Guido


Guido

Guido (spr. Gido), italienischer Mannesname, entsprechend dem französischen Guy u. dem deutschen Wido; ihn führen mehrere Grafen von. Anvergne, Blois, Boulogne, Dauphiné, Laval, Lyon u. Forez, Maçon, Penthièvre, St. Paul, Ponthieu, Rethel etc., s. die Geschichte dieser Länder; außerdem sind zu bemerken: I. Fürsten: A) Könige: a) von Armenien: 1) G. von Lusignan, Sohn Amalrichs von Tyrus, war früher Statthalter von Achaia, kam 1310 als Geisel nach Armenien u. wurde 1343 König von Armenien, s.d. (Gesch.) II. B) c). b) König u. Kaiser von Italien: 2) so v.w. Guido 9); c) von Jerusalem: 3) G. von Lusignan, heirathete Sibylle, Tochter des Königs Amalrich von Jerusalem, erhielt von seinem Schwager Balduin IV.,[761] König von Jerusalem, 1182 das Commando über die Armee, verlor dasselbe aber wegen seiner Unfähigkeit bald wieder; nach Balduins V. Tode 1186 wurde G. selbst König von Jerusalem u. regierte bis 1192, wo er das Königreich Jerusalem an König Richard Löwenherz abtrat u. dafür König von Cypern wurde; er st. 1194, s. Jerusalem. B) Andere Fürsten: a) Graf von Flandern: 3) G., Sohn Wilhelms von Dampierre u. Margarethens von Flandern, geb. 1225, wurde 1251 Mitregent seiner Mutter in Flandern u. folgte derselben 1280; er gerieth 1300 in französische Gefangenschaft, wurde 1303 von dem König Philipp nach Flandern geschickt, um einen Vergleich zwischen Flandern u. Frankreich zu Stande zu bringen, u. kehrte, als ihm dies nicht gelang, in seinen Kerker nach Compiegne zurück, wo er 7. März 1305 starb, s. Flandern (Gesch). b) Grafen u. Markgrafen von Guastalla: 4) G. Torelli der Große, angeblich aus sächsischem Königsgeschlecht, diente Anfangs unter Carmagnole, wurde 1406 erster Graf von Guastalla (s.d.), 1431 Markgraf u. st. 1449. 5) G. Galeotto, Sohn von Peter Guido, folgte 1460 seinem Vater mit seinem Bruder Franz Maria unter der Vormundschaft seiner Mutter Magdalena von Coretto, regierte seit 1474 selbst u. starb nach 1495. c) Podesta von Mantua: 6) G. von Gonzaga, zweiter Sohn Ludwigs I., folgte seinem Vater 1360 in der Herrschaft über Mantua u. st. 1369, s. Mantua (Gesch.). d) Herzöge von Spoleto: 7) G. I., nach Ein. ein Italiener, nach And. ein Deutscher von Geburt, wurde 838 als Herzog vom Kaiser eingesetzt u. st. 666, s. Spoleto (Gesch.). 8) G. II., Enkel des Vor. u. Sohn Lamberts I., folgte 879 od. 880 seinem Vater u. st. in demselben Jahr. 9) G. III., zweiter Sohn G. I, Herzog von Camerino, folgte seinem Neffen G. II. als Herzog von Spoleto, wurde 889 in Pavia zum König von Italien ernannt u. 891 als Kaisergekrönt; er st. 894; er war vermählt mit Agiltrude, Tochter des Fürsten Adelgis von Benevent. e) Markgraf von Toscana: 10) G., Sohn Adalberts II., folgte seinem Vater 917–929 in Toscana, während sein zweiter Bruder Lambert Spoleto erhielt; er war verheirathet mit der berüchtigten Marozia, s. Toscana (Gesch.). f) Grafen u. Herzöge von Urbino: 11) G. I. von Montefeltro, genannt der Alte, Condottiere unter Malatesta u. Rimini, wurde 1288 General der Pisaner gegen die Florentiner u. 1291–95 Podesta von Pisa, er besaß Urbino als Grafschaft, wozu er noch Pesaro u.a. O. fügte; 1296 ging er ins Kloster u. st. 1298. 12) G. II., Sohn Friedrichs, folgte seinem Großvater Nolfo I. u. st. jung. 13) G. Antonio, Sohn Antonios von Montefeltro, folgte diesem 1404 in Urbino, wurde 1409 (1411) vom König Ladislaus von Neapel zum Connetabel des Reiches ernannt, 1418 vom Papst Martin V. zum Herzog von Spoleto gewählt u. st. 1442 in Urbino. 14) G. Ubaldo I., Sohn des ersten Herzogs Friedrich, geb. 1472, folgte seinem Vater 1482 als Herzog u. st. 1508; er war vermählt mit Isabella von Gonzaga, hatte aber keine Kinder. 15) G. Ubaldo II., Sohn Franz Maria's, geb. 1514, folgte 1538 seinem Vater u. st. 1574; er war vermählt erst mit Julia von Camerino, dann mit Victoria Farnese, Tochter des Herzogs Peter Ludwig von Parma.

II. Feldherren: 16) G. Novello, Haupt der Ghibellinen in Florenz im 13. Jahrh., regierte Toscana im Namen Manfreds u. floh nach der Schlacht von Grandella aus Florenz. 17) G. Guerra, Guelfenhäuptling in Florenz im 13. Jahrh.; wurde 1260 von den Sienensern geschlagen u. hatte 1266 Antheil an dem Siege Karls von Anjou in der Ebene von Grandella.

III. Geistliche, Gelehrte u. Künstler: 18) G. von Ravenna, Geistlicher um 750; schr. eine Geschichte der Päpste, Geschichte der Gothen, eine Beschreibung der italienischen Städte, auch legte man ihm die Kosmographie bei, welche gewöhnlich als Werk des Geographus Ravennas bezeichnet wird; sie enthält eine Beschreibung der damals bekannten Erde, zuerst herausgegeben als Anonymi Ravennatis de geographia libri V, von Placidus Porcheron, Paris 1688, auch bei Gronovs Pomp Mela. 19) G. Aretinus od. G. von Arezzo, Benedictiner, geb. um 1000 zu Arezzo in Toscana, ertheilte im Kloster zu Pomposa bei Ferrara musikalischen Unterricht, lebte unter Johann XIX. eine Zeitlang am päpstlichen Hofe in Rom, kehrte dann wieder nach Pomposa zurück u. st. angeblich 1050. Er ist Verbesserer des Kirchengesanges u. der Musik überhaupt, Erfinder der Notenschlüssel u. der Erste, welcher die Noten zwischen die Linien setzte; s. Solmisation. Er schr.: Micrologus Guidonis de disciplina artis musicae, herausgeg. von Gerbert in Scriptores de musica sacra, 1784. 20) G., um 1176 Stifter der Hospitalbrüder vom Heiligen Geiste in Montpellier. 21) G. von Joinville, zu Ende des 13. Jahrh. Stifter von Hospitalitern in Boucheraumont u. Paris. 22) G. da Siena, aus Siena, Maler des 13. Jahrh., einer der namhaftesten Meister unter den alten italienischen Malern. 23) G. Guidi (Vidus Vidius), geb. in Florenz, war Professor der Medicin in Paris u. seit 1547 in Pisa, wo er 1569 starb; er schr.: De chirurgia, Übersetzung Hippokratischer u. Galenscher Schriften mit Commentarien, Par. 1544, Fol.; De febribus, Flor. 1585; De anatome, Vened. 1611, Fol.; Ars medicinalis, ebd. 1611 u.ö., 3 Bde.; Opera chirurg. et anat., Frkf. 1677; die letzten gab G. Guidi, sein Neffe u. nach ihm Professor der Medicin in Pisa, heraus. 24) G. (Wido) de Bres, geb. um 1540 zu Mons im Hennegau, lernte die Glasmalerei, mußte wegen seiner Hinneigung zum Protestantismus sein Vaterland verlassen u. ging nach London; hier bildete er sich in der wallonischen Fremdengemeinde zum Geistlichen u. kehrte dann als Prediger des Evangeliums nach seiner Heimath zurück; er ließ sich 1563 in Lille nieder, floh 1566 nach Genf, studirte dann in Lausanne u. Genf die klassischen Sprachen, kehrte als eifriger Calvinist nach Belgien zurück u. wirkte hier u. in Nordfrankreich für die Evangelisation; nach der Eroberung von Valenciennes auf der Flucht gefangen, wurde er 1567 hingerichtet. Er ist Verfasser der Belgischen Confession von 1562. 25) G. Reni, s. Reni.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.