Beutelratte


Beutelratte

Beutelratte (Didelphys), Gattung aus der Unterordnung der Raubbeutelthiere, ausgezeichnet durch einen langen zugespitzten Kopf, weit gespaltenes Maul, nackte, getheilte Nasenkuppe u. große gerundete, fast nackte Ohren. Alle Füße haben 5 Zehen u. nackte Sohlen; Krallen kurz, sichelförmig, nur der Daumen der Hinterfüße ohne Krallen u. entgegensetzbar; Schwanz bis an die behaarte Wurzel nackt, fein ringelschuppig u. nur mit einzelnen, kurzen, steifen Haaren besetzt, übrigens zum Einrollen geschickt (Rollschwanz), die Spitze eine halbe Krümmung bildend; Weibchen mit wirklichem Beutel od. nur mit Hautfalten; Pelz gewöhnlich weich, wollig u. gleichförmig kurzhaarig, bei den größeren Arten mit. längeren steifen Stichelhaaren; Gebiß: oben 10, unten 8 Vorderzähne, überall 1 Eckzahn u. 7 Backenzähne, von denen 3 Lückenzähne sind. Die beiden mittleren oberen Vorderzähne sind etwas größer. Diese Thiere leben blos in Amerika, meist. auf Bäumen, schleichen des Nachts umher, Vögel, Eier u. dergl. zu suchen, verzehren aber auch Obst. Es sind dumme, langsame Thiere, die nicht sehr wild sind u. sich würden leicht zähmen lassen, haben aber einen unangenehmen Moschusgeruch wie die Spitzmäuse. Mittels ihrer Hinterhände klettern sie zwar nicht schnell, aber geschickt an Stämmen u. Ästen auf u. ab, vermöge ihrer scharfen Krallen sogar an rauhen Mauern. Mit dem Schwanzende können sie sich an Ästen anhalten u. anhängen. Frisches Blut ist ihre Lieblingsspeise, daher nähern sie sich oft den Wohnungen der Menschen, plündern die Nester u. tödten Alles, was ihnen in Hühnerställen vorkommt, 10–20 Hühner in einer Nacht. Der übermäßige Genuß des Blutes versetzt sie aber in einen Zustand von Trunkenheit, so daß man sie nicht selten des Morgens unter dem getödteten Geflügel schlafend antrifft. Sie lassen keinen Laut hören, außer einer Art von Schneuzen, wenn sie angegriffen werden. Das Weibchen wirst 8–14 Junge, die höchstens 6 Lin. lang sind, ganz unbehaart, blind, Ohren gefaltet, Füße u. Schwanz eingeschlagen u. unbeweglich. Sie müssen daher von der Mutter an die Zitzen angelegt werden. Erst nach 4 Wochen haben sie die Größe einer Maus, bekommen Haare u. Bewegung. Nach 7 Wochen haben sie die Größe einer Ratte, haben offene Augen u. verlassen nun bisweilen den Beutel. Nach 5 Tagen verlassen sie diesen ganz, werden dann aber noch einige Zeit lang von der Mutter auf dem Rücken getragen. Sie haben weder ein brauchbares Fleisch, noch nutzbares Fell u. wegen ihres Gestankes sind sie überall verhaßt. Die virginische B. (D. virginiana Shaw., D. marsupialis Schreb.) ist die größte Art, fast so groß wie eine Katze, Wollhaar weiß, mit braunen Spitzen, die 3 Zoll langen Stichelhaare weiß, so daß das Thier weiß u. bräunlich überlaufen erscheint; Augen von einem dunkelbraunen Ringe umgeben, Beine dunkelbraun, Ohren groß, schwarz, mit gelblicher Spitze; in den mittleren Vereinigten Staaten Nordamerikas gemein. Das Opussum (D. opossum Lin., D. marsupialis Shaw.), ziemlich kurzwollig, rost- od. zimmetröthlich, das Weibchen lichter, Unterseite gelblich weiß, über jedem Auge ein weißer Fleck, nackter Theil des Schwanzes braun mit weißlicher Spitze; Länge: 17–18 Zoll, Schwanz 8–9 Zoll, der behaarte Theil 2 Zoll lang; vorzüglich in Guinea. Ferner: der Farus (D. Philander Lin.), die Krabbenfressende B. (D. cancrivora Lin.), der Gamba (D. Azarae Temm.) u.a. Folgende haben statt des Beutels nur Hautfalten: die Äneas- od. Buschratte (D. dorsigera), Schwanz dünn u. länger als der Körper, nur der 7. Theil behaart, Farbe falbbraun, Augen von einem dunkelbraunen Flecke umgeben, Länge 5 Zoll 6 Lin., Schwanz 7 Zoll; in Surinam. Oft hängen sich die auf dem Rücken der Mutter getragenen Jungen mit ihrem Schwänzchen an den Schwanz jener an, überhaupt halten sie sich an der Mutter fest, wo sie nur können. Ferner: die Marmose (D. murina Lin.) in Brasilien, die Dickschwänzige B. (D. crassicaudata Desman.) in Paraguay, u.a.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Synonyme:

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