Pisāno


Pisāno

Pisāno, 1) Nichola, aus Pisa, geb. um 1200, Bildhauer u. Baumeister, gilt als der Wiedererwecker der Kunst in Italien: er arbeitete um 1275 in Pistoja. Er hielt sich an die Compositionen seiner Vorfahren u. Zeitgenossen, bildete sie aber in den Formen nach dem Studium der reinen Antike weiter u. bis zur größeren Vollkommenheit aus, wobei er soweit ging, daß er Gestalten aus antiken Sarkophagen, wie er sie in seiner Vaterstadt vorfand, z.B. Kleopatra als Marien, einen Plato als Joseph etc. in seinen Werken benutzte. Auch für die Architektur erholte er sich Raths bei den römischen Alterthümern u. legte namentlich für die Capitäle u. Gesimsprofile alte Formen zu Grunde. Nach Ein. starb er 1266, nach And. lebte er noch 1275. Werke: Sculpturen: Kreuzabnahme in S. Martino in Lucca, 1230; Kanzel im Battisterio zu Pisa, 1260; Kanzel im Dom zu Siena, 1266 (das Grab von S. Domenico in Bologna wird ihm fälschlich zugeschrieben); Bauwerke: S. Niccola in Pisa, Domfaçade in Volterra, Castel del Uovo in Neapel, der Dom von Orvieto, S. Antonio in Padua etc. werden ihm fälschlich zugeschrieben. 2) Giovanni, Sohn u. Schüler des Vor., geb. um 1240; an vielen seiner Bau- u. Bildhauerwerke hatte sein Vater Theil, er wich aber absichtlich von dessen Weise ab, indem er statt der Schönheit der Antike vielmehr Ausdruck u. Charakteristik anstrebte, wobei er aber nicht selten in Verzerrung u. übertriebene Bewegung verfiel. P. ist der bedeutendste Repräsentant des Germanischen Baustyls in Italien; er st. 1320. Werke, Sculpturen: Der große Brunnen in Perugia, 1264; Kanzel im Dome zu Arezzo, 1286; Madonna am Dome zu Florenz, 1298; Kanzel in S. Andrea zu Pisa, 1301; Denkmal des Papstes Benedict XI. in Perugia, u. viele Werke in Pisa; Bauwerke: Façade von Sta. Maria della Spina u. der Campo Santo in Pisa, 1283; Castel nuovo in Neapel. 3) Andrea, eigentlich Ugolino, geb. 1288 in Pisa, Schüler des Vor., vervollkommnete den Styl wesentlich u. gab ihm Freiheit u. Größe wieder, ohne in die Form der Antike zu verfallen; dazu war er reich an Beobachtungen des Lebens, welche er in seine Compositionen nach eigener Erfindung übertrug. Wie Giotto in der Malerei, so gab er in der Sculptur die Richtung an u. zwar sehr in Übereinstimmung des Styles mit ihm. Als Giotto den Dom von Florenz u. den Glockenthurm baute, arbeitete P. die Sculpturen dazu. Er st. 1345 in Florenz. Hauptwerk: Bronzethüre mit dem Leben des Täufers in S. Giovanni zu Florenz, 1330; die Kirche S. Giovanni in Pistoja. 4) Nino, Sohn u. Schüler des Vor., mit ihm erreicht die Pisaner Bildhauerschule ihren Gipfel der Vollendung, u. schon vermißt man bei der Fülle von Anmuth u. Natürlichkeit in Nino's Werke die edlere Einfachheit u. Größe der Früheren; er arbeitete um 1340–1360. Hauptwerke: Statuen in der Spina zu Pisa; die Verkündigung in Sta. Caterina daselbst. 5) Vittore, auch Pisanello genannt, geb. 1368 zu San Virgilio-sul-Lago im Veronesischen u. gest. 1448; Maler u. Medailleur u. bes. in letzter Eigenschaft als Erfinder dieser Kunst berühmt; doch waren seine Medaillen gegossen u. ciselirt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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