Schlosser [2]


Schlosser [2]

Schlosser, 1) Ludwig Heinrich, geb. 1663 in Darmstadt, war erst Conrector daselbst, dann Gymnasialdirector u. Prediger in Frankfurt u.st. hier 1723; von ihm ist das Kirchenlied: Sorge Herr für unsere Kinder. 2) Johann Ludwig, geb. 1702 in St. Goar, studirte in Gießen, wurde 1730 Pfarrer in Hannover u. 1733 Diakonus in Hamburg, wo er 1754 als Hauptpastor an Sta. Katharina starb; er schr.: Entwurf heiliger Wahrheiten (Predigtentwürfe), Hamb. 1742, worin sich auch seine geistlichen Lieder finden. 3) Johann Ludwig, Sohn des Vor., geb. 1738 in Hamburg, wurde 1766 Prediger in Bergedorf, unweit Hamburg, u.st. dort 1815. Er war ein Freund Basedows u. gehörte der freisinnigen Richtung in der Theologie an; durch einige Lustspiele, welche er, obgleich ohne seinen Namen, drucken ließ, gerieth er mit dem Pastor I. M. Götze in einen literarischen Streit, welcher zu einer Untersuchung der Sittlichkeit des Theaters überhaupt führte. Götze schrieb: Theologische Untersuchung der Sittlichkeit der deutschen Schaubühne, 2. Aufl. 1770, wogegen S. schrieb: Nachricht betreffend des Pastor I. M. Götze Theologische Untersuchung etc. 2. Aufl. 1769; die theologische Facultät in Göttingen trat auf Götze's, der Magistrat auf S-s Seite. S-s Lustspiele (darunter Der Zweikampf, Die Komödianten, Das Mißverständniß u.a.m.) sind gesammelt unter dem Titel: Neue Lustspiele, Hamb 1767. 4) Johann Georg, geb. 1739 in Frankfurt a. M.; ein Jugendfreund von Goethe u. Gatte von dessen Schwester, studirte in Gießen u. Altorf Jurisprudenz, war erst in Diensten des Herzogs Friedrich von Württemberg in Mömpelgard, später in Karlsruhe, dann Amtmann in Emmendingen, 1787 Geheimer Hofrath u. 1790 wirklicher Geheimer Rath u. Director des Hofgerichts in Karlsruhe, nahm aber 1794 seinen Abschied u. privatisirte in Ansbach u. seit 1796 in Eutin; 1798 wurde er Syndicus in Frankfurt a. M., als welcher er 17 Oct. 1799 starb. Er schr.: Katechismus der Sittenlehre fürs Landvolk, Frankf. 1771, u.a. von I. H. M. Ernesti, Koburg 1801; Politische Fragmente, Lpz. 1777; Kleine Schriften, Bas. 1779–94, 6 Thle.; Seuthes od. der Monarch, Strasb. 1788; Briefe über Gesetzgebung etc., Frankf. 1789; Über die preußische Gesetzgebung, ebd. 1790; u. übersetzte den Longinos (Über das Erhabene, 1781) u. Mehres aus Äschylos, Platon u. Aristoteles. 5) Friedrich Christoph, geb. 17. Nov. 1776 in Jever, studirte seit 1794 in Göttingen Theologie, Geschichte, Literatur u. Mathematik, wurde 1797 Hauslehrer beim Grafen Bentinck-Rhoon in Varel, 1790 bei einer holländischen Kaufmannsfamilie in Othmarschen bei Altona u. 1800 in Frankfurt a. M.; 1808 ging er als Conrector nach Jever, kehrte 1810 nach Frankfurt zurück u. studirte dort Geschichte; er wurde 1812 Professor der Geschichte u. der Geschichte der Philosophie am Lyceum daselbst, 1814 Stadtbibliothekar, 1817 Professor der Geschichte u. Director der Universitätsbibliothek in Heidelberg u.st. hier 28. Sept. 1861. Er schr.: Abälard u. Dulcin, Gotha 1807; Leben des Theodor de Beza u. des Peter Martyr Vermili, Heidelb. 1809; Geschichte der bilderstürmenden Kaiser des oströmischen Reichs, Frankf. 1812; Weltgeschichte in zusammenhängender Erzählung, ebd. 1815–41, 4 Bde. in 9 Thin.; Ständische Verfassung, ebd. 1817; Vincents v. Beauvais Hand- u. Lehrbuch für königliche Prinzen u. ihre Lehrer, Frankf. 1819; Die Geschichte des 18. u. 19. Jahrh., Heidelb. 1823, 4. A. 1853–81, franz. Par. 1825; Universalhistorische Übersicht der Geschichte der alten Welt u. ihrer Cultur, Frankf. 1826–34, 3 Bde. in 9 Abth.; Zur Beurtheilung Napoleons, ebd. 1832–35, 3 Abth.; Geschichte des 18. Jahrh. u. des 19. bis zum Sturz des französischen Kaiserreichs, Heidelb. 1836–48, 7 Bde., 3. Aufl. der 4 ersten Bände, ebd. 1843 f., 4. Aufl. 1853–60, 8 Bde.; Weltgeschichte für das deutsche Volk, unter Mitwirkung des Verf. bearb. von G. L. Kriegk, Frankf. 1842–57, 19 Bde.; Über Dante, Lpz. 1855. Er gab auch mit Bercht das Archiv für Geschichte u. Literatur, Frankf. 1830–35, 5 Bde., heraus. Vgl. Gervinus, F. C. S., ein Nekrolog, Lpz. 1861. 6) Johann Friedrich Heinrich, Neffe von S. 4), geh. 1780 in Frankfurt, studirte die Rechte, prakticirte seit 1803 als Advocat in Frankfurt u. wurde 1806 hier Stadtgerichtsrath; nachdem er diese Stelle niedergelegt hatte, trat er, wie bereits 1811 sein Bruder Christian gethan hatte, im Dec. 1814 mit seiner Gattin, geb. du Fay, zur Katholischen Kirche über u. lebte als eifriger Vertreter ultramontaner Bestrebungen u. mit der Literatur beschäftigt theils in seiner Vaterstadt, theils auf seinem Landgute bei Heidelberg u.st. 22. Jan. 1851 in Frankfurt; er schr.: Die morgenländische orthodoxe Kirche, Heidelb. 1845; Die Kirche in ihren Liedern, Mainz 1851, 2 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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