Oxford [1]


Oxford [1]

Oxford (spr. Oxförd), 1) die erste der mittlern Grafschaften von England, zwischen den Grafschaften Warwick, Northampton, Buckingham, Berks u. Gloucester; 31,5 QM.; wellenförmig hügelig (Chiltern Hills), wird bewässert von der Themse (Thames), welche bei der Stadt O. aus der Vereinigung von Isis u. Cherwell gebildet wird, u. voneinigen Kanälen (darunter der wichtigste der Oxford-Kanal), welcher bei der Stadt O. aus der Themse beginnend, mehre Binnenseen verbindet u. nach 20 Meilen in den Grand Trunk Kanal mündet; Producte: Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Hopfen, Flachs, Wild, Hausthiere (Rindvieh), Fische, Pfeifenerde, Mineralquellen; Holz fehlt fast ganz; Klima feucht u. kühl; 1851: 170,286 Ew.; Hauptbeschäftigung: Landwirthschaft, namentlich Viehzucht, Fischerei, Handel, Industrie in Wolle u. Leder. Vier Eisenbahnlinien, welche sich bei der Stadt O. vereinigen, durchschneiden die Grafschaft; 2) Hauptstadt darin an der Isis u. Cherwell, welche sich hier zur Themse vereinigen u. über welche hier die 500 Fuß lange steinerne Magdalenenbrücke führt. O. ist Sitz eines Bischofs, hat Kathedrale (Friedeswicker Kirche) u. viele andere bischöfliche Kirchen u. Kapellen, Bethäuser der Dissidenten (katholische, Baptisten- u. Methodistenkapelle); Stadtschule, mehre Bell-Lancastersche u. Armenschulen, Armenarbeitshaus, Armendispensatorium, Hospital, Stadtgefängniß, Grafschaftsgefängniß im sonstigen Schloß, Fabriken, Transitohandel, namentlich mit Kohlen u. Getreide; 1851: 27,943 Ew. Von O. aus gehen vier Eisenbahnen: nach Wallingford (resp. nach Bath u. London) nach Worcester, Birmingham u. Buckingham. Die Stadt O. sendet zwei Abgeordnete ins Parlament. Am berühmtesten ist O. als Universität (weshalb O. Athenae Anglorum heißt), sie ist dem Range nach die erste Universität von Großbritannien. Schon seit der sächsischen Zeit war O. Sitz gelehrter Männer u. einer gelehrten Schule, das erste völlige University-College wurde aber 1249 errichtet, später die andern Collegien u. Bursen eingerichtet u. die Universität mehr ausgebildet, endlich 1849 auch Lehrstühle für die neuere Geschichte u. für Rechtswissenschaften gestiftet. Gegenwärtig steht die Universität unter einem Kanzler (Chancellor), einem Oberstewart, vier Provicekanzlern u. hat 30 Professoren, 24 Vorsteher der Collegien, 542 Fellows u. etwa 5300 Studenten; sie hat 19 Colleges u. 5 Hallen. Das älteste University College ist von 1249, das jüngste das 1714 gestiftete Worcester College, da das 1740 gestiftete Hertfort College jetzt suspendirt ist; die bedeutendsten andern sind: St. Johns College, mit weitläufigen Gärten; Christ-Church College, das größte mit Bibliothek, Jesus College (1571 von der Königin Elisabeth gestiftet, das erste protestantische College), Queen's-, New- u. All-Soul's College, letzteres bes. für den hohen englischen Adel, mit gothischer Kapelle u. Bibliothek. Organisation u. innere Einrichtung der Universität s.u. Universitäten. Von andern Gebäuden zeichnen sich aus: die Universitätskirche zu Sta. Maria im Gothischen Styl; das große Auditorium (Theatrum Scheldonianum), welches 3000 Menschen faßt, zu Promotionen, Gedächtnißreden etc.; die öffentlichen Auditorien (The Schools), zu Disputationen, Prüfungen u. Promotionen, zu Vorlesungen aber fast gar nicht benutzt, mit Ausnahme des theologischen Auditoriums (welches getrennt, aber ganz in der Nähe liegt) sämmtlich in einem Gebäude vereint; es enthält auch noch die berühmten Marmora Arundeliana (s.u. Arundel 2) u. die Pansretschen Antiken, die Bodleyanische Bibliothek. Diese Universitätsbibliothek, zu welcher bereits Humphrey, Herzog von Glocester, in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. den Grund gelegt hatte, wurde wesentlich aus den Büchern von Thom. Bodley (s.d.) 1597 gebildet u. mit vielen Sammlungen, so 1629 durch die vom Grafen Pembroke geschenkten Manuscripte Giac. Baroccis, dann durch K. Dibys, W. Lauds, Pocockes, d'Orvilles, Clarkes Manuscriptensammlungen u. durch Seldens u. Ed. Bernards Bibliothek vermehrt, zählt jetzt über 300, 000 Bde. u. 30,000 (90,000) Manuscripte. Ein Theil derselben ist die 200,000 Bde. starke Goughsche Bibliothek, welche nur Werke zur englischen Topographie enthält. Von der Universitätsbibliothek getrennt ist die Radcliffsche Bibliothek, indem Radcliffe 1749 seine Bücher u. 40,000 Pfd. zur Erbauung eines neuen Gebäudes für selbige der Universität vermachte; jetzt beträgt sie etwa 50,000 Bde.; zur Universitätsbibliothek wie zur Radcliffschen muß von jedem in England gedruckten Buche ein Exemplar abgegeben werden. Das Ashmolesche Museum, eine von Elias Ashmole 1677 gestiftete u. durch spätere Schenkungen vermehrte Sammlung von antiquarischen, physikalischen, naturhistorischen u.a. Gegenständen, ist an Curiositäten reicher als an wissenschaftlichen Gegenständen. Ashmole stattete auch die Sternwarte (Radcliffe Observatory), einen achteckigen Thurm mit Hörsaal, mit Instrumenten aus. Der Botanische Garten, 1632 gegründet; das Radcliffsche Hospital zum Klinikum gestiftet, als welches es nicht benutzt wird; das Concertgebäude (Musik room), das Congregations- u. Convocationshaus, mit Sälen zu Versammlungen von zur Universität Gehörigen u. die Universitätsdruckerei (Clarendon printing office), von dem Ertrag der Clarendonschen History of the rebellion 1711 erbaut, sie wird jetzt zu Hörsälen benutzt, da 1826–27 eine neue Universitätsdruckerei außerhalb der Stadt gebaut worden ist. Die Universität O. sendet ebenfalls zwei Abgeordnete ins Parlament; vgl. History of the University of O., Lond. 1850, 2 Bde. – O. soll um 1000 v. Chr. von dem britischen Könige Membric gegründet u. Caer-Mempric genannt worden sein. Schon 727 soll hier ein Mönchskloster errichtet worden sein u. bereits 879 König Alfred von Wessex die Universität gestiftet haben. 1142 wurde O. vom König Stephan belagert u. 1541 das dasige Bisthum gegründet. Hier wurden am 16. Oct. 1555 die beiden Bischöfe Latimer u. Ridley, als Anhänger des Protestantismus, öffentlich verbrannt u. 22. Jan.[537] 1644 das Oxforder Gegenparlament gegen das sogenannte Lange Parlament eröffnet, welches bis 16. April dauerte, s.u. England (Gesch. XI. A). 3) Grafschaft im Staate Maine (Nordamerika), ungefähr 80 QM., von den Androscoggin, Margallaway u. Saco Rivers durchflossen; im Norden mehre Seen, mit dem Umbago Lake verbunden; im Norden u. Nordwesten rauh u. gebirgig; Producte: Mais, Kartoffeln, Rindvieh, Schafe; Industrie in Holz, Eisen, Leder, Wolle u. Baumwolle; die Atlantic-St. Lawrencebahn durchschneidet die Grafschaft; 1850: 39,763 Ew.; Hauptstadt: Paris; 4) Postort in der Grafschaft Talbot des Staates Maryland, am Treadhaven Creek, einem schiffbaren Arm der Chesapeake Bai, mit einem der ältesten Einfuhrhafen des Staates; Militärakademie, Handel; 5) Hauptort der Grafschaft Granville im Staate Nord Carolina, Akademie u. mehre andere gute Schulen, vier Kirchen; 3000 Ew.; 6) Postort in der Grafschaft Newton des Staates Georgia, Sitz des Emory College (1837 von Methodisten gegründet); 7) Hauptort der Grafschaft Lafayette im Staate Missisippi an der Missisippi Centralbahn, fünf Kirchen, zwei Seminare; in der Nähe die Mississippi State University (1840 gegründet); 8) Postort in der Grafschaft Butler im Staate Ohio an der Ohio Junction Eisenbahn, fünf Kirchen, Miami University (1809 gegründet), Reformirtes Theologisches Seminar; 3000 Ew.; 9) Hauptort der Grafschaft Benton im Staate Indiana.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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