Thorwaldsen


Thorwaldsen

Thorwaldsen, Albert Bertel, geb. 19. Nov. 1779 auf dem Meere, auf einer Reise seiner Eltern von Island nach Kopenhagen, wo später sein Vater als Schiffsbildhauer lebte. Schon als Knabe arbeitete T. mit an den Schnitzereien seines Vaters, besuchte die Kunstakademie in Kopenhagen u. erhielt bei jeder Concurrenz den Preis. 1796 ging T. nach Rom u. schloß sich hier an Carstens an. Nach drei Jahren, als sein Reisestipendium zu Ende war, stand er in Begriff nach Kopenhagen zurückzugehen, als der englische Banquier Sir Thomas Hope durch die Bestellung der von T. modellirten, aber bereits zum Zerschlagen bestimmten Figur eines Jason (wie er das Goldene Vließ raubt) das längere Verweilen in Rom entschied. Hierdurch wurde er als Meister anerkannt, Bestellungen auf Bestellungen folgten, denn es wurde unter den Reichen Ehrensache eine Arbeit von T. zu besitzen; ihm, einem Ausländer u. Protestanten, wurde das Denkmal des Papstes Pius VII. für die Peterskirche u. die Präsidentschaft[545] der Akademie S. Luca in Rom übertragen. T. besuchte Kopenhagen 1819, 1830, 1838 u. 1842, blieb das letzte Mal daselbst u. st. dort am 24. März 1844. Da er nicht verheirathet war u., eine natürliche Tochter ausgenommen, keine nahen Anverwandten hatte, so setzte er sein Vaterland zum Erben ein, u. ein Museum (das Thorwaldsenmuseum, eröffnet 1846) in Kopenhagen vereinigt die von ihm geschaffenen u. von ihm gesammelten Schätze der Kunst u. der Literatur. Der Hauptzug seines künstlerischen Wesens ist Rückkehr zur antiken Anschauungsweise sowohl künstlerischer Aufgaben, als der Natur, Ernst. Einfachheit, Würde, Charakter u., so weit sie damitin Übereinstimmung ist, Schönheit der Gestalten, Wahrheit der Bewegung u. Vollendung in der Ausführung; für das Relief gewann er wieder das griechische Gesetz der flachen Umgrenzung bei möglich flach gehaltener Modellirung. In Marmor selbst hat er nur wenig ausgeführt u. zuletzt selbst die Modelle, bei allzugroßer Überhäufung mit Bestellungen, durch Schüler unter seiner Aufsicht machen lassen. Rein poetischen Gegenständen od. solchen, welche der Mythologie, der Natur u. alten Geschichte entnommen sind, war er am meisten gewachsen; für die christlichen Darstellungen fehlte ihm die dafür unerläßliche Wärme u. Hingebung, wiewohl auch an dieser Stelle nichts Unwürdiges od. Unbedeutendes aus seiner Hand gekommen ist. Ganz durchdrungen von den Anforderungen des monumentalen Styls wußte er herrliche Denkmale zu entwerfen, entging indeß doch nicht bei allen den entgegenstehenden Schwierigkeiten. Werke: Darstellungen aus dem Leben u. der Geschichte: Der Hirtenknabe, bei von Krauße auf Weißdruff bei Dresden u. an fünf andern Orten; Der Alexanderzug, zu Ehren Napoleons für ein Zimmer des Quirinals in Rom entworfen, für die Villa Sommariva am Comer See in Marmor ausgeführt. Mythologische u. poetische Darstellungen: Mercurius, für den Herzog von Augustenburg (mehrmals wiederholt); Ganymed mit dem Adler, für Lord Gower; Amor in vielen Lagen u. Handlungen (der triumphirende bei Fürst Esterhazy): Venus mit dem Apfel der Eris, für Lord Lucan: Adonis, für den König von Baiern: die Grazien, für den Herzog von Augustenburg; Reliefs-Anakreon, für Graf Schönborn auf Reichartshausen; Tag u. Nacht, für Fürst Metternich u. sonst sehr oft; Venus mit dem durch eine Biene verwundeten Amor; die Alter der Liebe; Darstellungen aus Homers Ilias etc. Christlich-religiöse Darstellungen: der Taufstein für die Kirche zu Miklabye auf Island; Die Predigt des Johannes, Fronton der Metropolitankirche zu Kopenhagen (ganze Figuren); Christus, Kolossalstatue in der Schloßkapelle zu Kopenhagen; dazu die 12 Apostel. Bildnisse u. Bildnißstatuen: Kaiser Alexander von Rußland; Gräfin Ostermann; Prinzessin Amalie von Dänemark; Denkmal des Copernicus zu Warschau; Grabdenkmal des Grafen Potocki in Krakau, des Herzogs Eugen von Leuchtenberg in München, des Papstes Pius VII. in Rom; die Reiterstatue des Fürsten Poniatowsky für Warschau bestimmt (aber seit der letzten Revolution entfernt), des Kurfürsten Maximilian I. in München, Schillers in Stuttgart u. Gutenbergs in Mainz, Konradins von Schwaben in Neapel (erst nach T-s Tode von P. Schöpf ausgeführt) etc. Ganz bes. groß zeigte sich T. in Restauration von antiken Statuen, so der Ägineten in München, des Alexander, der Musen, der Elpis u. v. a. Sein letztes Werk, an welchem er noch wenige Stunden vor seinem Tode arbeitete, war das Bildniß Luthers. Vgl. I. M. Thiele, Leben u. Werke T-s, Lpz. 1832 ff., 2 Bde.; Derselbe, Om Bert. T., Kopenh. 1849; Derselbe, B. T. og hans värcker, ebd. 1848–52, 4 Bde. (deutsch von Hillerup als T-s Arbeiten u. Lebensverhältnisse, Kopenh. 1848–52); Derselbe, T-s ungdomshistorie, ebd. 1851 (deutsch von Wachenhusen, Berl. 1851); Derselbe, T. i Rom, ebd. 1852; L. Müller, Das Thorwaldsenmuseum, Kopenh. 1849–51,8 Thle., Kupferwerk dazu von H. P. Holst, Musée Thorwaldsen, 1851.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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