Mastricht


Mastricht

Mastricht (Maastricht), 1) Bezirk in der niederländischen Provinz Limburg; 2) (Trajectum ad Mosam), Hauptstadt derselben u. der Provinz, an der Aachen-Mastricht-Landener Eisenbahn u. dem Zusammenfluß der Jaar mit der Maas, über welche eine steinerne Brücke führt, von letzter getheilt, wo dann der Theil rechts des Flusses Wyk beißt; hat 2 Friedensgerichte, 2 katholische Stifts-, 4 Pfarr-, lutherische u. 3 reformirte Kirchen (21 aufgehobene Klöster, theils zu Kirchen, theils zu anderen Zwecken verwendet), 2 Hospitäler, 2 Waisenhäuser, Lazareth, königliches Collegium, Ackerbaugesellschaft; Stadthaus mit Bibliothek, Gouverneurspalast, Zeughaus, Denkmal Karls des Großen von Wilh, Geefs; Flußhafen, Fabriken in Leder (Ober- u. Sohlenleder, Mastrichter Leder), Branntwein, Seife, Laternen, Krapp, Tabak, Wollenwaaren, Pfefferkuchen (beste Sorte Heiligmaker). Pfeffernüssen etc. Der Handel ist ansehnlich ü. durch Eisenbahn-, Fluß- u. Kanalverbindungen nach allen Richtungen hin begünstigt; 31,000 Ew. Wichtigste Festung der Niederlande; zu ihr gehört die südlich der Stadt gelegene Citadelle (St. Pierre, angelegt 1703) auf dem nördlichen Abhange des Petersbergs. Durch Schleußen kann das ganze Land zwischen dem Petersberge u. der Stadt unter Wasser gesetzt werden. Auf dem Petersberge außerdem Sandsteinbrüche mit zahllosen dem Kretischen Labyrinth ähnlichen Gängen, welche sich 4 Stunden in der Länge, 2 in der Breite verbreiten. In ihnen befindet sich eine lebendige Quelle, nach oben ausgehauene Löcher lassen Licht u. Luft zu; im Innern sind Zufluchtsörter in Kriegszeiten für Menschen u. Vieh, Wasserbehälter, Hohler, Stallungen etc. Der Mastrichter Sandstein verhärtet an der Luft, u. ist dann gutes, auf der Maas weit verführtes Baumaterial, muß aber so wieder eingelegt werden, wie er in der Erdgelegen hat, indem er sonst leicht zerbröckelt; die Bruchsteine erhalten daher ein Zeichen, welches die obere Seite ist; enthält Lager von Muscheln u. Versteinerungen, unter denen bes. das Mastrichter Krokodil u. mehre andere Petrefacten merkwürdig sind. – M. (lat. Trajectus ad Mosam), gehörte unter der fränkischen Herrschaft zu Austrasien u. war nachher den deutschen Kaisern zuständig, 1204 wurde es von Philipp von Schwaben zum Theil im Herzog Heinrich II. von Brabant verschenkt; der andere Theil verblieb den Grafen von Loos, Von denen er um 1350 durch Kauf an den Bischof von Lüttich überging, aber unter der [957] Oberherrschaft der Herzöge von Brabant stand. Bischof Johann IX. verlegte 1492 seinen Sitz nach M. 1579 wurde M., weil es sich für die Niederländer gegen Philipp II. erklärt hatte, von den Spaniern unter dem Herzog von Parma nach viermonatlicher Belagerung erobert u. erst 1632 denselben durch den Prinzen Friedrich von Oranien wieder entrissen, 1634 vergebens von den Spaniern unter dem Marquis von Aytone belagert u. im Westfälischen Frieden 1648 den Generalstaaten förmlich zuerkannt. 1673 eroberten es die Franzosen u. gaben es, nachdem es 1676 von Wilhelm III., Prinzen von Oranien, 51 Tage vergeblich belagert worden war, im Frieden zu Nymwegen 1678 wieder an die Generalstaaten zurück. 1703 wurde es im Spanischen Erbfolgekrieg von den Alliirten belagert, 1748 vermöge der Präliminarien des Aachener Friedens den Franzosen eingeräumt, nach vollzogenem Frieden aber wieder von denselben verlassen. Nachdem es die Franzosen 5. Febr. bis 4. März 1793 vergebens belagert hatten, bekamen sie es 1794 nach einer kurzen Vertheidigung Ende Octobers in ihre Hände. 1814 wurde es von schwedischen Truppen blockirt u. nach dem Frieden übergeben. 1830 bei dem Abfall Belgiens blieb M. bei Holland.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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