Sanchuniathon

Sanchuniathon

Sanchuniathon, phönicischer Geschichtsschreiber aus Berytos, welcher vor dem Trojanischen Kriege gelebt u. aus Tempelannaten, Büchern des Thaut u. Traditionen der Priester eine Geschichte Phöniciens in 8 od. 9 Büchern geschrieben haben soll. Der Grammatiker Philo aus Byblos (um 100 v. Chr.) übersetzte das Buch ins Griechische, u. daraus zog Porphyrios die kosmogonischen Beweise gegen das Christenthum, Eusebios aber brauchte sie zum entgegengesetzten Zweck. Da vor Philo der Name S. gar nicht, nach Philo aber nur von Wenigen genannt wird, so hat man an der Echtheit sehr gezweifelt (Ursinus, Dodwell, van Dale, Meiners, Hißmann, Lobeck); Andere (Grotius, Goguet, Mignot, Movers, Ewald, Bunsen) erklären den S. für echt u. halten den Stoff in den Fragmenten für echt phönicisch u. darum für sehr beachtenswerth, obgleich der Umstand, daß das Werk nicht im Original, sondern nur in einer griechischen Übersetzung, aber auch diese selbst nicht mehr existirt, sondern nur dürftige Auszüge daraus, seinen Werth, auch die Echtheit zugegeben, nicht wenig mindert. Das erhaltene Fragment betrifft die Kosmogonie der Phönicier. Die Fragmente aus Eusebios (im 1. Buche der Praeparatio evangel.) wurden herausgeg. von J. C. Orelli, Lpz. 1826; alle Fragmente im 3. Bd. von Müllers Fragmenta historicorum graec., Par. 1849; englisch übersetzt u. fortgesetzt durch den Kanon von Eratosthenes, von R. Cumberland, Lond. 1720 (deutsch von J. P. Cassel, Magdeb. 1755); erklärt von Court de Gebelin in Allégories orientales, Par. 1773, u. Weishaupt, Regensb. 1789, 2 Thle. Vgl. Dodwell, Appendix concerning S-s Phoenician history, Lond. 1691; Ursinus, De Zoroastre, Hermete et S-e, Nürnb. 1661; Vibe, De S. ejusque interprete Philone Byblio, Christiania 1842; Matter, De l'authenticité du fragment de S. cité par Eusèbe, Strasb. 1848; Ewald, Über die phönicischen Ansichten von der Weltschöpfung u. den geschichtlichen Werth S-s, Gött. 1851; Renan, Mém. sur l'origine et le caractère véritable de l'hist. phènicienne, qui porte le nom de S., Par. 1858 (im 23. Bd. der Mém. de l'Academie des inscript.). 1836 machte Friedrich Wagenfeld in Bremen (geb. 1810, st. 1846) bekannt, daß ein portugiesischer Oberst Pereira im Kloster Sta. Maria de Merinhao in der Provinz Entre Minho e Duero die vollständige philonische Übersetzung des S. aufgefunden u. ihm zur Herausgabe überlassen habe. Zunächst gab Wagenfeld einen Auszug als Urgeschichte der Phönicier heraus, Hann. 1836, zu welchem G. F. Grotefend eine Vorrede schrieb, u. obgleich inzwischen durch das Bekanntwerden von allerhand Umständen, wie dem Nichtexistiren jenes Klosters u. jenes Pereira, durch das beharrliche Weigern der Vorzeigung des Manuscripts etc. alsbald der Verdacht einer Fälschung rege, ja sogar durch K. L. Grotefend (Die Sanchuniathonische Streitfrage nach ungedruckten Briefen gewürdigt, Hann. 1836) die Fälschung bewiesen wurde, so gab Wagenfeld doch sein Machwerk als Sanchuniathonis historiarum Phoeniciae libri IX, mit lateinischer Übersetzung, Bremen 1837, heraus (deutsch als S-s phönicische Geschichte nach der griechischen Bearbeitung des Philo ins Deutsche übersetzt, Lüb. 1837). Vgl. noch Schmidt v. Lübeck, Der neuentdeckte S., Alt. 1838.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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