Zittau


Zittau

Zittau, 1) Bezirksgericht u. 2) Gerichtsamt im königlich sächsischen Kreisdirectionsbezirk Bautzen (Oberlausitz) mit (1861) 44,227 Einw. in einer Stadt u. 28 Dörfern; 3) Amtsstadt darin u. eine der oberlausitzer Vierstädte (s.d.), an der Mandau, Endpunkt der Löbau-Zittauer u. Kopfstation der Zittau-Reichenberger Eisenbahn, von schönen Anlagen umgeben; Sitz eines Hauptsteueramts, hat ansehnliche Vorstädte u. 8 Kirchen (worunter die schöne Johanniskirche), Gymnasium, Schullehrerseminar, Gewerb- u. Baugewerkenschule, 6 Spitäler, Waisenhaus, Spar- u. Leihkasse, Gewerbverein, stattliches Rathhaus (1844 erbaut) mit wichtiger Bibliothek, Münz- u. Naturaliensammlung, Gewandhaus, Schauspielhaus, Kaserne, Bahnhof, 2 Buchhandlungen, 2 Buchdruckereien, Kattundruckereien, Papiermühle, Gußsteinfabrik, Wollspinnerei, große Bleichen u. Färbereien, Weberei, bes. in Linnen, deren Hauptsitz Z. nebst Umgegend in Sachsen ist, u. Grossohandel mit Leinwand, Damast u. Drill, Gerberei, Töpferei u. Getreidemärkte. Z. besitzt eine im Nov. 1864 vollendete unterirdische Wasserleitung, durch welche das Wasser von der Johannisquelle an der böhmischen Grenze, 1800 Ruthen von der Stadt entfernt, in diese geleitet wird. Dicht bei Z. ist das Augustusbad, ein 1744 entdecktes, aus drei schwefelhaltigen Eisenquellen bestehendes Mineralbad; weiter entfernt der Berg Lausche (Spitzberg) u. 1 Meile davon der Oybin (s.d.). Z. hatte 1861: 13,063 Ew. u. ist der Geburtsort bes. berühmten Juristen Carpzov u. des Componisten H. Marschner. Die Stadt Z. besitzt zwei Marktflecken u. 42 große industriöse Dörfer u. Dorfantheile, worunter sieben Rittergüter. – Der alte Ort Z., dessen Name Kornstadt bedeuten soll, ist sorbenwendischen Ursprungs, wurde 1255 von Ottokar II., König von Böhmen, bei seiner Rückkehr aus Preußen zur Stadt erhoben u. erhielt Mauern, nachdem es bisher unter[658] königlichen Burggrafen. gestanden hatte. Unter Wenzel II. wurde Z. 1287 mit vielen Privilegien begnadigt. Um 1300 gelangte das Kirchlehn an die dasige Johannitercomthurei. 1311 kam Z. an die Freiherren von Leippa, die Naplitzer genannt, doch wurde die Stadt vom König Johann von Böhmen erobert u. wieder zu Böhmen geschlagen; 1336 kam es durch Heirath an den Herzog Heinrich von Schlesien-Jauer, 1347 aber an Karl IV. welcher es 1349 an Rudolf von Sachsen versetzte, 1358 aber wieder einlöste, nachdem es bereits 1346 dem Bund der Sechsstädte (s.d.) beigetreten war. 1422 erwarb es das bisher erpachtete Stadtgericht. In den Hussitenkriegen wurde Z. wohl zwanzigmal von den Hussiten angegriffen. Die Reformation fand bereits 1521 daselbst Eingang. Kaiser Ferdinand II. trat es mit der übrigen Lausitz 1622 pfandweise an Sachsen ab. 1631 eroberte es der kaiserliche General von Tieffenbach, doch verjagte der sächsische General von Arnim die Kaiserlichen kurze Zeit nachher; später machten aber die Kaiserlichen Z. zur Festung, allein Arnim stürmte Z. 1634 u. 1635 wurde es im Prager Frieden gänzlich an Sachsen abgetreten. 1639 wurde es von den Schweden unter Torstenson hart belagert u. eingeäschert. Der Besitz wechselte nun mehrmals zwischen den Schweden. u. den Kaiserlichen u. den Sachsen, bis es 1643 die Sachsen behaupteten. Im Siebenjährigen Kriege wurde Z. von den Kaiserlichen 1757 belagert u. 23. Juli verbrannt, u. obschon es seitdem wieder aufblühte, so hat doch die Bevölkerung nur in neuester Zeit erst die frühere Zahl von 14,000 nahezu wieder erreicht. Hauptbrände waren: 1359, 1372, 1455, 1473, 1589, 1608, 1634, 1757 (s. oben) u. 1788. Am 19. u. 20. Aug. 1855 wurde ein Fest zur Erinnerung des 600jährigen Bestehens als Stadt hier gefeiert. Vgl. I. B. Carpzov, Analecta fastorum Zittaviensium, Zittau 1716, Fol.; K. G. Hergang, Zittavia, ebd. 1813; C. A. Pescheck, Z. u. seine Umgebungen, ebd. 1821; Derselbe, Handbuch der Geschichte von Z., ebd. 1835–1838, 3 Bde.; Derselbe, König Ottokar II. u. die Begründung der Stadt Z., Görlitz 1855; I. G. Kneschke, Geschichte u. Merkwürdigkeiten der Rathsbibliothek zu Z., Zittau 1811.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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