Planzeichnen


Planzeichnen

Planzeichnen, das Niederlegen einer Gegend od. eines Theils derselben in einen ihr mathematisch ähnlichen Grundriß. Erstreckt sich dieser Plan nur über eine sehr kleine Terrainstrecke, ist er nach einem sehr großen Maßstab entworfen u. betrifft er bes. Baulichkeiten, so heißt derselbe A) Bauplan (Bauriß); zu diesen gehören auch die Festungspläne, in so fern sie nicht zugleich den Plan der umliegenden Gegend umfassen. Erstreckt sich der Plan über eine ganze Gegend, so heißt er B) Situationsplan. Nach dem Zwecke des Plans zerfallen diese wieder in a) Ökonomische Pläne, welche nicht nur den Umfang, sondern auch die Güte der verzeichneten Grundstücke, den Bestand der Holzgrundstücke etc. angeben u. in großem Maßstabe gezeichnet werden, entweder, wo 25 rheinländische Ruthen durch 1 Decimalzoll ausgedrückt werden (1/2500), bes. zu Bauplänen, u. wo 50 Ruthen mit 1 Zoll bezeichnet werden (1/5000) zu gewöhnlichen ökonomischen Plänen. b) Eisenbahnpläne, welche zur Veranschlagung der Kosten des Baukörpers angefertigt werden. Man wendet meist den Maßstab 1/5100 od., 1/10000 an. Zu Eisenbahnplänen gehören ein Situationsplan vom Terrain, auf welchem die Bahn erbaut wird, ein Profilriß der ganzen Bahnlänge, ein Profilriß für die Ausführung des Planums, specielle Pläne der einzelnen Bauwerke. c) Die Militärischen Pläne sind nach einem kleineren Maßstabe gezeichnet u. sollen ein Bild der Oberfläche des Landes, in so fern sie dem Krieger wichtig ist, geben, daher die Gradation u. Einzelnheiten der Bergabhänge, die Gewässer, Dämme, hölzernen u. steinernen Brücken, Furthen, Wege u. ihre Beschaffenheit, Wiesen, sumpfiges Terrain, Wälder, Seen, Städte, Dörfer, ob sie von Stein od. Holz gebaut u. mit Zäunen od. Mauern umgeben sind, u. alle von Weitem sehr ins Auge fallende Punkte, wie ausgezeichnete einzelne Bäume, Kapellen, Wegweiser, Grenzsteine, Kreuze u. dergl. genau verzeichnen. Um diese einzelnen Terraingegenstände von einander zu unterscheiden u. die Beschaffenheit für militärische Beziehungen erkennen zu geben, hat man Zeichen (Signaturen) eingeführt, welche bei den verschiedenen Armeen verschieden sind u. in zweierlei Art, entweder in schwarz od. in Farben, zur Ausführung kommen. Die historische Entwickelung der Terraindarstellung steht mit der Geschichte der Kriegskunst in genauem Zusammenhang; da man früher zu Schlachten ebenes Terrain aussuchte, so war die Darstellung der Unebenheiten nicht von Wichtigkeit. Bei der steigenden Ausbildung der Kriegskunst, die in der geschickten Benutzung der Unebenheiten des Terrains das Übergewicht zu erlangen lehrt, wurde eine getreue, übersichtliche Darstellung des Terrains erforderlich. Man versuchte sie durch die Nüpelmanier zu erreichen, nach welcher Unebenheiten des Terrains durch Gruppen kleiner, nach der Vogelperspective gezeichneten Berge angedeutet wurden. Diese Manier suchte man dadurch zu verbessern, daß man die Thalabhänge u. dann die einzelnen Terrainerhebungen durch Strich ein der Richtung des Abfalles in geschwungener Form schattirte. Friedrich der Große ließ die höchsten Terrainpunkte, welche eine Umsicht gestatteten, durch schwarze Flecken u. die höheren Anhöhen, Berge, Gebirgszüge durch größere Striche von den niederen unterscheiden. Gegen Ende des vor. Jahrh. bemühte sich der preußische Ingenieurmajor Müller, durch Abstufung der Stärke der Schwungstriche (Schwungstrichmanier) den Unterschied der Größe der Neigung, durch sanfte flach, prall, stark, steil, jäh, schroff, überhängend zu bezeichnen, hatte aber kein bestimmtes Maß für die Stärke der Striche. Die Franzosen suchten in dieser Zeit die Schwungstrichmanier dadurch charakteristischer zu machen, daß sie auf die Zeichnung eine schwache Beleuchtung annahmen, bei welcher die der Lichtseite abgewendeten Abhänge durch stärkere Striche dunkler gehalten wurden. Der churfürstlich sächsische Major Lehmann kam zuerst mit der Bergzeichnung zu einer wissenschaftlichen Anschauung u. machte eine Manier in der Lehre von der Situationszeichnung (Lpz. 1797) bekannt. Er setzt die Beleuchtung für die Terrainerhebungen als eine senkrechte voraus, woraus hervorgeht, daß die Flächen der Abhänge, je mehr sie geneigt sind, von einer geringen Zahl senkrechter Linien getroffen werden u. demnach eine geringere Beleuchtung haben. Ein Maß dafür ist die Projection der Länge der Fläche od. der Cosa des Neigungswinkels. Der Unterschied der Beleuchtung ist in den ersten Abstufungen von 0 Grad an ein sehr geringer u. läßt sich durch Zeichnen nicht ausdrücken. Es ist deshalb die Beleuchtung einer Fläche für 0 Grad ganz hell, für 45 Grad u. darüber ganz dunkel angenommen. Der Ausdruck der Dunkelheit der Flächen wird durch Striche von geringerer od. größerer Stärke in den Grenzen von 0–45 Grad herbeigeführt, u. zwar soll sich die Stärke des Striches zum weißen Zwischenraum verhalten, wie die Anzahl der Grade des Neigungswinkels, welche der Strich ausdrücken soll zu der Anzahl der Grade, welche ihn zu 45 Grad ergänzen. Daher ist für 5 Grad Neigung 1 Stärke des Lichts u. 8 Stärke des Zwischenraums, für 10 Grad 2 : 7, für 15 Grad 3 : 6, für 45 Grad 8 : 1 etc. Die Striche müssen so geführt werden, daß sie die in jeder Nähe gedachten Horizontalen rechtwinkelig durchschneiden. Da man durch diese Bergscala nicht nur die Horizontalabstände, sondern auch die Böschungen auf einer genauen Karte bestimmt ausgedrückt findet, so wird es dadurch möglich, Profile durch eine Karte zu legen u. auch die Höhe eines Punktes auf derselben über einem andern ziemlich genau zu bestimmen. Die Schwierigkeit, aus dem Verhältniß der Stärke der Striche zum weißen Zwischenraum die Gradationen richtig zu erkennen, hat zu Vorschlägen geführt, den[185] Bergstrichen eine charakteristische Form zu geben. Es sind zu erwähnen die Scala nach Schneider, welche aus geschlängelten u. geraden Strichen besteht, die Scala nach Schienert, welche punktirte, schwache u. starke Striche unterscheidet, die Scala nach Lynker, welche der vorigen noch starke u. schwache geschlängelte beifügt; aus diesen Scalen ging die Müfflingsche hervor, welche der königlich preußische Generalstab zu Aufnahmen bis zu 1: 50,000 anwendet. Die sächsische Armee nahm die Lehmannsche Methode zuerst an; ihr folgte um 1810 die preußische u. später auch die russische u. die deutscher Mächte. Das übrige Europa hat dieselbe lange verschmäht; in Österreich, England, Frankreich wird jetzt auf ähnliche Weise gezeichnet. Für ökonomische Zeichnungen läßt sich diese Manier eben so gut, wie zu militärischen anwenden. Statt der Schraffirungen nach den erwähnten Methoden hat man auch eine weichere unbestimmtere Art durch Kreide od. Tuschtöne angewendet u. diese Manier im k. k. österreichischen Generalstab mit der Lehmannschen Manier verbunden u. dadurch sehr deutliche übersichtliche Pläne erzielt. Die Darstellung der Terrainerhebungen für Festungspläne u. Aufnahmen in großem Maßstabe erfolgt auch nur durch Horizontalen, welche in gleichem Nähenabstände von einander aufgenommen u. gezeichnet worden sind u. äquidistante Horizontalen genannt werden. Die Nähen der Horizontalen sind dabei zu einem bestimmten, festliegenden Punkt, dem Nullpunkt, bestimmt, welcher zur Feststellung aller Nähen des Terrains zu Grunde gelegt ist. Das Nähenmaß, in Füßen u. den Theilen desselben ausgedrückt, liegt entweder über od. unter dem Nullpunkt u. wird durch + od. – bezeichnet; dieses Maß nennt man Cotem. Man wählt bei militärischen Plänen den Maßstab von 8 Decimalzoll auf die Meile von 10,000 Schritt od. 2000 Ruthen (1/25000). Wenn Umstände einen größeren Maßstab erheischen, wie bei Plänen von Belagerungsarbeiten, so wird ein größerer, z.B. von 5000 Schritt auf 8 Decimalzoll (1/12500), genommen; bei Plänen von befestigten Positionen etc. wählt man auch wohl einen noch größeren Maßstab, bei mehr compendiösen Plänen aber wird eine Reduction vorgenommen, wo dann der Plan 1/50000 od. 1/100000 der wirklichen Größe beträgt. Letzterer Maßstab geht fast ganz in d) die Specialkarten, von größerem Maßstab, über, welche auch noch Pläne sind, nur daß dort schon Dörfer, Städte u. andere kleinere Terraingegenstände nicht mehr nach ihrer Form, sondern durch bes. angenommene Zeichen ausgedrückt werden. Man nimmt zu den Specialkarten zu militärischen Zwecken einen Maßstab von 1/100000 bis zu 1/200000 an. Man zeichnet jetzt die Gegenstände eines Planes, wie sie dem Auge erscheinen würden, wenn es in sehr großer Entfernung gerade über jedem einzeln zu zeichnenden Gegenstand schwebte (Vogelperspective). Dieses Bild drückt man entweder blos mit Federzeichnung od. durch Illuminiren mit verschiedenen Farben aus. Doch bleibt auch hier die Einzeichnung des Terrains schwarz u. nur die Gewässer werden blau, Wiesen sehr lichtgrün, sind sie naß, mit blauen Streifen schraffirt, Moosbrüche u. Heiden gelblich, erstere bräunlich, letztere schwärzlich schraffirt, Gärten u. Dörfer dunkelgrün, Wälder noch dunkler grün od. schwarz od. violett (auch wohl die einzelnen Bäume durch schwärzliche Flammen bezeichnet), steinerne Häuser, steinerne Brücken u. sonstige steinerne Bauwerke roth, hölzerne schwarz, ebenso steinerne u. hölzerne Stadtviertel roth u. schwarz, trockene Gräben gelb, Sandbänke braungelb, Steinchausseen röthlich, Sandchausseen u. Wege gelbbräunlich angelegt. Über die Art u. Weise dieser Bezeichnungen muß ein besonderes Übereinkommen stattfinden, u. in fast jeder Armee hat man andere Vorschriften hierüber. Zum Beschreiben der Pläne hat man in den verschiedenen Armeen einen besonderen Maßstab für die Schrift (verschiedene Arten stehender u. liegender Schrift) eingeführt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Planzeichnen — Planzeichnen, s. Landkarten, Projection, Situationszeichnen …   Herders Conversations-Lexikon

  • planzeichnen — plan|zeich|nen 〈V. intr.; hat; meist im Inf. u. Perf.〉 ein Gelände im Grundriss darstellen * * * Plan|zeich|nen, das; s (Fachspr.): das Planzeichnen, Anfertigen von Planzeichnungen …   Universal-Lexikon

  • planzeichnen — plan|zeich|nen (fachsprachlich für Grundrisse, Karten o. Ä. zeichnen [nur im Infinitiv gebräuchlich]) …   Die deutsche Rechtschreibung

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