Auvergne [1]


Auvergne [1]

Auvergne (spr. Owernje), 1) sonst Provinz u. Gouvernement in Frankreich, um den Puy de Dôme u. Cantal, mit mehr als 50 erloschenen Vulcanen, daher in geognostischer Hinsicht höchst merkwürdig; durch den Rue in Ober- u. Nieder-A. (Limagne) abgetheilt; auch rechnet man das Pays de Combrailles hierher. Hauptstadt von Ober-A. war Clermont, von Unter-A. St. Flour; grenzte im N. an Bourbonnais, im O. an Forez u. Velay, im W. an Limousin, Quercy u. la Marche, im S. an Rovergue u. die Cevennen. Jetzt bildet es die Departements Cantal u. Puy de Dome u. das Arrondissement Brioude in der Ober-Loire. Das Klima ist sehr rauh, der Boden sehr bergig. Die Einw. (Auvergnaten) wandern häufig in die flachern Gegenden, als Erntegehülfen u. zu andern landwirthschaftlichen Arbeiten aus, od. fertigen Baumpfähle u. andere Holzarbeiten. Viele sind auch Kupferschmiede od. treiben andere Fabrikarbeiten; 2) (Gesch.). Die A. ist das alte Land der Arverner u. hat den Namen von denselben. Die Römer erwähnen mehrere Könige derselben, so Ambigatus, Luerius, Bituitus; Letzteren schlug Fabius Maximus u. führte ihn zu Rom im Triumph auf. Hier auf waren die Arverner Bundesgenossen der Römer; Vercingetorix zog 52 v. Chr. bei der all gemeinen Erhebung der Gallier mit 400,000 Mann gegen Cäsar u. nöthigte denselben, die Belagerung von Gergovia aufzuheben; später aber in Alesia eingeschlossen, mußte er sich ergeben, ward zu Rom im Triumph aufgeführt u. hingerichtet. Das Arvernerland wurde nun römische Provinz u. gehörte zu Aquitania. Als die Römer Gallien verließen, nahmen die Westgothen, um 475, A. in Besitz, wurden aber 507 von den Franken unter Chlodwig daraus vertrieben. Die A. blieb nun unter den verschiedenen Theilungen immer bei Aquitanien, auch unter den Herzögen von Aquitanien. Unter Waiser wurde Blandin 760 als Graf von A. eingesetzt; dieser blieb 763 gegen die Franken u. die A. kam wieder an die Franken, welche ebenfalls Grafen einsetzten; diese waren: Chilping (Hilping) bis 774, Bertmond 774, Itier 778, Warin 819, Gerard 819, Wilhelm I. 841, Bernard I. 846, Wilhelm II. 858, Stephan 862, Bernard II. 864. Dieser empörte sich gegen Karl d. Kahlen; indeß mit Ludwig dem Stammler ausgesöhnt, erwarb er dessen Vertrauen, leistete ihm u. nach seinem Tode dessen unmündigem Sohne gute Dienste gegen Lothar, u. fiel 886 in einer Schlacht gegen König Boso von Burgund. Ihm folgte als erster erblicher Graf von A. u. seit 892 Herzog von Aquitanien sein Sohn Wilhelm (III.) I. der Fromme; diesem folgten seine Neffen, Söhne seiner Schwester Adelinde u. des Grafen Alfred von Carcassonne: Wilhelm (IV.) II. d. Jüngere 918–926 u. Alfred 926–928. Nach dessen Tode wurde A. u. Aquitanien an Ebles, Grafen von Poitiers, gegeben. Nach dem Tode des Grafen Wilhelm I. von Poitiers bemächtigte sich 963 Wilhelm III., Graf von Toulouse, der A.; diese war damals sehr groß u. umfaßte außer Clermont, Lyon, Antun, Nevers, auch Moulin. Seine Nachfolger waren Gui I. bis 980, dessen Bruder Wilhelm IV. bis 1016, dessen Sohn Robert I. bis 1032, Wilhelm V. bis 1060, Robert II. bis 1096, Wilhelm VI. bis 1136, Robert III.; dessen Sohn Wilhelm VII. der Jüngere od. der Große, nahm den Titel als Dauphin von A. an, wurde aber 1155 von seinem Oheim Wilhelm VIII. d. Älteren, des größten Theils seiner Länder beraubt, so daß ihm nur ein Stück von der A. u. der Grafschaft Velai blieb. Von nun war die A. getheilt: a) die Dauphins von A. sind nach Wilhelm VII.: dessen Sohn Robert, zugleich Grasp. Clermont, seit 1169 Wilhelm, seit 1234 auch Graf von Montferrand, da er von seiner Mutter die Grafschaft Montferrand erbte, die jedoch durch seine jüngere Tochter wieder an die Herren von Beaujeu kam; Robert II., seit 1240; Robert III. 1262; Robert IV. 1282; Johann, gen. Dauphinet, 1324; Berald I. 1351, Berald II., genannt Graf Camus, 1356; Berald III., auch Graf von Sancerre, was er von seiner Mutter geerbt hatte, seit 1400. Mit dessen Tode 1.126 ging das Dauphinat auf seine einzige Tochter Johanna über, welche Ludwig I. von Bourbon, Grafen von Montpensier, heirathete u. demselben bei ihrem Tode 1436 das Dauphinat hinterließ; diesem folgt. 1186 sein Sohn Gilbert, 1496 Ludwig II., 1501 dessen Bruder Karl, welcher nach dem Tode seines Schwiegervaters des Herzogs Peter II. von Bourbon, den Titel als Herzog von Bourbon annahm; dieser st. 1527 u. nach langem Streit mit der Krone kam das Dauphinat an Louis von Bourbon, der es 1582 an seinen Sohn Franz von Bourbon vererbte; diesem folgte 1502 sein Sohn Heinrich von Bourbon; diesen beerbte 1608 seine einzige Tochter, Maria von Bourbon, vermählt mit dem Herzog Gaston Jean Baptiste von Orleans, u. dieser folgte 1627 ihre Tochter Anna Maria Luise von Bourbon, nach deren Tode 1693 ihre Güter an die Krone kamen. b) Die Grafen von A. waren: nach Wilhelm VIII. seit 1182 dessen Sohn Robert IV., 1194 Wilhelm IX., 1195 dessen Bruder Guido II.; dieser wurde, als er sich 1197 zur Partei der Engländer schlug, 1108 vom König Philipp August der A. beraubt, zwar[92] setzte ihn der König bald wieder ein, allein die fortwährenden Fehden Guido's mit seinem Bruder Robert, Bischof von Clermont, den er zweimal gefangen nahm, verwickelten ihn in eine neue Fehde mit Philipp August, die 1209 mit Guido's gänzlicher Besiegung u. Einziehung der Grafschaft als Lehn endete. Der König gab nun das Lehn an Guido von Dampierre, aber schon mit dem Tode von dessen Sohn Archimbald, fiel A. 1225 an die Krone zurück. Von jetzt gab es 2 Grafschaften A.: aa) Auf Guido II folgte Wilhelm X., welchem König Ludwig IX. 1224 einen Theil der Grafschaft (Vic-le-Comte u. die Kastelaneien von Mirefleurs, Clavières, Montredon, Artonne, Lezeux etc.) wiedergegeben hatte; sein Sohn Robert V., seit 1247, erhielt 1260 durch Erbschaft die Grafschaft Boulogne; ihm folgte in A. u. Boulogne: 1277 Wilhelm XI., 1279 dessen Bruder Robert VI., 1314 Robert VII., um 1326 Wilhelm XII.; dessen Tochter Johanna, welche 1332 folgte, wurde nachher als Gemahlin des Herzogs Johann von Normandie, 1350 Königin von Frankreich; ihr folgte 1360 ihr Sohn Philipp, diesem 1361 Wilhelms XII. Bruder, Johann I., 1386 sein Sohn Johann II., 1394 seine Tochter Johanna II., vermählt mit dem Herzog Johann von Berry. Johanna gab die Grafschaft 1418 an ihre Cousine Marie, der Erbtochter Gottfrieds von Boulogne u. Enkelin Roberts VII.; diese, vermählt mit Bertrand von la Tour, ließ die Grafschaft 1437 ihrem Sohn Bertrand I., der zugleich Herr de la Tour war; 1461 folgte Bertrand II., 1494 Johann III., 1501 dessen Tochter Anna; diese vermachte 1524 die A. ihrer Nieçe Katharina von Medici, Gemahlin des Königs Heinrich. Diese gab die A. von 1589 an Karl von Valois, natürlichen Sohn Karls IX.; aber 1606 zog Margarethe von Valois, Schwester Heinrichs III., dieselbe an sich, diese gab sie dem Dauphin, welcher als König Ludwig XIII. sie mit der Krone vereinigte. bb) Den Haupttheil der Grafschaft, der 1225 an die Krone gefallen war (s. oben), gab Ludwig VIII. seinem 2. Sohne, Alfons von Poitou, zur Apanage; später erhielt Wilhelm de la Tour von Ludwig XI. die Anwartschaft darauf, doch fiel sie nach Alfons von Poitou Tode an Frankreich zurück. Johann, Herzog v. Berry, erhielt die A. 1360 von seinem Vater König Johann zur Apanage, u. nach dessen Tode 1416 ward sie von Karl VI. Maria von Berry bei ihrer Vermählung mit Johann von Bourbon als Apanage verwilligt, u. Ludwig XII. ließ 1505 die Grafschaft auch nach Erlöschen des männlichen Zweiges der Bourbons der Erbtochter des letzten, Peters II. (st. 1503), Susanna, Gemahlin Karls von Bourbon. Als diese starb, gab die Grafschaft A. Anlaß zum Streit zwischen Louise von Savoyen, Mutter des Königs Franz I., u. Karl von Bourbon, wegen dessen Letzter in die Dienste des Kaisers Karl V. trat. Alle seine Güter wurden eingezogen u. durch Vergleich fiel die Grafschaft A. an die Krone Frankreich, s. oben. 3) Gebirgszug in dieser Provinz, zu dem der Cantal, Puy de Dôme u. der Mont d'or gehören.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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