Eques [1]


Eques [1]

Eques (lat., Mehrzahl Equĭtes). 1) Reiter, Soldat zu Pferd, Ritter; 2) (röm. Ant.), A) von Romulus bis zur Zeit der Gracchen die Cavallerie des römischen Heeres. Diese Truppe hatte Romulus unter dem Namen Celeres (s.d.) gebildet, indem er aus den 3 ersten Tribus (Ramnes, Tities, Luceres), je 100 Mann wählte, so daß auf jede Centurie 19 kamen; sie waren getheilt in 10 Turmen u. 30 Decurien; der Commandant der ganzen Schaar war der Tribunus celerum. Zu diesen 300 fügte Tullus Hostilius, nach der Übersiedelung der Albaner nach Rom, andere 300, ließ aber die Anzahl der Centurien u. unterschied die Equites nur als E. priores u. posteriores in jeder Centurie. Gleiches that Tarquinius Priscus, so daß nun 1200 E. waren. Servius Tullius vermehrte die Zahl der E. abermals u. zugleich die Zahl der Centurien; er machte nämlich aus den 1200 alten E. 6 Centurien u. fügte 2400 neue E. in 12 neuen Centurien bei, so daß nun 3600 E. in 18 Centurien waren. Um unter den E. dienen zu können, mußte ein römischer Bürger einen höheren Census als die der ersten Klasse haben; doch erhielt der E. aus der Staatskasse eine Geldsumme zur Anschaffung (Aes equestre)[809] u. eine andere zur Erhaltung des Pferdes (Aes hordearium); sein Pferd hies Equus publicus. Wenn der E. freiwillig austrat od. wegen eines Vergehens ausgestoßen wurde, so mußte er das Pferd abgeben od. das Aes equestre erstatten; hatte er aber seine Dienstzeit ausgedient, so blieb ihm das Pferd, selbst wenn er in den Senat trat. Als E. stimmte er auch bes. in den 18 Rittercenturien, u. dies Stimmrecht ging erst zu Ciceros Zeit verloren, wenn ein E. in den Senat trat, wo er auch das Pferd abgeben mußte. Gemustert wurden sie bei dem allgemeinen Census (Recognitio) alle 5 Jahre; dabei ritten sie an den Censoren vorüber (Transvectio equitum), u. Makellose zogen unangehalten davon mit der Aufforderung: Traduc equum! (führ das Pferd vorüber!); zu wem aber die Censoren sagten: Vende equum! (verkauf dein Pferd!), das war ein Zeichen, daß er aus der Reihe der Ritter gestoßen war. Außerdem hielten die E. noch alle Jahre an den Iden des Julius einen feierlichen Aufzug (Transvectio), mit Ölzweigen bekränzt u. in der Trabea, von dem Tempel des Mars od. des Honos über den Markt nach dem Capitolium. Neben dieser alten Cavallerie gab es seit 403 v. Chr. noch eine freiwillige berittene Schaar, welche ihre eigenen Pferde hielt, aber weder den Rang noch den Vorzug der Staatsreiter hatte. B) Unter den Gracchen wurden die E. (Ritter) ein besonderer Stand (Ordo equester) mit besonderen politischen Rechten, welcher zwischen dem Senat u. der Plebs ein Mittelglied bildete. Dieser Stand wurde 123 v. Chr. durch die Lex judiciaria geschaffen; in derselben war verordnet, daß alle, welche den Rittercensus von 400,000 Sestertien u. ein bestimmtes Lebensalter hatten, die Fähigkeit zur Bekleidung von Richterstellen haben sollten. Ihre Auszeichnung war die Trabea, ein purpurgestreifter Umwurf bei Festlichkeiten; der Clavus angustus an der Tunica; der Annulus aureus; ein besonderer Platz im Theater (s. Quatuordecim sedes). Bald zählten sich alle, welche diesen Census hatten, zu dem Ritterstande, deren vornehmste die Publicani (s.d.), als die Reichsten, waren. Dadurch aber entspann sich zwischen ihnen u. dem Senat ein Kampf, welcher erst durch Augustus geschlichtet wurde; dieser erkannte zwar die E. als Stand an, sprach auch die Erblichkeit desselben aus, entkleidete sie aber aller Auszeichnungen u. Vorrechte. Um sie aber als Stand zu heben, machte er eine Abstufung unter ihnen, indem er diejenigen, welche den Senatorencensus hatten, Equites illustres nannte. Ihre Bedeutung als Truppe hatten die E. schon seit dem zweiten Punischen Kriege verloren, indem von da an die meisten Kriege auswärts geführt wurden u. die Römer dazu Reiter von den Bundesgenossen requirirten. Die titulirten E. waren reiche Leute, die als Offiziere in der Reiterei dienten u. aus denen die Kaiser ihre Räthe, höheren Beamteten, Statthalter etc. wählten. Sie theilten sich in der Kaiserzeit, da mit dem Aufhören der Comitien auch die Centurien aufgehört hatten Bedeutung zu haben, in 6 Turmen, standen unter Seviri u. dem Princeps juventutis u. traten auch noch zuweilen zur Begehung alter ritterlicher Sacra zusammen, zu der nun bedeutungslosen u. alle Jahre gehaltenen Recognitio, auch an Geburtstagen der Kaiser u. bei anderen Gelegenheiten. C) Als unter Constantin dem Großen die Residenz von Rom nach Byzanz verlegt wurde, wurden die E. eine städtische Corporation, welche zwischen Senat u. Zünften innestand, hatten auch noch einige Privilegien u. wurden von den Kaisern begünstigt; endlich aber hörte dieses Institut ganz auf.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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