Husaren


Husaren

Husaren (v. Magyarischen, d.i. Zwanzigmänner), leichte Reiterei. Die H. sind nach Art der ungarischen mit einerkurzen Jacke, die mit Pelz (daher Pelz) u. Schnuren besetzt ist, bekleidet u. tragen darunter eine andere knapp anliegende, ebenfalls mit Schnuren verzierte Jacke (Dolman). Im Sommer wird der Dolman allein, od. auch der Pelz zugleich an einer Schnur hängend über der linken Schulter getragen. Die Beinkleider sind eng u. reich mit Schnuren u. Borten besetzt, die Stiefeln enge ungarische, mit Quasten; doch sind in neuerer Zeit in vielen Armeen Pantalons eingeführt worden u. statt des Dolman u. Pelz ein kurzer Schnurenrock (Attila). Die H. trugen sonst hohe spitzige, von Filz, Pelz (dann Kalpack), Tuch od. dergleichen gefertigte Husarenmützen, von denen meist unten ein Flügel losgeheftelt werden konnte, welcher dann herunterhängend den Kopf u. Nacken gegen Säbelhiebe deckte. Jetzt sind seit 1807 Czackos bei den H. eingeführt. Neben dem Säbel hängt die Säbeltasche, ein taschenförmiges, ledernes, mit breiten Borten u. dem Namen des Landesfürsten geziertes Behältniß, in dem der H., da ihm andere Taschen ganz fehlen, Schnupftuch, Tabakspfeife etc. aufbewahrt. Die ursprüngliche Farbe der Uniform der ungarischen H. ist blau, jetzt mit verschiedenfarbenen tuchenen Czackos; später errichtete man in der österreichischen Armee auch einige grüne Husarenregimenter u. in andern Armeen dergleichen von allen Farben, dunkelgrün, roth, braun, gran etc. Außer dem krummen Säbel führt der H. noch Pistolen u. auch wohl einen Carabiner. Das Pferd des H. muß gedrungen, so wie er selbst, nicht zu groß, behend u. beweglich sein u. Mühseligkeiten leicht ertragen können. Das polnische, russische, ungarische u. tartarische Pferd eignet sich vorzüglich zu Husarenpferden. Der Husarendienst umfaßt hauptsächlich den Kleinen Krieg. Ein guter H. muß daher gewandt, aufmerksam, schnell, unerschrocken, u. vor allen im Blänkern, aber auch in geschlossener Ordnung zu fechten, geübt sein. Die H. entstanden in der Mitte des 15. Jahrh. in Ungarn aus der dortigen Miliz. Nach einer ungarischen Verordnung dieser Zeit mußte allemal der 20. Mann in den Krieg ziehen (daher der Name). Indessen hießen sie außer H. im 16. u. 17. Jahrh. zugleich Kroaten, u. von diesen waren unter Tilly 1631 bei Leipzig fünf Regimenter. Sie wurden indessen nur als leichte Truppen gebraucht u. fochten sehr selten in der Linie. Erst zu Anfang des 18. Jahrh. wurde der Name H. allgemein, u. auch die Franzosen errichteten, da sie den Nutzen der H. zu leichten Truppen einsahen, ein Regiment aus österreichischen Überläufern, später noch mehrere Regimenter aus Nationalfranzosen. Friedrich II., König von Preußen, fand bei seinem Regierungsantritt nur neun Schwadronen preußische H. vor; da er aber die österreichische leichte Cavallerie für die besten leichten Reiter erkannte, so bemühte er sich in den beiden ersten Schlesischen Kriegen Nationalungarn, bes. Offiziere, zu gewinnen u. errichtete mit deren Hülfe sieben Husarenregimenter, ganz auf österreichische Art. Bald waren die preußischen H., durch Seidlitz organisirt, selbst den österreichischen H. furchtbar, u. noch sind Ziethens u. Anderer Thaten in den drei Schlesischen Kriegen in dem Munde des Volks. Durch die preußischen H. erhielt die Idee der H. immer mehr Beifall; daher vermehrte Frankreich seine Husarenregimenter, u. auch in England, Rußland, Dänemark u. andern Armeen wurden dergleichen errichtet. Noch mehr vermehrten sich die H. im Laufe des Französischen Revolutionskriegs.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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