Acta Sanctorum


Acta Sanctorum

Acta Sanctorum, 1) Sammlungen älterer Nachrichten über Märtyrer (vgl. Acta Martyrum) u. Heilige, kommen zuerst bei Eusebius im 4. Jahrh. vor; viele jener Nachrichten gingen jedoch durch ein Edict Diocletians v. J. 303, welches die Vernichtung aller christlichen Urkunden befahl, verloren. Später ergänzte man aus Überresten u. der Tradition das Fehlende; es fanden dabei viele Unrichtigkeiten u. Verfälschungen statt, die später kritische Revisionen veranlaßten, u. dies führte nun auf eine sorgfältigere Zusammenstellung des im heiligen Leben einzelner Zeitgenossen Bemerkenswerthen, woraus in der Folge die einzig auf Erbauung berechneten A. S. zusammengesetzt wurden; z.B. Vitae patrum, wahrscheinlich von Hieronymus dem Dalmatier; im 6. Jahrh. die Sammlungen des Gregor von Tours; im 8. Jahrh. das Synaxarium (s.d.) der griech. Kirche Johann's von Damask; im 10. Jahrh. die Sammlungen des Simeon Metaphrastes; im 13. Jahrh. die Lombard. Geschichte od. Goldne Legende (s.d.) Jacobs von Viraggio, die von 1474 bis 1500 71 Ausgaben erlebte, u. Catalogus Sanctorum Peters de Natalibus, Vicenza 1493. Später wurden die A. S. auch kritischer behandelt, wie im Sanctuarium des Boninus Mombritius, Vened. 1474, 2 Thle.; Aloysius Lipomans Vitae Sanctor, Rom 1551–60, 8 Thle., u. vorzüglch in Theoderich Ruinart's Werke: Acta Martyrum sincera, Paris 1689, Fol. Die bedeutendste ist 2) die von einer Gesellschaft Jesuiten, den Bollandisten, zu Antwerpen unternommene Sammlung; sie enthält die besondern Lebensbeschreibungen der Märtyrer u. Heiligen, u. die aus allen alten Originalien gesammelten Notizen. Den ersten Entwurf dazu machte Heribert Rosweyd, Jesuit zu Antwerpen (st. 1629 vor Beginn der Ausgabe); eine Sammlung übernahm Joh. Bolland (geb. 1596 zu Tirlemont, gest. 1665), vermehrte sie aus Bibliotheken u. Archiven von ganz Europa u. gab mit Gottfried Heuschen (geb. zu Venrad in Geldern 1600, st. 1681), nach einem erweiterten Plane 1643 die beiden ersten Bände heraus. Durch eine große Reise Henschen's u. eines neuen Mitarbeiters, Dan. Papebrock's (geb. 1628 zu Antwerpen, st. 1714), 1660 durch Deutschland, Italien, Frankreich wurden die Materialien sehr vermehrt, u. da stets jüngere Ordensbrüder bei der Bearbeitung gebraucht wurden, welche beim Tode der ältern bereits wieder in den Plan des Ganzen eingeweiht waren, so ging das Werk ohne Unterbrechung bis 1794 fort. Denn nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 unterstützte die Kaiserin Maria Theresia die Bearbeiter durch Beneficien, wies ihnen die Abtei Coudenberg bei Brüssel, u. 1786 das ehemalige Jesuitencollegium zu Brüssel als Aufenthalt an. 1789 übernahmen die Prämonstratenser zu Tongerloo in Brabant die Fortsetzung. Beim Einrücken der Franzosen 1794 sollen alle Exemplare des eben beendeten 6. Theils des October (des 53. Bds.) u. die sämmtlichen Manuscripte zur Fortsetzung des Werkes verborgen worden sein, ohne daß man angeben kann, wohin. Die ebenfalls verborgene u. früher verloren geglaubte Bibliothek dieser Gesellschaft von 30,000 Bänden wurde 1825 in einem Schlosse bei Brüssel aufgefunden. Das Werk bestand bis dahin in 53 Bänden nach der Monatsordnung, wovon der Januar 2, Februar, März u. April jeder 3, Mai einschließlich des Propylaeum 8, Juni, Juli jeder 7, August 6, September 8 u. October 6 Bände umfaßt. 1837 bildete sich, unterstützt von der belg. Regierung, eine neue Jesuitengesellschaft an deren Spitze Boone, Coppens, Jos. van der Moere u. Jos. van Hecke stehen, u. gaben 1845 den 7. Bd. des October (den 54. Theil des ganzen Werkes) heran. Zu einem vollständigen Exemplare (ein solches ist sehr selten) wird noch gerechnet: Martyrologium Usnardi, Antw. 1714; so wie A. S. Bollandiana apologeticis libris vindicata. Ven. 1733, mit allen das Werk betreffenden Streitschriften. Ein Nachdruck erschien, ebd. 1734, in 52 Foliobänden, wozu noch gehören: Praefationes, tractatus, diatribae et exegeses praeliminares Actis S. praetixae, Vened. 1749, 3 Bde., Fol. Bes. wurden aus den A. S. abgedruckt: A. S. Belgii durch einen der Bearbeiter, Jos. Ghesquier, Brüssel 1783–94, 6 Bde.; A. S. Ungariae, Tyrnau 1743f. Populäre Bearbeitungen der A. S. gibt es von Sintzel (Leben u. Thaten der H. Legendensammlung fürs Volk, Augsb. 1839 ff.) u. von Vogel (Lebensbeschreibung für alle Tage im Jahre, Straub. 1839 ff.).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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