Kranz [1]


Kranz [1]

Kranz (gr. Stephanos, lat. Corona), 1) kreisförmiges Gewinde von Blättern od. Blumen. Bei den Griechen waren Kränze bei jedem Dionysosfeste gewöhnlich, u. bes. bei Göttermahlen von Zweigen des Baumes, welcher dem zu feiernden Gott heilig war, sonst von Blumen; Kränze, bes. von Epheu, hielt man zugleich für ein Präservativ gegen die Trunkenheit, daher man Becher u. sich selbst bei Gelagen bekränzte (Corona convivalis). Mit Kränzen schmückte man siegreiche Feldherrn u. Soldaten, Sieger in den griechischen Kampfspielen, Opferthiere (um Stirn u. Leib) u. Altäre, Bildsäulen der Götter, Priester, auch Leichname vor der Beerdigung, Gräber etc. Goldne Kränze gehörten zu den Weihgeschenken, die von Völkerschaften dem Rath u. Volk eines mächtigen Staats od. in den Tempel eines Gottes verehrt wurden; auch erhielten in Athen Raths- u. Privatpersonen, die sich um den Staat verdient gemacht hatten, einen goldnen, früher einen Zweigkranz. Auch bei den Römern war die Ertheilung von Ehrenkränzen gewöhnlich; so ertheilten Feldherrn demjenigen einen K., welcher zuerst ins feindliche Lager drang (Corona castrensis od. C. vallaris, Lagerkrone), od. zuerst die Mauer der feindlichen Stadt bestieg (C. muralis, Mauerkrone), od. das feindliche Schiff zuerst enterte (C. navalis od. C. rostrata [weil sie Schiffsschnäbel darstellte]). Auch sendeten entsetzte Städte ihrem Retter einen K. (C. obsidionalis, Belagerungskrone), u. die Provinz dem triumphirenden Feldherrn (C. provincialis, C. donatica) zur Verherrlichung seines Triumphs. Alle diese Kränze waren meist von Gold, früher auch blos aus Zweigen od. Blättern. Die Bürgerkrone (C. civica), ein K. von Eichenlaub, war die Belohnung eines Bürgers, der einem andern römischen Bürger im Treffen das Leben gerettet od. sonst dem Staate einen wichtigen Dienst erwiesen hatte (so erhielt Cicero einen wegen Unterdrückung der Catilinarischen Verschwörung). In der Folge wurde es gewöhnlich, eine C. civica im Atrium des kaiserlichen Palastes aufzuhängen, wodurch der Kaiser als beständiger Erhalter seiner Bürger u. Überwinder der Feinde erklärt wurde. Auch pflegte man in Rom Epheu- u. Lorbeerkränze bei der Geburt eines Sohnes, einen wollnen K. bei der Geburt einer Tochter (C. natalitia) vor der Hausthür aufzuhängen, u. die Ritter trugen bei der Transvectio einen Olivenkranz (C. equestris).[769] Auch die zum Verkauf aufgestellten Sklaven wurden bekränzt (daher Emtio sub corona, s.u. Sklaverei), u. Bräute trugen Kränze (s.u. Hochzeit). Merkwürdig ist die uralte Sitte, Dichter zu bekränzen, woraus die Poëtae laureati (s.d.) hervorgingen. Noch im Mittelalter waren Kränze als Zeichen der Jugend u. des Frohsinns gewöhnlich; Jünglinge, selbst fürstliche, zierten sich bei feierlichen Gelegenheiten damit. Jetzt sind Kränze nur bei Damen gewöhnlich u. werden zur Ausschmückung von Festgebäuden, Sälen, Büsten u. dgl. angewendet. Für die Heraldik ist zu bemerken, daß ein K. oft bei unverheiratheten Damen um den Schild gehängt wurde; bei Alliancewappen findet man Kränze, bes. wenn den Schild des Gemahls ein Ordensband umgibt. 2) ringförmiges Stück Holz od. Metall, an welchem die Docht: der durch Angießen zu fertigenden Wachskerzen über dem Kessel mit dem geschmolzenen Wachse aufgehängt werden; s. Kerzenfabrikation. 3) (Krans), kurzes Tau, dessen beide Enden in einander gesplißt sind, wodurch es die Gestalt eines Ringes erhält. Die Kränze dienen als Flechting am Topp den Masten als Abhalter außer Bord u. in Booten; auf dem Deck der Kriegsschiffe bedient man sich derselben, um die Kanonenkugeln hineinzulegen u. ihr Rollen zu verhindern; 4) was um einen Gegenstand ringförmig herumgeht, so bei Wasserrädern, Glocken, Scheiben, Rollen die äußere Peripherie; auch K. um die Sonne, s.u. Hof 10); u. 5) so v.w. Brunnenkranz. s.u. Brunnen 1) B); 6) die obere, bes. runde Bedeckung eines Gegenstandes; 7) so v.w. Mutterkranz; 8) so v.w. Mantel (bei Weichthieren); 9) (Bot.), so v.w. Corona, s. Blüthe II. B).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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