Adler [1]


Adler [1]

Adler, 1) (Aar, Aquila, Zool.), so v.w. gemeiner Steinadler; 2) Familie der falkenartigen Raubvögel, mit geradem, erst an der Kuppe gebogenem Schnabel ohne Zahnausschnitt u. mit hakiger Spitze, plattem Kopfe, dessen Federn, wie die im Nacken, sein zugespitzt sind. Die größten u. gewaltigsten Vögel dieser Familie: a) die Gattung Stein-A (Aquila) hat lange, rings bis zu den Zehenwurzeln befiederte Läufe (Fußwurzeln), großen, flachen Kopf, tief liegende, ziemlich große, gelblichgraue Augen, lange Flügel, einen stufigen, langen Schwanz, kräftige, kantige Krallen, an der Wurzel mit Schuppen, vorn mit Schildern besetzte Zehen, meist dunkelbraunes od. schwärzliches Gefieder u. citrongelbe Zehen u. Wachshaut; aa) der Stein- od. Königs-A. (gemeiner A., A. fulva), ist, wenn er völlig ausgefärbt ist, dunkelbraun, mit rostfarbenen Nackenfedern, auch sind die langen Schenkelfedern rost- od. hellbraun. Der meist zugerundete Schwanz hat eine breite, schwarze Endbinde u. im Alter schmale, schwarzgraue Querbinden u. eine weiße Einfassung, der 2 Zoll lange Schnabel ist hornbläulich mit schwarzer Spitze. Länge 3 Fuß, Flügelweite 8 Fuß, Vaterland: fast ganz Europa; zeichnet sich durch seine edle Haltung aus, ist scheu u. vorsichtig, aber w. es gilt auch muthig; raubgierig stößt er auf alle nicht zu großen Säugethiere u. Vögel, ergreift seinen Raub mit den Klauen u. trägt ihn auch seinen Jungen zu; er fällt auch zuweilen größere Thiere an u. nimmt sogar zuweilen kleine Kinder mit in die Luft. Sein Horst (in den Wäldern NDeutschland auf uralten Eichen od. Kiefern, in SDeutschland, der Schweiz u. NAmerika gewöhnlich in Spalten od. Vorsprüngen der Felsen) ist groß u. flach, aus großen Ästen u.[135] kleineren Zweigen kunstlos geflochten u. mit weichen Stoffen bedeckt. Das Weibchen legt 2–4 große, weiße, rostbraun gefleckte Eier. Der Steinadler schreit Krah, Krah. Man kann ihn, wie z.B. die Kirgisen thun, zur Jagd abrichten. Dieser A. ist der Aquila der Alten. Seine Federn dienen zur Befiederung der Pfeile, sein Horst wird von den Landleuten in Illyrien als Vorrathskammer betrachtet, da der A. viel Wildpret zu Horste trägt. Fabel ist es, daß er die Adlersteine zu Neste trüge, um die große Hitze beim Brüten zu dämpfen, daß ihn der Blitz nicht treffe, daß er, um Hafen aufzujagen, einen Stein aus den Krallen in das Gebüsch fallen ließe u.s.w.; bb) der Gold-A. (A. Chrysaëtos) ist dem Vor. sehr ähnlich, aber der Schwanz ist schon in der Jugend u. fortwährend bis zur Wurzel ohne alles Weiße, hat auf bläulich aschgrauem Grunde breite, zackige, schwarze Querbinden, von denen die letzte am breitesten ist, u. die Flügel erreichen das abgerundete Ende nicht. Der Rachen ist bis unter die Mitte des Auges gespalten. Seine Gestalt ist schlanker, Länge 31/2 – 33/4 Fuß, Flugbreite 8 Fuß 3 Zoll bis 9 Fuß 3 Zoll. Er bewohnt mehr den Norden Europas, auch Sibirien u. Griechenland; cc) der Kaiser-A., auch Gold-A. (A. imperialis, A. heliaca, Falco Mogilinik), noch größer als der Stein-A., mit großem, weißem Fleck auf den Schultern, Schwanz schwarz, oben grau gewellt, Kopf wie vergoldet, Nacken braungelb, selten weiß; Weibchen braungelb, Schwanz mehr viereckig, Schwingen über den Schwanz überragend. In den Gebirgen SEuropas. Auch er scheint der als stark gerühmte A. der Alten gewesen zu sein. Er sitzt fast horizontal auf einem Baume, geht langsam mit vorgestrecktem Halse u. aufgerichtetem Schwanze, während der Stein-A. mehr perpendiculär sitzt, den Kopf zurückbiegt u. mehr hüpft als schreitet; dd) der Schrei-A. (A. naevia, Falc. maculatus), 2 Fuß 3 Zoll lang, das Weibchen 2 Fuß 8 Zoll, Füße dünner; braun. Schwanz schwärzlich mit helleren Binden, 2 gleiche auf den Flügeln. Auf den Gebirgen SEuropas, auch in NEuropa, doch selten vorkommend; ee) Zwerg-A. (A. pennata), nicht so groß als ein Bussard, hat ganz gefiederte Tarsen, krummen Schnabel, stark befiederte Hosen; in Frankreich u. Deutschland; sehr selten, gelb, braun gefleckt; ff) Raub-A., isabellengelb, so groß wie cc), in SAfrika; gg) A. armiger, in Afrika; hh) A. malaiensis, in OIndien; ii) A. fucosa, in Neuholland; Bechstein rechnet auch kk) den Bart-A. (Falco barbatus) hierher, der aber der Bartgeier ist. b) Die Gattung Schlangen-A., s.d. c) Die Gattung Fluß-A., s.d. d) Die Gattung See-A., s.d. 3) (Mythol. u. Ant.). Im Alterthum galt der A. (lat. Aquila, griech. Aëtos) als König der Vögel u. war daher Symbol der Macht, der Kraft u. des Sieges, u., wie bei den Hindus der geheiligte Vogel des Wischnu, so bei den Römern u. Griechen des Zeus, dem er zur Seite steht. Daher wurden A. als gute Vorbedeutung bei Auspicien u. sogar als Verkündiger hoher, selbst königlicher Würde, angesehen, u. A-bilder waren Insignien auf den römischen Legionszeichen (s. Aquila), u. bei der Apotheose (s.d.) römischer Kaiser ließ man einen A. von dem angezündeten Katafalk emporsteigen, der gleichsam die Seele des Verstorbenen in den Olymp tragen sollte. In Persien war der A. auch symbolischer Ausdruck der königlichen Würde (weshalb ein A. mit ausgebreiteten Flügeln dem Heere vorgetragen wurde) u. Heerzeichen. In der nordischen Mythologie ist der A. Vogel der Weisheit u. sitzt auf den Zweigen der Esche Yggdrasill (s.d.). Außerdem kommen A. oft auf alten Münzen vor, so auf denen der Städte Agrigent, Chalcis, Elis, Lyttos, Pydna u. auf denen des Ptolemäos Philadelphos. 4) (Her.), Wappenthier mit offenem Schnabel, ausgeschlagener Zunge, ausgestreckten Waffen (Klauen) u. zierlichem Schwanze dargestellt; Schnabel u. Waffen sind gemeiniglich von dem übrigen verschieden tingirt. Oft hat er Kleeblattstengel in den Flügeln, ist beladen (er trägt etwas in den Waffen), behauptziert (d. h. mit einem Zirkel um den Kopf), auch schmachtend (ohne Augen u. Zunge). Gestümmelte A. (Alerion) werden ohne Schnäbel u. Füße mitniedergeschlagenen Flügeln gebildet; sind mehr als 5 im Schilde, so werden sie junge A. genannt. Es wird gesagt, läßt sich aber nicht beweisen, daß der schwarze A., als Zeichen des deutschen Reiches von den Römern entlehnt sei; als Symbol des Reiches findet er sich auf der Reichsfahne bereits unter Kaiser Otto II., 977 auf den Siegeln der Mark- u. Pfalzgrafen (979 u. 1037), auf Münzen 1195, auf Sceptern 1036, in Siegeln 1299, jedoch immer noch einköpfig, bis er als zweiköpfig, als Doppel-A. (Reichs-A.), als der er das oft- u. weströmische Reich bezeichnen sollte, zuerst auf der Reichsfahne seit 1312, unter Karl IV. seit 1346 im Rücksiegel, unter Wenzeslaus im Majestätssiegel erscheint u. seit Kaiser Sigismund, von 1433 an, als beständiges Zeichen des Kaisers, wie der einköpfige des deutschen Königs, gebraucht ward. Als Sinnbild der Herrschaft u. Macht wurde der A. das Wappenbild vieler Monarchen, namentlich als schwarzer Doppel-A. Rußlands, als schwarzer einfacher A. mit Kleeblättern in den Flügeln Brandenburgs, später in einfacherer Form Preußens, als weißer A. Polens etc., auch das Symbol des französischen Kaiserreichs, wo er aber nicht in der heraldischen Form, sondern als goldener A. in natürlicher Gestalt mit Blitzen als Jupiters Vogel erschien. In der französischen Armee seit der Restauration u. unter Ludwig Philipp abgeschafft, wurde er durch Decret vom 1. Januar 1852 durch Ludwig Napoleon auf den Fahnen wieder hergestellt. 5) (Astron.), Sternbild am nördlichen Himmel, mit dem Atair (Stern 1. Größe, Doppelstern), deutet auf den A., welcher den Ganymedes (s.d.) raubte, hat nach Flamsteed mit dem Antonius u. dem Sobieskischen Schild 71 Sterne.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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