Client


Client

Client, 1) im alten Rom ein Halbfreier, welcher zu einem Freien (Civis), zu dessen Geschlecht (Gens) er gehörte, in strengem Abhängigkeitsverhältniß, Clientel, stand. Der Herr des C. hieß Patronus. Die C-en bildeten nicht eine Masse gegenüber den Cives u. waren nicht deren Gesammtheit unterworfen, sondern sie waren in einzelnen Gruppen den einzelnen Geschlechtern zugetheilt u. an diese gebunden. Das Institut der Clientel ist uralt unter den italischen Völkerschaften, namentlich bei den Sabinern u. Etruskern; vielleicht waren die C-en Ureinwohner, welche von den einwandernden Eroberern unterworfen neben den neuen Herren des Landes fortbestanden, als deren Hintersassen u. Hörige sie ein Stück Land zur eignen Bebauung überlassen erhielten. Wie die Clientel in Rom entstand, ob durch das von Romulus eröffnete Asyl, od. durch die eingewanderten Sabiner u. Etrusker, ist ungewiß. Das Verhältniß der C-en zu den Patronen war ein Pietätsverhältniß; die C-en gingen sogar den Verwandten des Patrons vor. Die Pflichten des Patrons gegen den C. waren: er hatte dem C. das Recht auszulegen, sich dessen Vermögen u. Geschäfte anzunehmen, für ihn wegen erlittenen Unrechts Klagen anzustellen, od. wenn der C. verklagt war, ihn vor Gericht zu vertreten u. ihn überhaupt in Privat- od. öffentlichen Angelegenheiten zu schützen. Dagegen hatte der C. die Pflicht: bei Verheirathung der Töchter des Patrons, wenn derselbe nicht vermögend genug war, die Aussteuer theilweis zu tragen; dem Patron od. dessen Söhne im Fall der Kriegsgefangenschaft zu ranzioniren; Proceßkosten od. öffentliche Geldbußen ohne Wiedererstattung für ihn bezahlen, den mit öffentlichen Ämtern verbundenen Aufwand des Patrons bestreiten zu helfen; der C. durfte gegen den Patron nicht zeugen u. nicht stimmen; er mußte endlich ihm seine Aufwartung machen, auf das Forum u. beim öffentlichen Ausgang begleiten u. wahrscheinlich auch mit ihm in den Krieg ziehen. Das Verhältniß war ein erbliches; wie der C. den Geschlechtsnamen des Patrons führte, so war er auch mit seinen Nachkommen an die Familie des Patrons gebunden. Das Verhältniß war aber auch ein heiliges; ein Patron, welcher sich an seinem C. verging, wurde als sacer erklärt, d.h. war den göttlichen Gerichten verfallen u. sein Haupt den unterirdischen Göttern geweihet, u. als solchen durfte ihn jeder ungestraft tödten, u. Strafen warteten sein noch in der Unterwelt. Zur Zeit der Republik bestand Anfangs die Clientel noch fort; nach u. nach bildete sich aber neben der Plebs eine Clientenklasse, deren Glieder in die Tribus vertheilt wurden u. wahrscheinlich die Gewerbtreibenden bildeten, u. welche, ihres alten Verhältnisses eingedenk, es immer mit den Patriciern gegen die Plebejer hielten, mit ihnen stimmten, u. wenn die Plebejer den Patriciern den Kriegsdienst verweigerten, mit diesen allein auszogen. Wenn das Institut der Clientel in Rom aufgehört hat, ist ungewiß; gewöhnlich nimmt man an, daß es mit der Einführung der Gesetze der 12 Tafeln geschehen sei. Doch blieb auch für spätere Zeit die Clientel noch, indem bes. neue Bürger sich in ähnlicher Weise an eine Familie anschlossen,[210] deren Protection sie genossen u. deren Anhang hinwiederum sie vermehrten. Auch Fremde u. auswärtige Bürger aus Colonien u. Municipien hatten als C-en in Rom ihre Patrone, so waren die Marceller von den Siculern, die Fabier von den Allobrogern etc. zu Patronen gewählt. Die Clientel erlosch, sobald ein C. ein Eurnlisches Amt erhielt, also als ein Adeliger angesehen wurde. In der Kaiserzeit waren die C-en nur der bezahlte Hofstaat der Reichen, welchen sie ihre Staatsvisiten machten u. welche sie beim öffentlichen Ausgang begleiteten, wofür sie Erfrischungen erhielten od. zu Tisch geladen wurden od. auch Geldgeschenke empfingen (Sportula). Wegen der Ähnlichkeit ihres Clientenverhältnisses nannten die Römer auch das Verhältniß der kleineren gallischen Völkerschaften, welche unter dem Schutz großer u. mächtiger Völkerschaften standen, Clientel. 2) Im Mittelalter Lehnsmann, s. Adel; daher Clientel u. Clientelarjurisdiction, die Gerichtsbarkeit eines Lehnsherrn über seinen Lehnträger; 3) Jeder, der in einer Rechtssache einen Rechtskundigen zum Beistand erwählt; 4) der den Schutz od. die Fürsprache eines Höheren genießt od. sucht.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • client — client, cliente [ klijɑ̃, klijɑ̃t ] n. • 1437; lat. cliens, clientis 1 ♦ Antiq. À Rome, Plébéien qui se mettait sous la protection d un patricien appelé patron. ♢ (1538) Vx Personne qui se place sous la protection de qqn. ⇒ protégé. 2 ♦ Mod.… …   Encyclopédie Universelle

  • Client — Основная информация Жанр Электроклэш …   Википедия

  • Client — Datos generales Origen …   Wikipedia Español

  • client — CLIÉNT, Ă, clienţi, e, s.m. şi f. 1. Persoană care cumpără (regulat) de la un magazin, consumă ceva într un local public etc., considerată în raport cu persoana sau întreprinderea de la care cumpără, consumă etc.; muşteriu. 2. Persoană care se… …   Dicționar Român

  • Client — may refer to: Customer, someone who purchases or hires something from someone else Client (computing), software that accesses a remote service on another computer The client (Latin cliens) who received patronage in ancient Rome Client (band), a… …   Wikipedia

  • client — I noun business contact, buyer of labor, cliens, consultor, consumer, customer, employer of legal advice, hirer, offerer, patron, patron of professional servies, patronizer, person employing advice, person represented, person represented by… …   Law dictionary

  • Client — Cli ent, n. [L. cliens, emtis, for cluens, one who hears (in relation to his protector), a client, fr. L. cluere to be named or called; akin to Gr. ? to hear, Skr. [,c]ry, and E. loud: cf. F. client. See {Loud}.] 1. (Rom. Antiq.) A citizen who… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • client — CLIENT, ENTE. s. Celui, celle qui a chargé de sa cause un Avocat. Il ne se dit proprement que des Parties à l égard de leurs Avocats, et quelquefois des Parties à l égard de leurs Juges. Bon client. C est mon client. Je suis sa cliente. La salle… …   Dictionnaire de l'Académie Française 1798

  • client — client, e n. Ne pas être client, ne pas être disposé à effectuer un acte désavantageux ou désagréable : Vingt bornes à pince ? Merci, je ne suis pas client …   Dictionnaire du Français argotique et populaire

  • client — CLIENT, [cli]ente. s. Celuy ou celle qui a chargé de sa cause un Avocat. Il ne se dit proprement que des parties à l égard de leurs Avocats, mais quelquefois des parties à l égard de leurs Juges, Bon client. c est mon client. je suis sa cliente.… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • client — Client, Qui s est donné en la tutelle et protection de quelque grand seigneur, lequel prend sa defense en toutes choses honnestes à l encontre de tous: et pareillement en tous affaires qu il a, il a aide et secours de ce client, Cliens clientis.… …   Thresor de la langue françoyse