Visir [1]


Visir [1]

Visir, 1) Einrichtung zum Erfassen des Kornes u. des Zielpunktes auf Schießgewehren. Das einfachste V. ist das Standvisir od. Stöckchen. Es besteht aus einem eisernen Viereck, ist 1 Zoll breit, 1/4-2 Zoll hoch u. 3–6 Zoll vom Ende des Rohres auf diesem befestigt (eingelassen u. verlöthet). Senkrecht über der Seelenachse ist in die obere Fläche (die Visirfläche) die Visirkimme in Form eines gleichschenkeligen Dreieckes, selten in Form eines Halbkreises, eingeschnitten. Zum schnellen Erfassen des Zieles ist es praktisch, die vordere Seite des V-s auszurunden. Mit diesem V. schießt man bei gezogenen Gewehren 2–300 Schritt. Für weitere Distancen hat man zusammengesetzte, veränderliche V-e. Bei dem einfachen Klappvisire sind mit dem Standvisir durch ein Charnier mehre leicht aufzurichtende Eisenblätter von verschiedener Höhe (Klappen) verbunden, deren jede einen um 100 Schritt weiter entfernten Visirschuß, als die nächst kleinere ergibt. Die Befestigung der Charniere an den Warzen des Standvisirs, geschieht durch Visirschrauben od. Stifte. Bei alten Gewehren findet man bis zu vier solcher Klappen, neuerdings nimmt man nur eine große Klappe, welche man mit rechteckigen od. segmentförmigen Löchern durchbricht, in deren unteren Flächen Visirkimmen eingestrichen sind. Kreisförmige Visirlöcher sind unpraktisch. Abweichungen in der Construction der Klappvisire finden sich fast in allen Armeen. Die einfachen Klappvisire werden auch ersetzt durch elevationsfähige Klappvisire, d.h. solche, welche entweder nur eine massive Klappe haben, welche liegend das Standvisir bildet u. für weitere Entfernungen unter verschiedenen Winkeln geneigt werden kann, so daß die Kimme allmälig höher zu stehen kommt, od. solche, welche außer dieser Klappe noch ein Standvisir haben; eingeführt ist es in der Schweiz u. theilweis in Rußland. Complicirter sind das dänische u. schwedische Bockvisir u. das vom Kapitän Minié construirte, in Österreich u. Dänemark eingeführte bogenförmige V. Bei Gewehren mit Scalaschiebevisir ist der Lauf statt des Standvisirs mit einem langen Eisenstück (Sattel) versehen, an welchem in einem Charnier drehbar die Klappe befestigt ist, deren Fuß das Standvisir bildet, sobald sie niedergeschlagen ist. Auf der Klappe befindet sich ein aus Stahl gefertigter, sich durch seine eigene Federkraft auf den Klappenwänden festhaltender Schieber, dessen Kimme auf einem der an der inneren Fläche der Klappe eingestrichenen Scalastriche eingerichtet werden kann. Dieses V. ist eingeführt in Frankreich, England, Baden, mit Abweichung in Baiern, Preußen etc. Die sämmtlichen V-e werden neuerdings entweder dunkelblau angelassen od. mattgrau eingesetzt. Über den Gebrauch des V-s s. Zielen; 2) an Geschützen so v.w. Aufsatz 3); 3) an Meßwerkzeugen der Hintere Diopter; 4) der vordere verschiebbare mit Gitterwerk versehene Theil am Helm, s.d. 1); 5) im Wappen, so v.w. vorwärtsgekehrt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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