Schacht [1]


Schacht [1]

Schacht, 1) Raum, welcher sich in die Tiefe ausdehnt, eine Grube; 2) Grube, welche man von der Oberfläche der Erde aus in die Tiefe macht, um zu den Erzgängen zu gelangen. Die S-e sind entweder senkrecht (saiger), od. etwas schräg (donlegig);[48] die horizontalen od. nur wenig Fall habenden Gruben heißen Stollen. Gewöhnlich hat der S. einen länglich viereckigen Querschnitt, dessen lange Seiten der lange Stoß, die kurzen Seiten der kurze Stoß heißen, u. die Stöße nach der Seite, wohin sie gebohrt sind, Abend-, Morgen-, Mitternacht- u. Mittagstoß; der Stoß, in dessen Nähe die Leitern (Fahrten) angebracht sind, heißt Fahrtstoß. Der S. kann eine verschiedene Bestimmung haben, u. demnach unterscheidet man Fahr- od. Anfahrschacht, zum Ein- od. Ausfahren der Bergleute auf den eingebauten Fahrten; Förderschacht (s. Fördern); Kunstschacht, welcher die Wasserkunst enthält; Wetterschacht, neben dem Fahrschacht, nur durch eine Breterwand von diesem getrennt, um den Wetterwechsel zu befördern; Lichtschacht, ein Lichtloch, welches senkrecht auf einen Stollen niedergetrieben wird, zum Theil auch den Wetterwechsel befördern soll od. zur Förderung verwendet wird. Gesenke sind S-e von wenig Lachtern Teufe, welche in Steinkohlenbergwerken zur Verbindung nahe über einander liegender Flötze dienen. Man macht die S-e nach dem verschiedenen Erforderniß 1–4 Lachter lang u. 1/2–11/2 Lachter breit. Das Fördern geschieht meist mit dem Berghaspel (Hornhaspel), um dessen Welle (Rundbaum) ein Seil geht, an dessen einem Ende der volle, an dem andern der leere Kübel befestigt ist. An der Öffnung unter dem Haspel wird ein Absatz (Brust) angebracht, welcher verhindert, daß der Haspel in den S. fällt, wenn die Zapfen der selben zerbrechen sollten. Auf der tiefsten Stelle jedes Schachtabsatzes (Grundsohle) aber wird meist ein breternes Schirmdach (Schuß- od. Schoßbühne, Bühne) auf in Löchern (Bühnenlöchern) eingelassenen Hölzern errichtet, damit die Arbeiter durch das, was etwa in einen S. fällt, nicht beschädigt werden. Wenn der S. sehr tief ist, so werden verschiedene Absätze (Bühnen, Ruhebühnen) an der Seite angebracht, um die Leitern darauf zu setzen. Wo der S. nicht durch festes Gestein getrieben ist u. man also fürchten muß, daß das Gestein nachstürze u. den Arbeiter verletze, od. gar verschütte, findet eine Auszimmerung (Verzimmerung, Schachtverzimmerung) Statt, wo die ganzen Seitenflächen des S-s mit Holz (Schachtholz) belegt werden; dies geschieht meist mittelst Schachtgevieren (Gevieren, Rahmen), Vierecken von Holz, welche sich von den Thürgerüsten nur dadurch unterscheiden, daß sie horizontal liegen, während diese stehen. Wenn ihre Enden nicht auf einander treffen, sondern bis 12 Zoll über die Zusammenfügung hervorstehen, heißen sie Flügelrahmen. Solche bilden stets den Eingang des S-s; aller 3 Fuß wird dann ein neues Schachtgeviere gesetzt u. hinter dasselbe, nachdem in die Ecken des S-s Stempel u. Klötze (Schachtstempel, Stempel, Stufen, Bolzen, Spannlatten), auf denen die Geviere ruhen, eingesetzt sind (S. auf Bolzen setzen), die Schwartenpfähle (Schwartenhölzer), gewöhnlich Bohlen, wie bei den vorigen, eingetrieben. Eine weit schnellere Verkleidung gewährt die Verkleidung mit Pfostengevieren (holländische Rahmen), 8 Zoll breiten u. 2–21/2 Zoll dicken Pfosten, deren Länge von der Tiefe des abzuteufenden S-s abhängt. Ist dieser nicht gleichseitig, so heißen die längern Steifen Joche, die kürzern Kappen. Mit ihnen werden die kurzen Stöße der Verzimmerung (Heidhölzer) verbunden. Die verlorenen Geviere (Zwischenrahmen) sind schwächer als die vorigen u. werden in schlechtem Boden nur zur einstweiligen Unterstützung eingesetzt. Wenn man einen S. von sehr lockerem Gestein mit lauter Schachtgevieren auszimmert, so daß ein Geviere auf das andere zu liegen kommt, so heißt dieses: den S. mit ganzem Schrot aus zimmern; hingegen ein Bau mit 3 Fuß aus einander stehenden Schachtgevieren heißt Bolzenschrot. In rolligen Gebirgen treibt man Dammplanken, 3–4 Zoll dicke, 8–10 Zoll breite u. 3–4 Fuß lange eichene Pfähle horizontal ein. Das Herabsinken der Schachtgeviere zu 3 Fuß Spannung hindern zwischen je zwei gebrachte Bolzen. Schadhafte Verzimmerung bessert man durch dieselbe unterstützende Hölzer (Wandruthen) aus, zwischen deren Ruthen Einstreichbohlen eingeschoben werden. Wenn die Auszimmerung verfault u. zerbricht u. die Erde nachschießt, sagt man der S. geht zum Bruch. Über der Öffnung des S-s wird eine leichte Bedachung (Berghütte) angebracht. 3) so v.w. Minenbrunnen, s.u. Mine B); 4) ein mit Holz bestandenes Stück Land; 5) Körper welcher beinahe eben so breit als lang, aber im Verhältniß sehr dünn ist; 6) so v.w. Schachtmaß; 7) Durchfahrt durch einen Deich.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Schacht — steht für: Schacht (Bergbau), senkrechter Grubenbau Brunnenschacht, die Röhre eines Brunnens Aufzugsschacht Schacht (Haustechnik), Raum für Rohrsysteme und Leitungen Kontrollschacht, Kanalschacht, die Zugangsöffnung mit dem Kanaldeckel… …   Deutsch Wikipedia

  • Schacht [2] — Schacht, bergmännischer Bau von regelmäßigem Querschnitt, dessen Haupterstreckung in die Tiefe gerichtet ist. Schächte sind in ebener Gegend unentbehrlich zur Aufschließung von Lagerstätten, deren Ausgehendes von Gebirge überdeckt ist. Dort, wo… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Schacht — is a German word meaning mine shaft and may refer to: * Schacht Audorf, a municipality in Schleswig Holstein, GermanySchacht is the surname of: * Chris Schacht, Australian politician (born 1946) * Henry Schacht, American businessman * Hjalmar… …   Wikipedia

  • SCHACHT (H.) — SCHACHT HJALMAR (1877 1970) Fils d’un gros négociant allemand, Hjalmar Schacht passe une partie de sa jeunesse avec son père aux États Unis. En 1903, il entre à la Dresdner Bank, dont il sera l’administrateur de 1908 à 1915. Au cours de la… …   Encyclopédie Universelle

  • Schacht — Schacht: Als bergmännische Bezeichnung der senkrechten Grube (Ggs.: Stollen) erscheint im 13. Jh. ostmitteld. schaht, ursprünglich wohl ein niederd. Wort des Harzer Bergbaus. Mit dem Blick auf engl. shaft, niederl. schacht »Schaft; Bergschacht«… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schacht [2] — Schacht, Theodor, geb. 1786 in Braunschweig, ging als Lehrer in Pestalozzis Anstalt zu Ifferten, machte 1813 als Freiwilliger den Feldzug gegen Frankreich mit, war dann Lehrer an Fellenbergs Institut in Hofwyl u. wurde 1817 Professor der… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schacht [1] — Schacht, im Bergbau ein senkrecht oder schräg abwärts von der Erdoberfläche in das Innere des Gebirges niedergehender Grubenbau; s. Bergbau (Aufschließung), S. 664. In der Nadelfabrikation soviel wie Schaft, s. Nadeln, S. 371. Vgl. Schachtofen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schacht [2] — Schacht, Hermann, Botaniker, geb. 15. Juli 1814 in Ochsenwärder, gest. 20. Aug. 1864 in Bonn, studierte in Jena, war Schleidens Assistent bis 1851, dann Privatdozent in Berlin und wurde 1860 Professor in Bonn. Er schrieb: »Das Mikroskop und seine …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schacht [1] — Schacht, 1. bei Oefen (Schachtöfen), s. Oefen für technische Zwecke (Bd. 6, S. 743); 2. s.v.w. Nadelschacht, s. Nadelherstellung (Bd. 6, S. 555) …   Lexikon der gesamten Technik

  • Schacht — Schacht, lotrecht (seiger) oder mit bedeutender Neigung (tonnlägig) in die Tiefe (Teufe) bergmännisch geführter Grubenbau, der über Tage durch das Schachthaus [Tafel: Bergbau II, 1] überbaut ist. Blinder S., ein nicht zu Tage führender S …   Kleines Konversations-Lexikon


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