Gymnasium


Gymnasium

Gymnasium (v. gr.), 1) in den griechischen Städten öffentliches Gebäude, worin die männliche Jugend sich durch allerhand Übungen die Kräfte u. Gewandheit des Körpers ausbildete. Weise singen später an, in den Gymnasien auch die Jünglinge zu unterrichten, u. für diese wurden nachher in den Gymnasien besondere Hallen angelegt; die seither daneben befindlichen Bäder wurden mit den Gymnasien verbunden, u. zeitig füllten die Zimmer, Säulengänge, Stadien, Alleen, freie Spatziergänge einen sehr beträchtlichen Raum. Das G. war ein 2 Stadien fassender Peristyl, umschlossen von 4 Säulengängen, 3 einfachen u. gegen Mittag von einem doppelten, hinter diesen Gängen waren die Exedrä mit steinernen Bänken an den Wänden, die Bäder, das Ephebeion u. viele andere einzelne Plätze; der von jenen Räumen umschlossene große freie Platz diente zu den Übungen. Außerdem befanden sich noch drei Säulengänge, einer mit einer Doppelreihe u., links u. rechts davon, zwei einfache Reihen; in beiden letzteren, in etwas vertieftem Fußboden, die Stadien zu Privatübungen; längs der Umfassungsmauer des ganzen G-s u. der äußersten Säulenreihe eine Gallerie (Xystos) für die Zuschauer od. bes. für die Übungen der Athleten. Zunächst den Säulengängen waren Spatziergänge (Peridromides). Am Ende dieser Spatziergänge befand sich das große Stadium zu öffentlichen Spielen. Geziert waren die Gymnasien mit Statuen, Hermen, Gemälden etc. Die Paästra war der Theil des G-s, wo eigentlich die Übungen im Ringen angestellt wurden. In den Gymnasien übte sich der Knabe unter Anweisung der Pädotriben in stark u. gelenk machenden Kämpfen vom 7. Lebensjahre an; wer dagegen ein Kämpfer von Profession (Palaistes, Athletes) werden wollte, fand in der Palästra bei dem Gymnastes Anleitung; über die Arten der Übungen s.u. Gymnastik A). Die Aufsicht über die Gymnasien u. die Verpflichtung, junge Leute zu den Festen für seine Kosten in den nöthigen Leibesübungen unterrichten zu lassen (Gymnasiarchie), mit besonderer Wachsamkeit über die Gesetze des Anstandes u. die Reinheit der Sitten, hatte in Athen der Gymnasiarches, ein reicher Bürger, welcher, vermöge der Liturgie, gewöhnlich auf zwei Jahre von seiner Phyle gewählt, dazu verpflichtet war. Zum Zeichen seines Amtes trug er ein Purpurgewand u. einen Stab. Da, nach dem Beispiele der Griechen, in Rom unter den Kaisern auch Philosophen, Rhetoren etc. gelegentlich in den Gymnasien Unterricht ertheilten, welcher endlich förmlich wurde, bedeutet G. 2) überhaupt einen öffentlichen Ort, wo die Jugend unterrichtet wurde, u. in neuerer Zeit 3) insbesondere eine gelehrte Schule, s. Gelehrte Schulen; daher Gymnasiast, Schüler auf einem G.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Gymnasium — Gymnasium …   Deutsch Wörterbuch

  • GYMNASIUM — GYMNASIUM, ancient Greek institution devoted to physical education and development of the body (γυμνός, naked ). Although originally established for functions of a purely athletic and competitive nature, the gymnasium eventually became dedicated… …   Encyclopedia of Judaism

  • Gymnasium — (griech.), bei den alten Griechen der Ort (gymnásion), an dem die gymnastischen Übungen stattfanden (s. Gymnastik): Turnplatz und Turnhalle; heute: höhere Lehranstalt, in der die alten klassischen Sprachen gelehrt und Schüler für die Universität… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Gymnasium — Sn Oberschule std. (15. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus gr. gymnásion Übungs und Ausbildungsstätte , einer Ableitung von gr. gymnázesthai (sich mit bloßem Körper) sportlich betätigen , zu gr. gymnós nackt . In den Gymnasien lehrten auch Philosophen …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Gymnasium — may refer to:*Gymnasium (ancient Greece), an educational and sporting institution in ancient Greece *Gymnasium (school), a school of secondary education found in several European countries that prepares students for higher education *Gym, a place …   Wikipedia

  • Gymnasium — (zur Hochschulreife führende höhere Schule): Das Gymnasium in seiner heutigen Form ist aus der alten Lateinschule hervorgegangen und verdankt seinen klassischen Namen den Humanisten des 15./16. Jh.s. Als Vorbild für die Benennung galt ihnen die… …   Das Herkunftswörterbuch

  • gymnasium — 1590s, place of exercise, from L. gymnasium school for gymnastics, from Gk. gymnasion public place where athletic exercises are practiced; gymnastics school, in plural, bodily exercises, from gymnazein to exercise or train, literally or… …   Etymology dictionary

  • Gymnasium — Gym*na si*um (j[i^]m*n[=a] z[i^]*[u^]m or j[i^]m*n[=a] zh[i^]*[u^]m; 277) n.; pl. E. {Gymnasiums} (j[i^]m*n[=a] z[i^]*[u^]mz), L. {Gymnasia} (j[i^]m*n[=a] z[i^]*[.a]). [L., fr. Gr. gymna sion, fr. gymna zein to exercise (naked), fr. gymo s… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Gymnasium — Gymnasĭum, bei den alten Griechen Bezeichnung für öffentliche Anlagen, in denen Jünglinge und Männer nackt (gymnos) unter Leitung der vom Staate bestellten Gymnasten und Gymnasiarchen ihren Körper ausbildeten, und die allmählich auch zum… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Gymnasium — (vom griech. gymnos, nackt), Orte im alten Griechenland, Gebäude und Gärten, wo die Jugend und Erwachsene den körperl. Uebungen oblagen, später auch die Philosophen lehrten und disputirten. In neueren Zeiten nennt man G. solche wissenschaftliche… …   Herders Conversations-Lexikon