Freising


Freising

Freising (Freisingen), 1) Landgericht im baierischen Kreise Oberbaiern, 64/5 QM., 18,300 Ew. 2) Hauptstadt darin an der Mosach u. dem Isar: Sitz des Appellationsgerichts für Oberbaiern, Wechselgericht, Rentamt, Capitel u. Generalvicariat des Erzbischofs von München; die Domkirche hat eine merkwürdige Krypte, Priester- u. Schullehrerseminar, Lyceum, Gymnasium; 5350 Ew., welche Salpetersiederei, Brauerei, Branntweinbrennerei, Wachsbleichen, Essig- u. Tabakfabrikation, Viehzucht etc. betreiben. Auf einem nahen Berge ist die frühere Benedictinerabtei Weihenstephan, jetzt in ein königliches Schloß mit Musterwirthschaft für Ackerbau u. einer großen Obstbaumschule umgewandelt. – F. ist sehr alt, es wird schon 297 erwähnt. 724 wurde das Bisthum gegründet (s. unt. 3); 955 wurde die Stadt von den Hunnen verbrannt u. 976 von dem Kaiser erobert; eben so 1082 von dem Herzog Welf von Baiern u. 1086 von den Sachsen; 1231 große Feuersbrunst; 3) sonst Bisthum von 5 QM. u. 27,000 Ew., dessen Bischof auf dem Reichstag Sitz u. Stimme hatte. Das Bisthum wurde 724 (716) gegründet u. St. Corbinian zum 1. Bischof eingesetzt; sein Nachfolger Erimbert wurde 739 von Bonifacius geweiht; unter dem 10. Bischof, Waldo (883–906), einem der Vormünder Ludwigs des Kinds, brannte die Kathedrale ab, welche Waldo wieder prächtig aufbanen ließ; Abraham (956–994) führte während Heinrichs des Zänkers Unmündigkeit mit dessen Mutter, Judith, die Regentschaft u. floh vor Otto II. nach Krain. Gottschalk (bis 1006), der, wie einige seiner Nachfolger, unter den Wählern des deutschen Kaisers erscheint, erwarb dem Bisthum das Münzrecht. Der 20. Bischof, Meginward (1078 bis[698] 1098), machte sich um die Verbreitung des Christenthums in Böhmen verdient u. starb in Prag. Otto I., Enkel des Kaisers Heinrich IV. u. Stiefbruder des Kaisers Konrad III., folgte 1137 auf Heinrich I.; unter ihm wurde F. von der Advocatie der Grafen von Scheyren befreit u. die Grenze der Bisthümer F. u. Regensburg festgesetzt. Den Kaiser Friedrich Barbarossa begleitete er 1158 auf dessen Zug nach Italien u. st. im Kloster Morimund. Er ist auch als Chronist berü hmt, s.u. Otto. Otto II. (1183–1220) erwarb der Kirche viele Güter; dagegen verschleuderte Gerold dieselben u. überantwortete auch die Stadt F. dem Herzog von Baiern; er wurde deshalb 1229 abgesetzt u. in den Bann gethan u. st. 1231; Konrad I. fiel 1237 in österreichische Gefangenschaft u. st. 1258. Unter dem 38 Bischof, Berthold (1380–1410), welcher die meisten Städte seines Sprengels befestigen od. verstärken ließ, machte Herzog Ludwig 1394 einen Einfall in das Bisthum, s.u. Baiern (Gesch.) II. B) aa). Konrad V. wurde 1412 von seinen Kämmerlingen ermordet. 1495–68 war Ruprecht von der Pfalz Bischof, welcher später die Tochter Georgs des Reichen beirathete u. das Bisthum seinem Bruder Philipp überließ; dieser erhielt 1517 die Administration des Bisthums Naumburg u. st. 1541. Ihm folgte sein Bruder Heinrich III. (st. 1551); die Kriege gegen die Türken u. die Protestanten nöthigten diesen zu großem Aufwand, weshalb sein Nachfolger Leo (st. 1559) den Schatz sehr erschöpft vorfand; Moritz von Sandizell, welcher 1567 abdankte, zahlte einen großen Theil der Schulden ab. Diesem folgte Ernst, Herzog von Baiern, welcher 1583 Erzbischof von Köln u. 1585 Bischof von Münster wurde u. 1612 starb. Nach ihm war bis 1618 Stephan Bischof; unter dessen Nachfolger, Veit Adam, welchen der Kaiser Ferdinand IUI. zum Fürstbischof erhob, brach der Dreißigjährige Krieg aus; 1632 plünderten die Schweden F., u. der Bischof floh auf kurze Zeit nach Tyrol. Beim Anzug Bernhards von Weimar 1634 u. der Schweden 1648 floh der Bischof wieder, u. F. wurde abermals geplündert; doch machte sich Veit Adam durch mehrere innere Einrichtungen um das Stift verdient; er st. 1651. Ruhiger war die Regierung seines Nachfolgers, Albert Sigismund, eines baierischen Prinzen, welcher sich bes. viel mit Jagen, Steinschneiden u. Schnitzen beschäftigte; er st. 1685, nachdem ihm 1683 Joseph Clemens, Bruder des Kurfürsten Maximilian Emanuel, als Coadjutor beigegeben war, welcher 1688 Erzbischof u. Kurfürst von Köln wurde; bis 1694 blieb er noch Fürstbischof von F., dann aber wurde auf päpstlichen Befehl Johann Franz Eckar, Baron von Kapfing u. Lichteneck, als besonderer Bischof für F. gewählt, der das Gymnasium in F. errichtete; er st. 1727; sein Nachfolger, Johann Theodor, Sohn des Kurfürsten Maximilian Emanuel, Bischof von Regensburg u. seit 1723 sein Coadjutor, wurde später Bischof von Lüttich u. st. 1763. Bischof Ludwig Joseph von Welden 1769 bis 1788 ließ Moose austrocknen u. Elementarschulen anlegen; sein Nachfolger war Maximilian Procop, Graf von Törring-Jettenbach. Joseph Konrad VI., welcher 1803 starb, war der letzte Bischof von F., denn 1802 wurde das Bisthum F. säcularisirt u. an Pfalz-Baiern als Fürstenthum gegeben, nur die Besitzungen desselben in Österreich u. Tyrol kamen an Salzburg. Vgl. Meichelbeck, Historia Frisingensis, Augsb. 1724–29, 2 Bde., Fol.; Tabellarische Beschreibung des Bis thums F., München 1821; Schematismus der Diöcesangeistlichkeit des Bisthums F., Freis. 1822.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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