Hahn [2]


Hahn [2]

Hahn, 1) eine röhrenförmige Vorrichtung, in welcher einer Flüssigkeit, durch einen mittelst Hand- od. Maschinenbewegung dreh- od. verschiebaren Körper, der Durchgang in einem der Drehung od. Verschiebung entsprechenden Maße gestattet od. unmöglich gemacht wird. Je nach seinem Zwecke wechselt Größe, Form u. Material; sehr große Hähne sind aus Gußeisen, kleinere aus Holz, Glas, Messing, Bronze, Zinn, selbst Silber u. Platin. Jeder H. hat zwei wesentliche Theile: ein fast stets unbewegliches Gehäuse u. einen darin beweglichen Körper in Form eines Kegels, Ventils, einer Scheibe od. eines Schiebers, wonach man unterscheidet: a) Kegelhahn; der bewegliche Theil heißt hier Wirbel od. Feder, wenn er oben mit einem Griff zum Herumdrehen versehen ist; beim Schließhahn hingegen kann der Kegel nur durch einen besonderen Schlüssel umgedreht werden. Kann die Flüssigkeit durch das Gehäuse u. den Kegel nur auf einem einzigen, geraden, schiefen od. krummen Wege gehen, so ist der H. ein einfacher H. od. Sperrhahn; dergl. sind der Bier- u. Weinhahn, welche dazu dienen aus einem Fasse Bier, Wein etc. auf ein kleineres Faß od. auf Bouteillen zu ziehen, in diesem Falle besteht er aus einer messingenen Röhre, welche in der Mitte bauchig u. hinten, wo er in das Zapfenloch gesteckt wird, dünner u. daselbst um den Durchgang von Unreinigkeiten zu verhindern, mit einem durchlöcherten Boden versehen ist; vorn ist er nach unten gekrümmt u. so schwach, daß er in die Öffnung der Bouteille gesteckt werden kann. In der Mitte ist diese Röhre von einer andern kurzen, kegelförmigen Röhre durchschnitten, in welche ein durchbohrter Stöpsel ganz genau paßt Wenn die Hähne am Fasse bleiben, so bedient man sich mit Vortheil der Schließhähne. Der Kopfhahn[849] gleicht dem Bierhahn, nur läßt er die Flüssigkeit durch den Hahnwirbel abfließen. Der Leitungshahn gleicht dem Drehwirbel eines Bierhahns u. wird quer durch die Röhre einer Wasserleitung gesteckt; die Tropfhähne lassen die Flüssigkeit nur herauströpfeln. Laufen dagegen von dem Gehäuse drei od. vier Röhrenzweige aus, zwischen welchen der ebenfalls mehrfach gebohrte Kegel die Verbindung herstellt od. unterbricht, so ist der H. ein Zwei-, Drei- od. Vierwegshahn, welche an Maschinen häufig als Steuerungs-, Regulirungs-, Vertheilungshähne etc. verwendet werden; z.B. der Wendungshahn an der Wassersäulenmaschine verbindet abwechselnd die Einfluß- od. Ausflußröhre des Wassers mit dem Stiefel; ähnlich wird bei den Dampfmaschinen mit Hahnsteuerung der Dampf durch einen H. in den Cylinder zugelassen, u. nachdem er auf den Kolben gewirkt hat, ihm ein Ausweg eröffnet. b) Ventilhahn; der Durchfluß der Flüssigkeit wird durch ein in dem Gehäuse angebrachtes Ventil gestattet od. verhindert. c) Scheibenhahn; die den Durchgang eröffnende od. verschließende Scheibe steht entweder innerhalb der Röhre od. an deren Mündung; im ersteren Falle ist sie gewöhnlich massiv u. dreht sich um ihren Durchmesser; im letzten Falle ist sie durchbrochen u. um eine senkrecht auf ihrer Ebene in ihrem Mittelpunkte stehende Achse drehbar u. läßt die Flüssigkeit durchfließen od. nicht, je nachdem die in ihr angebrachten Ausschnitte mit anderen Ausschnitten im Gehäuse zusammenfallen od. dieselben verdecken. d) Schieberhähne; ein in die Röhre od. das Gehäuse eingesteckter Schieber versperrt od. öffnet den Durchweg. 2) Hölzerner Zapfen, welcher auf der einen Seite hohl ausgeschnitten ist u. also den Ausfluß hemmt od. bewirkt, je nachdem man ihn dreht; 3) derjenige Theil des Gewehrschlosses, welcher (beim Feuerschloß) den Stein enthält od. (beim Percussionsschloß) durch Aufschlagen das Zündhütchen entzündet, s.u. Schloß (Waffenk.)


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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