Laus [1]

Laus [1]

Laus (Pediculus), 1) bei Neuern Gattung aus der Familie der Läufe (Pediculina) u. der Ordnung der Schnabelkerfe (Rhynchota, Hemiptera), kleiner, röhrenförmiger Rüssel am Vordertheile des Kopfes, darin das Saugorgan u. auf ihm ein Häkchen, wodurch die L. sich an der Haut fest hält, während sie saugt (daher die L. auch nicht eigentlich heißt, sondern sticht); die Füße haben ein Gelenk von der Größe des Schenkels u. sind vorn mit einem Nagel versehen, der sich zangenförmig an eine vorspringende Ecke des Schienbeines anschließt, wodurch der L. das Klettern an Haaren leicht wird. Die Eier heißen Nisse (Lendes), sind sackförmig, schließen sich mit einem Deckel zu u. werden mit einer Art Kitt an Haare u. dgl. befestigt. Bei dem Menschen findet sich: a) die Kopflaus (P. humani capitis, P. humanus L.), graulich, mit bräunlichen u. schwärzlichen Flecken (doch im Ganzen nach der Haarfarbe der Menschen, worauf sie sitzt, lichter od. dunkler, bei den Negern sogar schwarz), am Hinterleib mit rundlichen Einschnitten u. so durchsichtig, daß man die Bewegung des Magens u. den Gang der Speisen beobachten kann; lebt auf dem Kopf der Menschen u. einiger Affenarten, namentlich an den abschüssigen Stellen, bes. der Kinder, u. vermehrt sich ungemein. Das Weibchen legt in Zeit von 6 Tagen 50 bis 100 Nisse, die durch Kopfwärme sich in 6 bis 8 Tagen entwickeln; die jungen Läufe sind von der Größe einer Käsemilbe, häuten sich einigemal, wachsen schnell, werden nach drei Wochen zur Fortpflanzung geschickt, u. so kann ein Weibchen in acht bis zehn Wochen Mutter von mehr als 10,000 Läufen sein, von denen in der Regel die bei weitem größte Zahl Weibchen (100 Weibchen auf 1 Männchen) sind. Ihr Lebensalter ist wohl nur 1 Jahr. Sie werden von einigen wilden Völkern verzehrt. Früher wurden die Läufe als Medicin gegen Gelbsucht u. andere Krankheiten, od. auch bei Urinverhaltungen als Trokar gebraucht. Daß sie sich bei den, den Äquator passirenden Menschen verlieren sollen, ist erdichtet, wohl aber bleiben sie auf keinem Leichnam. Gegen sie, die durch Menge wohl der Gesundheit schädlich werden, sind mancherlei Gegenmittel angewendet worden; Ouecksilber als Läusesalbe (s.d.) auf dem Kopf eingerieben, ist das sicherste, da die Läufe davon sterben, auch wendet man Petersiliensamen an od. reibt Benzin od. Campherspiritus ein; ganz sicher ist fortgesetzte Reinlichkeit; gegen die Nisse das Kämmen mit Essig, welcher den Kitt, womit sie in den Haaren hängen, auflöst u. sie so abfallen macht. b) Kleiderlaus (Körperlaus, P. humani corporis, P. vestimenti), weißlich, fleckenlos, mit weniger ausgezacktem Körper; bleibt nicht auf dem Kopfe, nur am Leibe u. auf den Kleidern unreinlicher Menschen, legt ihre Eier in die Nähte der Kleider, vermehrt sich sehr, ist schwer auszurotten, wird ebenfalls nur durch größte Reinlichkeit, Quecksilber od. durch Schwefeln der Kleider vertrieben. c) Filzlaus (P. pubis, Phthirius inguinalis, [169] Morpio), mit abgerundetem breitem Körper, ganz kurzem Bruststücke, fest mit dem Hinterleibe verwachsen, vorn mit langen scherenähnlichen Vorderfüßen; findet sich in den Haaren am Unterleibe u. in den Augenbrauen unreinlicher Menschen, sticht schmerzlich, hakt sich fest ein, wird mit Tabaksöl u. Quecksilber vertrieben. Dieser fügt Goldfuß noch als eigene Art d) Pediculus tabescentium (Krankenlaus) bei, mit abweichenden naturhistorischen Charaktern, nämlich mit sehr großem viereckigem Brustkasten u. nicht eingeschnürten Hinterleibssegmenten, wird von Manchen für die Ursache der Läusesucht (s.d.) gehalten. e) Fußlaus (P. ricinoides), Hinterleib scheibenförmig, roth, mit weißer Linie, in Südamerika; setzt sich unter die Nägel an den Füßen der Menschen, durchbohrt das härteste Sohlenleder, saugt Blut, verursacht bösartige Geschwüre u. wird von den Weibern dort mit eigenen gabelförmigen Instrumenten ausgegraben, geschieht dies nicht, so können sie tödtlich werden, u. selbst so erregen sie schon heftiges Fieber. f) Schweinelaus (P. s. Haematopinus suis), braungelb, am Ende mit zwei schwarzen Flecken u. g) Rinderlaus (P. vituli), bleigrau, Hinterleib bei erster breit, bei letzter zugespitzt. Die Läufe (2. B. Mos. 8,16) waren kleine, sehr lästige, Mücken ähnliche Insecten, welche zu den Landplagen Ägyptens gehörten u. die auch in Ohren u. Nasenlöcher krochen; vielleicht Culex reptans L. od. C. molestus Forsk; 2) Läufe auf Pflanzen sind Blatt- od. Schildläuse. Vgl. auch Vogellaus.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Laus — may refer to:* Laüs, an ancient city on the west coast of Lucania * Laus River, a river of southern Italy * Paul Laus (born 1970), former professional ice hockey player * Our Lady of Laus, the first Marian apparition approved in the 21st century… …   Wikipedia

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  • Laus — die; , Läu·se; ein kleines Insekt, das vom Blut von Menschen und Tieren oder vom Saft von Pflanzen lebt <Läuse haben; eine Laus zerdrücken> || K: Blattlaus, Kopflaus, Schildlaus || ID jemandem ist eine Laus über die Leber gelaufen gespr;… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Laus — Laus, a. Loose. [Obs.] Chaucer. [1913 Webster] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Laus [2] — Laus (lat.), Lob; daher Laus Deo Lob [sei] Gott!), 1) Formel, welche sonst die Kaufleute über ihre Rechnungen setzten, daher noch jetzt 2) im Scherz so v.w. Rechnungs od. Mahnzettel …   Pierer's Universal-Lexikon

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  • Laus [3] — Laus (L. Pompeji, a. Geogr.), Stadt der Insubrer in Gallia transpadana, von Pompejus Strabo in ein römisches Municipium verwandelt; später die Hauptstadt der Longobarden; jetzt Ladeve d. Lodi vecchio …   Pierer's Universal-Lexikon

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