Ligue


Ligue

Ligue (franz., spr. Lihk, span. Liga, ital. Ligua), Bündniß, Vereinigung von Personen im Staate zu einem gewissen Vorhaben. Merkwürdig sind: 1) L. fürs Gemeinwohl (La Ligue du bienpublic), vom Herzog Karl dem Kühnen von Burgund, Herzog Karl von Berry, Franz II. von Bretagne u. A. gegen Ludwig XI. (1465) geschlossen, s. Frankreich (Gesch.) V.; 2) Heilige L. (La Ligue sainte, L. von Cambray, Cambrayer L.), indem Papst Julius II. die fremde Gewalt in Italien gänzlich zu zerstören u. dabei zugleich den Stolz der Venetianer zu beugen versuchte, vereinigte er 1508 Ludwig XII., dessen Gegner Kaiser Maximilian u. Ferdinand den Katholischen, König von Spanien, zu Cambray. Allein Frankreich gewann den Papst u. Ferdinand den Katholischen durch Länderabtretung, Maximilian wurde durch Geldverlegenheit an der weiteren Theilnahme gehindert, u. der Papst benutzte, um seinen Zweck dennoch zu erreichen, eine Mißhelligkeit mit Ludwig XII. zum Vorwand, um gegen diesen eine zweite Heilige L. in Bewegung zu setzen, welche am 4. Oct. 1511 zwischen dem Papst, Spanien, Venedig u. den Schweizern gegen Frankreich zu Stande kam, welcher am 9. Febr. 1512 England beitrat u. deren Erfolg so günstig war, daß Frankreich 1512 in großer Gefahr schwebte u. nur der Tod des Papstes 1513, durch den sich die Heilige L. auflöste, dasselbe rettete; s. Frankreich (Gesch.) VI. 3) Heilige L. (La sainte Union), in Folge des am 14. Mai 1576 erlassenen Religionsedictes geschlossen von der guisischen (katholischen) Partei, König Philipp II., dem Papst, den Mönchen u. dem Parlamente, zur Unterdrückung der hugenottischen (bourbonischen) Partei in Frankreich unter Heinrich III. u. zur Entthronung Heinrichs III., an dessen Stelle die Guisen auf den Thron gehoben werden sollten. Herzog Heinrich von Guise war das Oberhaupt dieses Bundes. Um den gefährlichen Tendenzen der L. zu begegnen, stellte sich Heinrich III. selbst an die Spitze derselben u. mußte auf das Drängen derselben den Krieg gegen die Hugenotten 1577 beginnen, doch wurde derselbe bald durch den Frieden von Bergerac geendigt (s.u. Hugenotten), u. die L. löste sich auf. Als aber 1584 der Herzog von Alençon gestorben war u. die Thronfolge auf Heinrich von Navarra, einen Protestanten, kam, trat die L. von Neuem zusammen, gebildet durch die Anhänger der Guisen, die streng katholischen Mitglieder des Parlaments, die fanatischen geistlichen Brüderschaften u. die ultraconservativen Brüderschaften, die Städte, bes. die 16 Quartiere von Paris (von denen sie auch den Namen L. des Seize [Bund der Sechzehn] erhielt) u. abgeschlossen unter der Theilnahme Spaniens 30. Dec. 1584 bis 3. Jan. 1585 im Schlosse Joinville hauptsächlich dazu, daß die Krone Frankreichs nicht an Heinrich von Navarra, sondern an den Cardinal Karl von Bourbon kommen u. der Protestantismus in Frankreich u. den Niederlanden gänzlich ausgerottet werden sollte. Die Folge davon war 1585 das den Hugenotten ungünstige Edict von Nemours u. 1587 der Krieg der drei Heinriche (s.u. Hugenotten). Die L. siegte, aber der König Heinrich III. ließ das Haupt derselben, Heinrich von Guise, 1588 in Blois ermorden; an dessen Stelle trat nun sein Bruder, der Herzog von Mayenne, an die Spitze der Ligue. Heinrich III. wurde 1589 vor Paris ermordet u. der Krieg dauerte fort, bis Heinrich IV. 1593 die katholische Religion annahm, u. die L., nachdem der Papst 1595 den Bann gegen Heinrich IV. aufgehoben hatte, durch Übertritt ihrer Glieder nach u. nach zur königlichen Partei allmälig sich auflöste, s. Frankreich (Gesch.) VII. A); vgl. Mignet, Histoire de la L., Par. 1829, 5 Bde.; Labitte, De [374] Ia démocratic chez les prédicateurs de la Ligue, ebd. 1841. 4) Heilige L. (Heiliger Bund von Nürnberg, Liga saneta), die vom Kaiser Karl V., den Erzbischöfen von Mainz u. Salzburg u. den Herzögen Wilhelm u. Ludwig von Baiern, Georg von Sachsen u. Erich u. Heinrich von Braunschweig am 10. Juli 1538 zu Nürnberg zur Vertheidigung des katholischen Glaubens geschlossene u. gegen den Schmalkaldischen Bund der Evangelischen gerichtete Verbindung. Sie sollte auf 11 Jahre abgeschlossen sein, u. die Streitkräfte der Verbündeten wurden in zwei Theile getheilt: die oberländische erhielt der Herzog Ludwig von Baiern, die sächsische der Herzog Heinrich von Braunschweig als Bundesoberster. Indeß wurde die Wirksamkeit des Bundes durch den Waffenstillstand vom 19. April 1539 gehindert; s.u. Schmalkaldischer Bund u. Reformation. 5) Die Katholische Liga wurde gegen die Union der Evangelischen zu München 10. Juni 1609 von den Bischöfen von Würzburg, Constanz, Augsburg, Passau u. Regensburg, sowie dem Propst von Ellwangen u. dem Abt von Kempten unter Direction des Herzogs Maximilian von Baiern, namentlich zur Erhaltung der katholischen Religion geschlossen, nachher traten die katholischen Stände des Baierischen u. Schwäbischen Kreises u. die drei geistlichen Kurfürsten bei. Aber wegen innerer Zwistigkeiten u. der Schwäche der L. schloß Maximilian bereits 1611 Frieden mit der Union. 1613 wurde der bisher geheime Bund bekannter, u. verstärkt durch den Beitritt des Kaisers u. der Häuser Sachsen unterstützte er 1614 den Krieg wegen der Jülichschen Erbfolge gegen Brandenburg u. nachher mit Spanien den König Ferdinand von Böhmen gegen Friedrich V. von der Pfalz u. war zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges mit Österreich der Hauptkämpfer in Deutschland für die Katholiken. Da aber der Herzog von Baiern seinen Hauptzweck, die Erlangung der pfälzischen Kurwürde, erreicht hatte, trat die L. gegen das Ansehen des Kaisers in den Hintergrund; der Kaiser wollte sogar ihre Auflösung; doch hielt sie sich noch lange u. suchte namentlich ein Gleichgewicht gegen die ordnungswidrige Stellung u. Macht Wallensteins im Reiche zu bilden. Erst bei dem Auftreten Gustav Adolfs u. durch dessen Vertrag mit Frankreich wurde die Kraft der L. gebrochen, welche sich noch vor dem Westfälischen Frieden auflöste; vgl. Deutschland (Gesch.) XI., Dreißigjähriger Krieg I. u. Reformation. 6) L. germanique, bei den französischen Publicisten der Deutsche Fürstenbund.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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