Agīna


Agīna

Agīna, 1) (a. Geogr.), rauhe, felsige, von Klippen umgebene Insel im Saronischen Meer (welches daher auch Äginetischer Meerbusen hieß), zwischen Attika u. Argolis; 2) Stadt daselbst, eine der 12 Städte Achaias, fest u. reich an Kunstwerken (s. Äginetische Kunst); mit dem Äakeion, einem großen Bau von weißem Marmor, wo dem Äakos zu Ehren Spiele (Äakeia) gefeiert wurden; ferner mit dem Grabmal des Phokos u. vielen Tempeln, u. a. des Zeus (Ruinen auf dem Eliasberg) u. der Athene auf einem anderen Hügel im nördlichen Theil der Stadt, wovon noch viele Ruinen (s. Äginetische Kunst); 3) (n. Geogr., türk. Egina od. Engia), Sporadeninsel, zum griechischen Gouvernement Attika gehörig, im Meerbusen von Engia; ist das alte Ä., die jetzige Stadt Engia, liegt 11/2 Meile landeinwärts; griechischer Bischof, Handel mit rothen Rebhühnern u. Tauben, Waisenhaus, Bibliothek, Museum; ist bergig (Eliasberg), hat mit Ankistrion 20 QM. u. 10,000 Ew.; einst Zufluchtsort der vertriebenen Ipsarioten; 4) (Gesch.). Ursprünglich hieß die Insel Önonen. Önopia, u. erhielt den Namen Ä. von Ägina, Tochter des Asopos, welche Jupiter in Adlergestalt hierher entführte u. welche hier den Äakos gebar, der über die Myrmidonen regierte. Dann folgten Dorer unter Triakon. Unter dem Tyrannen Profles wurden die Bewohner der Insel, Ägineten, durch Handel u. Schifffahrt immer mächtiger, u. machten sich 540 v. Chr. von dem Mutterlande Epidauros völlig los, legten Colonien (u. a. Kydonia auf Kreta) an u. schlossen ein Bündniß mit Argos. Wegen ihrer Seemacht wurden sie bald Rivalen von Athen. Im 1. Perserkriege focht die äginetische Flotte bei Salamis unter den Griechen u. trug das Meiste zum Siege bei. Nach den Perserkriegen brach ein Krieg mit Athen aus, u. 456 v. Chr. ward die äginetische Flotte von der athenischen geschlagen, die Mauern von Ä. wurden niedergerissen u. Ä. zinsbar gemacht, 428 aber die Einwohner ganz vertrieben, u. die lakedämonische Stadt Thyrea, wo sich dieselben meist angesiedelt hatten, von den Athenern zerstört. Lysander führte die Reste der Colonisten nach Ä. zurück, wo sie bald wieder mit den Athenern anbanden u. ihnen viel Schaden thaten; Chabrias verlockte sie aber zur Landschlacht u. schlug sie. Später kam Ä. unter die Herrschaft des Kassander u. Demetrios, trat 200 v. Chr. zum Achäischen Bund, ward dann den Ätolern überwiesen, an Attalos König von Pergamos um 30 Talente abgetreten, kam mit Pergamos an Rom, ward von Antonius an Athen geschenkt, regierte sich aber unter den Kaisern meist selbst. Bei der Theilung des[186] römischen Reichs kam es an das griechische Kaiserthum, u. als die Lateiner zu Anfang des 1 3. Jahrhunderts dieses eroberten, an Galeatto Malatesta, Schwiegersohn des Herzogs von Theben, später aber an die Venetianer. Heyreddin Barbarossa, der Corsar, bemächtigte sich 1577 der Insel; 1664 eroberten es die Venetianer unter dem Proveditore Franz Morosini wieder u. schleiften die Werke; 1711 eroberten sie die Türken, u. sie blieb in deren Händen, bis 1820 sich die Griechen wieder erhoben u. die Türken vertrieben. Sie bildete nun eine Zeitlang mit Ankistrion eine Eparchie des griechischen Nomos Attika-Böotien, seit 1836 Eparchie des Gouvernements Attika. O. Müller, Aeginetica, Berl. 1817.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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