Cochrane


Cochrane

Cochrane (spr. Kokrän), 1) Archibald Blair, Lord C., Graf von Dundonald, geb. 1744; machte als Freiwilliger bei der Marine eine Reise nach Afrika, legte sich dann auf das Studium der Chemie u. st. 1831; er schr. (englisch): Von der Anwendung u. dem Nutzen des Kohlenfirniß, Lond. 1783; Über die Verwandtschaft des Ackerbaues u. der Chemie, ebd. 1795; Grundsätze der Chemie auf Vervollkommnung des praktischen Ackerbaues angewandt, ebd. 1799. 2) Sir Alexander C., des Vor. Bruder, geb. 1748; wurde 1782 Schiffscapitän, that sich als solcher in dem Kanal u. im französischen Revolutionskrieg bei Halifax u. Chesapeak hervor; folgte 1799 mit dem Linienschiff Ajax Lord Abercromby nach Ägypten, wo er die Ausschiffung deckte; wurde 1804 Contreadmiral u. wirkte unter Admiral I. Duckworth zur Zerstörung der französischen Flotte vor S. Domingo u. zur Wegnahme der französischen Inseln mit; 1814, in dem Kriege mit Nordamerika, befehligte er die dortige Seestation, blockirte die Küste, segelte im Potomak hinauf, nahm Washington, konnte aber Baltimore nicht erobern; er wurde 1819 Admiral der Blauen Flagge u. 1821 Gouverneur von Plymouth u. st. einige Jahre darauf. 3) Alex. Thomas Blair, Lord C., Graf von Dundonald, Sohn von C. 1), geb. 1773, trat in englischen Seedienst wurde[231] 1801 Postcapitán u. nahm mehrere französische Schiffe u. landete auf der französischen Küste, wo er eine Anzahl Batterien zerstörte; 1806 Fregattencapitän, war er vor Cadix stationirt, nahm 1808 ein Küstenfort bei Barcelona u. vertheidigte ein solches vor Rosas; 1809 unter Admiral Gambier verbrannte er von der französischen Flotte am Ausfluß der Charente im Golf von Biscaya drei Linienschiffe durch Congrevische Raketen u. nahm ein Transportschiff. Für den Flecken Honiton, später für Westminster in das Parlament gewählt, schlug er sich auf die Seite der Radicalen u. sprach gegen das Ministerium Castlereagh. Da er im März 1814 durch eine lügenhafte Nachricht von einer Niederlage Napoleons auf die Börse gewirkt hatte, um einen Theil seiner Papiere vortheilhaft zu verkaufen, so wurde er des Betrugs angeklagt u. nebst Butt zu einjährigem Gefängniß, Pranger u. einer Geldstrafe von 1000 Pfd. verurtheilt. Der Prinz Regent erließ ihm den Pranger, doch wurde er aus dem Parlament gestoßen u. aus der Liste der Seeoffiziere gestrichen. Er ließ sich verhaften, entfloh aber aus dem Gefängniß, wurde jedoch, von Neuem durch Westminster zum Parlamentsglied gewählt, in dem Augenblick verhaftet, wo er den Eid als solches leisten wollte. Nach einem Jahr Haft 1816 entlassen, führte er 1818 ein Dampfschiff u. einige Schiffe mit einer Schaar Freiwilliger nach Chile, um an dem Südamerikanischen Freiheitskriege Theil zu nehmen; er plünderte 1819 an der peruanischen Küste 5 Häfen, stürmte 1820 die Forts am Eingang des Hafens von Valdivia u. nahm den Spaniern diesen Platz u. holte die spanische Fregatte Esmeralda aus dem Hafen von Callao; 1822 mit dem Präsidenten Higgins entzweit, verließ er den chilesischen Dienst u. trat in brasilianische Dienste, wurde dort Großadmiral u. Marquis von Maranao, u. zwang Paracaibo zur Unterwerfung. 1825 kehrte er nach England zurück; 1827 ging er im Auftrag des englischen Griechenvereines mit einer Expedition von zwei Dampfböten u. einem Schoner den Griechen zu Hülfe, vereinte die beiden streitenden Nationalversammlungen zu Castri u. Argos, wurde zum Oberadmiral der griechischen Flotte ernannt, suchte aber vergebens Athen zu entsetzen. Ende 1828 kehrte er nach England zurück, erbte 1831 seines Vaters Titel u. Güter, wurde 1832 wieder britischer Contreadmiral, 1842 Viceadmiral u. 1847 Oberbefehlshaber der Flotte in den westindischen u. nordamerikanischen Gewässern; 1851 kehrte er als Admiral der Blauen Flagge nach England zurück. Nachdem 1854 die Bemühungen der englischen Flotten sowohl in der Ostsee als im Schwarzen Meere erfolglos geblieben waren, trat C. mit der Erfindung einer Höllenmaschine der furchtbarsten Art hervor u. legte seinen Antrag, Sebastopol, Kronstadt etc. binnen 10 Tagen zu vernichten, dem englischen Ministerium u. Parlamente vor. Es wurde ein Comité ernannt u. mit Untersuchung des Vorschlags, den der Admiral schon 1843 dem Prinz-Regenten gemacht hatte, beauftragt; doch scheinen die Ergebnisse den Erwartungen nicht entsprochen zu haben, da von einer Anwendung der Zerstörungsmittel nichts verlautet ist. 4) Thomas John, Sohn von C. 2), wurde 1841 Contreadmiral, 1844 Oberbefehlshaber in Ostindien, 1847 machte er einen glücklichen Zug gegen die Piraten des dortigen Archipels u. wurde 1850 Viceadmiral. 5) John Dundas C., Neffe von C. 2), englischer Fregattencapitän, kam auf den Einfall, von Dieppe aus eine Fußreise durch den Norden Europas u. Asiens, durch Sibirien nach Kamtschatka zu unternehmen u. von da, soweit es möglich, zu Fuß über Amerika zurückzukehren. Er führte einen Theil dieser Idee 1822 u. 1823, obgleich jenseit Petersburg ausgeplündert, dennoch aus u. kehrte mit einer Kamtschatalin, die er in Peter-Paul geheirathet hatte, über Petersburg nach England zurück. Er wollte später eine Fußreise durch Südamerika unternehmen, starb aber 1825 zu Valencia in Columbia. Er schr.: Narrative of a pedestrian journey through Russia, Lond. 1824 (deutsch, Jena 1825). 6) Charles Stuart, englischer Capitän, unternahm 1823 u. 1824 eine Reise durch Südamerika u. gab die Beschreibung derselben, Lond. 1824, heraus.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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