Birma [2]


Birma [2]

Birma (Gesch.). Der Sage gehört die 1. Dynastie von Promeim 5. Jahrh. v. Chr. Die Geschichte von B. beginnt nach einheimischen Nachrichten mit der 2. Dynastie von Pugan, u. zwar 79 v. Chr.; ihre höchste Blüthe war vom 7._– 9. Jahrh., wie Inschriften aus dieser Zeit zeigen. Im 11. Jahrh. lagen die birmanischen Fürsten von Ava oft in Streit mit den aus dem oberen Gebirgsland des Kaladynestromes nach Arracan eingedrungenen Ihums. 1233 machten die Chineseneinen Einfall nach B.; 1272 kamen sie unter Khublai Khan weiter südlich u. machte sich Ava tributbar; 1297 regierte hier Fattya. Um 1300 blühte die 3. Dynastie von Panya, aus der ein König die alte Residenz Pugan zerstörte; neben ihr erhob sich 1322 die 4. Dynastie von Sagaing; 1364 wurde Panya u. Sagaing zerstört u. die 5. Dynastie in Ava trat auf. Viele Kämpfe bestanden sie bis dahin mit Arracan; später waren Pegu u. B. in beständigem Kriege mit einander, u. um 1518 unterlag B. dem König von Pegu, Bressapukan (s. Pegu [Gesch.]); 1540–1733 aber hielt B. die Peguer unterworfen, worauf wieder Pegu die Oberhand erhielt. An die Spitze der Unzufriedenen stellte sich Alompra (eigentlich Alaong Bhura), ein Birmane von niederer Herkunft, Vorsteher des kleinen Ortes Monkschubu, er schlug 1752. die Peguer, nahm Ava ein u. ward Regent u. Gesetzgeber von B. Darauf unterwarf er 1754 die Kassaier, 1755 Lowashan, eroberte sogar 1757 Pegu, dann Martaban, Tawoy u. Tanasserim u. nahm den König von Siam gefangen; er st. 1760 auf einem Zuge gegen das empörte Siam, seine Statthalter konnten auch Pegu nicht erhalten. Auf Alompra folgte dessen Sohn Namdodschi Prau, der 1762 starb u. seinen Bruder Shambuan als Vormund seines Sohnes hinterließ. Der Vormund setzte sich jedoch selbst auf den Thron u. eroberte 1767 Pegu, wo er den König hinrichten ließ, u. Siam, das jedoch 1771 seine Unabhängigkeit wieder erhielt, wo die Chinesen einen Einfall machten; doch schlugen die Birmanen dieselben u. zwangen die gefangenen Chinesen, sich in B. anzusiedeln; Shambuan st. 1776; sein Sohn Dschinguza (Tschenguza, Senkusa) hatte gegen seine rebellirenden Oheime zu kämpfen, bis er 1782 von seinem Oheim, Álompräs viertem Sohne, Minderadschi Prau, abgesetzt u. getödtet wurde; dieser eroberte 1783 Arracan, kriegte mit Siam u. erhielt Merguy, Setanga, Tavoy u.a. Länder. Nun organisirte sich das Reich bes. im Inneren, um sich gegen die Briten kampffertig zu halten, das Militär wurde fast ganz europäisch bewaffnet u. europäische Offiziere angestellt. 1783 verlegte er die Residenz aus Ava nach Amerapura. Empörungen der tributpflichtigen Fürsten in Laos rissen das Land von B. ab. Ihm folgte 1819 sein Enkel Ing-Sche-Men (Madutschao), der die Residenz wieder nach Ava verlegte; nach langen Kämpfen um Assam kam dies Reich 1822 unter B. Nun begann ein Krieg mit England; schon 1799 hatten sich 50,000 Mughs aus Arracan, um den Plackereien des birmanischen Statthalters zu entgehen, auf britisches Gebiet begeben u. dort Sitze erhalten; seit 1811 machten diese unter ihrem Anführer Kingberring Einfälle in das birmanische Gebiet. Als der König sich beklagte u. die Auslieferung der Mughs verlangte, entwaffneten die Briten die Flüchtigen, weigerten sich jedoch, dieselben auszuliefern. Nun verlangten die Birmanen von den Briten die Abtretung mehrerer Grenzdistricte von Bengalen, angeblich als ehemalige integrirende Theile von Ava; als dies verweigert wurde, reizten sie die Mahratten u. mehrere Fürsten Hindostans, jedoch vergeblich, zum Aufstand-Lord Amherst erklärte nun 1824en Krieg u. sendete Campbell nach Kaschar, das seinen[812] von B. abhängigen Radscha vertrieben hatte. Nach mehreren Wechselfällen gewann Campbell 1.–3. Dec. 1825 den Sieg bei Prome u. die Birmanen schlossen den 31. Dec. den Frieden zu Palanaz Als die Ratification von birmanischer Seite nicht erfolgte. begann Campbell am 19 Febr. 1826 den Krieg wieder u. nahm die Festung Manun ein, worauf der Friede den 24. Febr. ratificirt ward. Die Briten erhielten dadurch die Provinzen Arracan, Merguy, Tavoy u. Yea, ferner wurde Assam, Munopore, Kaschar, Ynahang etc. von ihnen unabhängig, sie setzten Radschas in diese Reiche ein u. Rangun wurde zum Freihafen erklärt. 1832 st. der König Madutschao. Der alte Krieg mit Siam dauerte immer fort, u. große Erbitterung zeigte sich wiederholt gegen die Engländer, wozu bes. der König Tharawaddi, ein unruhiger, kluger, entschlossener, beim Volke beliebter Mann, der nach seines Bruders Tode durch Usurpation den Thron bestiegen hatte, reizte. Indessen, da der König gegen die Großen des Reiches, welche ihn bei einer Empörung seines natürlichen Sohnes nicht sogleich Hülfe geleistet hatten, sehr grausam verfuhr, so machten diese 1845 eine Revolution, entfernten ihn u. erhoben seinen jüngsten Sohn, Shaodange-men.-tha, unter Vormundschaft zweier Minister, zum König. Als unter diesem die Versuche der birmanischen Regierung, im Verein mit anderen den Engländern feindlich gesinnten Völkern diesen die gemachten Zugeständnisse wieder abzutrotzen, fortdauerten, ja im hier drohender wurden, so daß die englische Regierung einem Kriege schon als unvermeidlich entgegen sah, gab im Juni 1851 ein Act der Willkübr u. der Brutalität des birmanischen Gouverneurs von Rangun, der zwei dort ansässige britische Kaufleute ungerecht bestrafte, directe Veranlassung zum Ausbruche des Krieges, weil nicht nur jede Genugthuung, welche von dem zu diesem Behufe erschienenen Commodore Lambert gefordert wurde, verweigert, sondern der aus Land gestiegene britische Unterhändler auch noch beschimpft u. mißhandelt worden wir Commodore Lambert erklärte darauf den Hafen von Rangun für geschlossen, nachdem er die vom Statthalter daselbst bedrohten europäischen Kaufleute an Bord genommen hatte, u. erhielt von dem Generalstatthalter Lord Dalhousie den Befehl, die Feindseligkeiten sofort zu beginnen. Indessen stellten die Engländer, da die Birmanen sich zu Unterhandlungen bereit erklärten, noch eine Frist, welche mit dem 1. April ablief. Als an diesem Tage ein englisches Dampfboot den Irawaddi hinauffuhr, um in Rangun die Antwort aus Ava abzuholen, wurde auf dasselbe gefeuert u. damit der Krieg eröffnet. Die englische Flotte unter Commodore Lambert führte 10,000 M. Landungstruppen unter General Godwin. Am 5. April wurde Martaban angegriffen u. genommen, am 14. April die Stadt Rangun erstürmt u. durch die Einnahme der Hafenstadt Bassein, am westlichen Arme der Mündung des Irawaddi gelegen, die Eroberung der Küste vervollständigt. In den nächsten Wochen beschränkten sich die Engländer darauf, den Hauptarm des Irawaddi durch Dampfschiffe untersuchen zu lassen, nahmen darauf am 4. Juni die Stadt Pegu, kehrten jedoch am 5. Juni nach Rangun zurück, ohne in Pegu eine Besatzung zurückzulassen. Die Beziehungen zu den Eingeborenen hatten sich sehr zufriedenstellend gestaltet, indem die Peguer, welche von Alters her ihren Unterjochern feindselig gesinnt waren, nach der Einnahme von Rangun sich unter englischen Schutz stellten. Inzwischen betrieben die Birmanen großartige Rüstungen zu einem neuen Feldzuge, weßhalb die Engländer aus Madras u. Calensta Verstärkungen heranzogen u. Lord Dalhousie nach Rangun kam, um sich an Ort u. Stelle von dem Stande der Dinge zu überzeugen Während dieser Vorbereitungen fanden mehrfach unbedeutende Gefechte u. ein Angriff der Birmanen auf Martaban statt. Die Engländer beschränkten ihre Maßregeln darauf, die Verbindung zwischen Ava u. dem unteren Lande zu unterbrechen, wodurch den Bewohnern des Landes oberhalb Prome die Zufuhr abgeschnitten ward. Am 18. Septbr. endlich fuhren die Engländer den Irawaddi hinauf u. eroberten am 9. Octbr. Prome. Da inzwischen die Birmanen sich Pegu's wieder bemächtigt u. dasselbe befestigt hatten, wandte sich General Godwin dahin u. eroberte am 21. Nov. diese Stadt zum zweiten Male. Wiederholt machten die Birmanen vergebliche Versuche, Pegu wieder zu nehmen. Nun drangen die Engländer auch auf dem Landwege vor u. gelangten am 6 Januar 1853 in Besitz des höchst wichtigen Aeng-Passes, einer Öffnung in dem Arracan von B scheidenden Höhenzuge, welche den kürzesten Zugang nach Prome bildet. Am 20. Decbr. 1852 wurde die Provinz Pegu den britischen Besitzungen einverleibt. Da sich der König von Ava im Angesicht der seinem Lande von SW. durch die siegreichen Engländer, von O. durch die Siamesen, von NO. durch die Laos od. Schau drohenden Gefahr weigerte, den Frieden anzunehmen u. Pegu abzutreten, so kam eine Palastrevolution zum Ausbruch, welche den König stürzte u. einen königlichen Prinzen an seine Stelle erhob. Dieser zeigte sich anfänglich den Anforderungen der Engländer willfährig, änderte aber plötzlich seine Gesinnung u. begann die Verhandlungen in die Länge zu ziehen. Sofort wurden nun die Unterhandlungen, welche von März bis Mai 1853 gewährt hatten, von den Engländern abgebrochen u. der birmanische Gesandte aus dem Lager verwiesen. Schon während dieser Friedensverhandlungen waren wiederholt feindselige Zusammenstöße vorgekommen, die meist zum Nachtheil der Engländer ausgefallen waren. Namentlich war ein Parteigänger, Mia-Tun, aufgetreten, hatte sich auf einer Insel des Irawaddi-Delta festgesetzt u. durch kühne Streifereien den Briten großen Schaden zugefügt. Zwei gegen ihn gesendete Barken-Expeditionen wurden mit Verlust zurückgeschlagen. Erst später gelang es Sir John Cheape, nach einem hitzigen Gefecht die Birmanen zu vertreiben. Mia-Tun mit seinen Söhnen entkam jedoch, setzte sich in den Sumpfdickichten der Nebenflüsse des Irawaddi wieder fest u. begann von dort seine Angriffe von Neuem. Im Juni 1853 erschien abermals der birmanische Gesandte u. bot im Namen des Königs von Ava den Frieden unter den Bedingungen an, daß die Grenze des britischen Gebietes bei Miaday sein, die britischen Unterthanen, welche als Gefangene nach Ava gebracht worden waren, freigegeben werden u. daß es dem Volke beider Parteien gestattet werden sollte, behufs des Handels den Irawaddi auf- u. niederzufahren. Diese Bedingungen nahm der Generalstatthalter im Staatsrath an, u. es wurde, obgleich[813] ein förmlicher Vertrag nicht abgeschlossen wurde, die Wiederherstellung des Friedens proclamirt. die Flußblokade aufgehoben u. der Verkehr mit Ava wieder hergestellt. Auch die Armee wurde zwar verringert, in Pegu aber blieb eine Streitmacht von 18–19,000 M. mit 50 Kanonen stehen, um diese Provinz zu schützen. Während nun die Briten die neuerworbene Provinz zu organisiren begannen, dauerten trotz des sogenannten Friedens die Unruhen fort, welche von den zahlreichen Parteigängern ausgingen. Auch die Einfälle bewaffneter Banden über die langgestreckte Grenze, welche 1854 durch Grenzsäulen näher festgestellt wurde, dauerten fort; der König von Ava versprach zwar Abhülfe, aber es konnte kaum bezweifelt werden, daß er diese Einfälle eher begünstige, als zu verhindern suchte. Ende 1854 machte er nochmals einen feindlichen Versuch, wieder in Besitz wenigstens eines Theiles des verlorenen Landes zu kommen, indem er zu diesem Behufe eine Gesandtschaft nach Calcutta schickte; dieselbe kehrte unverrichteter Sache zurück. In dem folgenden Jahre ging eine englische Gesandtschaft, mit Major Phagre an der Spitze, an den Hof des Königs von B., theils um regelmäßige Verbindungen anzuknüpfen u. einen Freundschafts- u. Handelsvertrag mit ihm zu schließen, theils um die Gelegenheit zu benutzen, die Hülfsquellen des Landes kennen zu lernen, auf welches die Engländer so ernstliche Absichten hatten. Die Gesellschaft verließ Rangun Anfang Augusts, fuhr auf Dampfbooten den Irawaddi hinauf u. langte am 1. Sept. 1855 zu Ava od. Amerapura an. Am 13. empfing der König den Gesandten in feierlicher Audienz u. nahm, ohne ein Wort zu sprechen, die englischen Geschenke in Empfang. Der Minister unterhielt sich mit dem englischen Gesandten, aber ein Vertrag wurde nicht abgeschlossen. Man stellte der Gesandtschaft auch einen weißen Elephanten vor, welchem königliche Ehren erwiesen wurden. Im Jahre 1856 schickte der König von B. eine Gesandtschaft an den Kaiser der Franzosen, an welcher ein ehemaliger französischer Offizier, der sich in B. niedergelassen hatte, als birmanischer General theilnahm. Man glaubte, daß damit ein Bündniß zum Schutz gegen England angestrebt würde. Vgl. Snodgroß, Narrative of the Burmese war, Lond. 1827, deutsch, Jena 1830; Wilson, Narrat. of the Burmese war in 1824.-.26, Lond. 1852; Doveton, Reminiscenses of the Burmese war, ebd. 1852; Robertson, Political incidents of the first Burmese war, ebd. 1853; Laurie, The second Burmese war, ebd. 1853.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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