Streichen


Streichen

Streichen, 1) sich schnell über etwas hin od. von oben nach unten bewegen od. bewegen lassen; 2) die Segel, eine Raa, die Flagge streichen, dieselbe herunter lassen (vgl. Kardeele 2); jene, um den Lauf des Schiffes zu unterbrechen, diese, um ein anderes Schiff zu begrüßen od. sich demselben zu ergeben; 3) die Riemen streichen, so v.w. rückwärts rudern, um eine Schaluppe aufzuhalten; auf Einer Seite allein geschieht es, um das Fahrzeug zu wenden; das Commando dazu ist: Streich! 4) von der Luft u. dem Winde sich horizontal u. gleichmäßig fortbewegen; 5) von großen Vögeln in gerader Linie fortfliegen; 6) so v.w. niedrig fliegen, s.u. Rebhuhn 2); 7) von Zugvögeln[918] in wärmere Länder ziehen od. aus ihnen zurückkehren, ersteres Wegstrich, letzteres Wiederstrich; die Vögel sind auf dem Striche, wenn sie fortfliegen od. zurückkehren; 8) von Schnepfen auf dem Wiederstrich sein; 9) von Strichvögeln (s.d.), sich in einen nahen, aber bequemen Wohnplatz begeben; 10) von Wölfen u. Luchsen so v.w. ranzen; 11) von Fischen, sich begatten u. laichen; 12) die Richtung, in welcher ein fallendes (s. Fallen 4) Erzlager, Gebirgsschicht etc. in derselben Horizontalen bleibt; das S. steht winkelrecht zum Fallen; den Streichwinkel, d.h. den Winkel zwischen der Streichrichtung u. der Mittagslinie, mißt man mit dem Compaß; 13) auf dem Probirsteine reiben; vgl. Probirnadel; 14) bei Bogeninstrumenten mit Hülfe des Bogens, welchen man auf den Saiten hinzieht, Töne hervorzubringen; 15) beim Messen des Getreides den Haufen auf dem Maße wegschieben; es geschieht mit der Mulde od. mittelst eines Streichholzes, eines dünnen Bretes, woran ein Griff befindlich ist; 16) so v.w. bügeln; 17) (Thierheilk.), so v.w. aufstreichen 2); 18) (Gerb.), so v.w. ausfleischen, ausstreichen, abhaaren; 19) so v.w. reinstreichen, s.u. Hut S. 641; 20) Ziegel u. Torf formen; 21) Glätten der Seilerwaaren, s.u. Seiler II.; 22) so v.w. krämpeln, s.u. Kratze; 23) Breter, Pfosten, Pfähle, an der Seite, wo sie fest an einander stoßen sollen, ganz glatt hobeln; 24) mit einem Farbmaterial u. dergl. anstreichen od. überstreichen; 25) zum ersten Male pflügen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Streichen — Streichen, verb. irregul. Imperf. ich strích, Mittelw. gestríchen, Imperat. streíche oder streich. Es ist ursprünglich, so wie alle Zeitwörter, eine Onomatopöie, welche einen gewissen bestimmten diesem Worte eigenthümlichen Laut nachahmte, und… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • streichen — V. (Grundstufe) etw. mit Farbe bemalen Synonym: anstreichen Beispiele: Sie haben die Wohnung neu gestrichen. Die Bank ist frisch gestrichen. streichen V. (Grundstufe) etw. durch einen Strich löschen Synonym: ausstreichen Beispiele: Der Schüler… …   Extremes Deutsch

  • streichen — streichen: Das westgerm. starke Verb mhd. strīchen, ahd. strīhhan, niederl. strijken, engl. to strike (↑ Streik) geht mit verwandten Wörtern in anderen idg. Sprachen auf die unter ↑ Strahl dargestellte idg. Wurzel *ster‹ə› »streifen, streichen«… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Streichen — Streichen, s. Fallen und Streichen …   Lexikon der gesamten Technik

  • streichen — Vst. std. (8. Jh.), mhd. strīchen, ahd. strīhhan, mndd. striken, mndl. striken, stricken Stammwort. Aus g. * streik(w) a Vst. streichen , auch in anord. strýkja, strýkva, ae. strīcan, afr. strīka. Außergermanisch vergleichen sich vielleicht l.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • streichen — streichen, streicht, strich, hat gestrichen 1. Ich muss meine Wohnung neu streichen. 2. Das Wohngeld ist gestrichen. Wir verdienen jetzt zu viel …   Deutsch-Test für Zuwanderer

  • Streichen [1] — Streichen, seemännisch das Gegenteil von heißen, also herunterziehen, z. B. die Segel oder die Flagge. Wenn zu den Zeiten der Segelschiffahrt ein Schiff, das verfolgt wurde, seine Segel strich, so gab es sich damit verloren; daher figürlich die… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Streichen [2] — Streichen, ein Fehler im Gang beim Pferde. Das Pferd streicht sich, indem der Huf des einen Fußes die Innenseite des Fesselgelenkes des andern Fußes streift und schließlich wund macht …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Streichen — der Gebirgsschichten, die Richtung, in welcher diese in derselben Horizontalen (Streichlinie) sich weiter erstrecken. (S. auch Fallen) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • streichen — 1. ↑elidieren, 2. canceln …   Das große Fremdwörterbuch