisenbahnanschlüsse nach Zürich u Basel hat Nur 1695, 1830 u. 1841 fror der B. ganz zu. Von ihm hat ein Kreis in Baden (s. Seekreis) u. hatte sonst eine württembergische Landvogtei den Namen. Die Alten nannten ihn als eine Erweiterung des Rheinstromes zum See Lacus Rheni, Lacus Brigantinus. L. Acronius. L. Venetus; man glaubt, sie hätten damit verschiedene Theile des Sees gemeint u. zwar sei der Brigantinus von Brigantia (Bregenz), der jetzige Obersee, der Acronius der Überlinger, der Venetus der Zellersee. Auf einer Insel des B-s rüstete sich Tiberius zum Einfall in Süddeutschland. Geschätzt waren in Rom die Neunaugen aus diesem See. Die Gerichtsbarkeit über die eine Hälfte des B-s wurde den Eidgenossen 1690 vom Kaiser Leopold I. zuerkannt, Vgl. Schwab, Der B. nebst dem Rheinthale, Stuttg. 1827; Söltl, Der B. mit seinen Umgebungen, Nürnb. 1828; Der Bodensee u. seine Umgebungen, Stuttg. 1857, 3 Thle. 2) Kleiner u. Große-B., 2 kleine Seen in Mecklenburg-Strelitz, von welchen die Havel abfließt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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