Florĭda [1]


Florĭda [1]

Florĭda (State of F., officielle Abkürzung Fla., seltener Fa.), der südöstlichste u. der Reihenfolge der Aufnahme nach der 27. Staat der Vereinigten Staaten von Nordamerika; zum größern Theil aus der gleichnamigen, 90 Meilen langen, 20–30 Meilen breiten Halbinsel, zum geringern aus einem langen, sich in eine Breite von 10–20 Meilen längs der Nordküste des Mexicanischen Meerbusens hinziehenden Landstriche bestehend; Flächenraum: 2788 QM.; Grenzen: im N. dse Staaten Alabama u. Georgia, im O. der Atlantische Ocean, im S. die Floridastraße u. der Mexicanische Meerbusen, im W. der Mexicanische Meerbusen; Vorgebirge: Canaveral u. Florida (beide auf der Ostküste der Halbinsel), Sable (SWKüste der Halbinsel), Roman (WKüste der Halbinsel), St. George u. St. Blasius (SKüste des Landstrichs am Mexicanischen Meerbusen). Die OKüste der Halbinsel am Atlantischen Ocean hat nur unbedeutende, für kleinere Fahrzeuge zugängliche Häfen, die WKüste am Mexicanischen Meerbusen dagegen mehrere tief in das Land eindringende Buchten u. Baien mit guten Häfen: Gullivan'shai, Charlotte's-Harbor, Tamba-, Tagabona- u. Wacassacbai; auf dem Landstrich an der NKüste des Mexicanischen Meerbusens die Appalachee-, Appalachicola-, Choctawatchee- u. Pensicolabai. Die SKüste der Halbinsel umgeben die Florida-Reefs (s.d.). Die Oberfläche des Landes ist einförmig u. eben, sich nirgends höher als 300 Fuß über die Meeresfläche erhebend; im Innern der Halbinsel einige Hügelketten bis zu 170 Fuß; einige noch höher (bis zu 300 F.), zwischen den Flüssen Suwanee u. Chattahochee (im NW.). Im SO. der Halbinsel der See Okeechobee u. ein 20 Meil. langer, 6–11 Meil. breiter, viele kleine Inseln enthaltender Sumpf (Everglades od. Payhay-o-kee genannt). Die bedeutendsten Flüsse sind: Perdido, Escambia, Blackwater, Yellowwater, Choctawatchee, Oclockonee, Oscilla u. Suwanee münden in den Mexicanischen Meerbusen, Appalachicola (der größte Strom des Staates) mit dem Chipola, St. Mary's-River u. St. Johns od. Indian-River (beide in den Atlantischen Ocean mündend). Klima fast tropisch, durch Seewinde gemäßigt; das Thermometer selten über + 27° R, steigend, selten unter 0° R. sinlend, die Sommermonate wegen der vielen Sümpfe ungesund. Eine Ausnahme davon macht ein Kustenstrich aut Atlantischen Ocean in der Nähe von St. Augustine, der als bes. gesund gilt u. namentlich als Aufenthalt für Brustkranke empfohlen wird. Der Boden ist fast durchgehends fandig, mit Ausnahme der sogenannten Hammocks (d.h. Hängematten),[374] oasenartiger fruchtbarer Strecken, wo Sand mit Thon gemischt ist; dieselben zeichnen sich durch ihre schönen Eichen-, Magnolien- u. Lorbeerwaldungen aus. Savannen (Wiesengründe) finden sich namentlich an den Flußufern u. können durch Entwässerung in fruchtbare Landstriche verwandelt werden. In den Pine-Barrens (Fichtenländereien) bauen sich die kleinern, keine Sklaven besitzenden Pflanzer an. Im Allgemeinen läßt sich der Boden, begünstigt durch das milde gleichmäßige Klima, als sehr fruchtbar bezeichnen. Producte: Mais, Reis, Baumwolle, Zucker, Tabak, Palme-Christi (Castoröl), Arrowroot, Bohnen, Linsen, Erbsen, Bataten, Cacao, Ananas, Indigo, Wein, Bananen, Tamarinden, Oliven, Orangen u. eine große Anzahl anderer Südfrüchte; herrliche Waldungen von Eichen (gutes Schiffsbauholz liefernd), Fichten, Cypressen, Magnolien, Hickory (weiße Wallnuß) u. Lorbeer; Bären, Cugnare, Alligatoren, Rindvieh, Pferde, Schweine. Mineralreichthum noch wenig bekannt; die Florida-Reefs liefern Seesalz. In der Grafschaft Benton sind Eisen- u. Schwefeiquellen. 1850_: 87,444 Einw. (47,211 Weiße, 924 freie Farbige [namentlich Seminolen u. Creeks] u. 39,309 Sklaven), 1856 über 110,000. Eintheilung in 30 Grafschaften (Counties): Alabama, Benton, Calhoun, Columbia, Dade, Dallas, Duval, Escambia, Franklin, Gadsden, Hamilton, Hillsborough, Holmes, Jackson, Jefferson, Leon, Levy, Madison, Marion, Monroe, Nassau, Orange, Putnam, St. John, St. Lucie, Santa Rosa, Sumter, Wakulla, Walton, Washington; Hauptstadt: Tallahassee. Die Verfassung ist die schon mehrfach abgeänderte vom 11. Jan. 1839, mit welcher F. durch Congreßacte vom 3. März 1845 als Staat in die Union aufgenommen wurde. Die Executivgewalt hat ein vom Volk auf 4 Jahr gewählter Gouverneur (1858 Madison S. Perry), dem ein von der General-Assembly gewählter Schatzsecretär (Treasurer) zur Seite steht; der Gouverneur muß mindestens 30 Jahr alt, seit 10 Jahren Bürger der Vereinigten Staaten sein u. in den letzten 5 Jahren in F. gewohnt haben; er hat ein Suspensivveto, u. kann für die nächsten 4 Jahre nicht wieder gewählt werden. Die Gesetzgebende Gewalt ruht in der General-Assembly, welche aus einem Senat u. einem Hause der Repräsentanten besteht. Die Senatoren werden vom Volke districtweise auf 2 Jahre gewählt; ihre Anzahl beträgt gegenwärtig 19; die Repräsentanten dagegen nach Counties (ebenfalls vom Volk direct), ihre Anzahl (gegenwärtig 40) darf nicht über 60 betragen. Stimmrecht hat jeder freie, weiße, männliche Bürger der Vereinigten Staaten, der 21 Jahr alt gewesen, in F. 2 Jahre, in der County 6 Monate wohnhaft gewesen u. in die Miliz eingeschrieben od. kraft der Gesetze von diesem Dienst frei u. eximirt ist. Senatoren wie Repräsentanten müssen im Staate 2 Jahr u. im betreffenden District (resp. County) 1 Jahr unmittelbar vor dem Wahltage wohnhaft gewesen sein. Duellanten u. Secundanten sind von allen Staatsämtern ausgeschlossen. Die Assembly tritt alle 2 Jahre in Tallahassee zusammen. Die Legislative darf kein Gesetz zur Emancipation der Sklaven u. kein Verbot für Einwanderer, Sklaven mitzubringen, erlassen; dagegen hat sie das Recht, freien Farbigen den Eintritt in den Staat zu verbieten. Auch in Bezug auf Ertheilung von Freibriefen für Banken ist die Legislative durch die Verfassung beschränkt. Zum Congreß nach Washington sendet F. 2 Mitglieder in den Senat u. 1 ins Repräsentantenhaus u. hat 3 Stimmen bei der Präsidentenwahl. Für Rechtspflege besteht 1 Obergerichtshof (Supreme-Court), der nur Appellationsgerichtsbarkeit hat, u. aus 1 Chef Justice u. 2 Associate-Justice besteht, welche jährlich viermal in den größeren Städten Sitzungen halten, ferner 4 Circuit-Courts, endlich in jeder County 1 Richter für Testamentsangelegenheiten (Judge of Probate). Die Finanzen sind gut geordnet; Staatseinnahmen 1856–57_: 68,364 Doll., Staatsausgaben: 85,365 Dollars. Der Gesammtwerth des immobilen u. mobilen Vermögens der Einwohner von F. wurde 1850 auf 22,784,837 Doll. abgeschätzt. Banken besitzt F. nicht. Religion: vorzugsweise Methodisten, Baptisten, Presbyterianer u. Episkopale, im Ganzen 152 Kirchen wovon 75 Methodisten-, 45 Baptisten-, 14 Presbyterianer-, 10 Episkopal-, 5 Römisch-Katholische u. 3 Kirchen von kleinern Secten. Für Unterricht ist noch wenig gesorgt; höhere Bildungsanstalten gibt es noch nicht, 1850 nur erst 10 Akademien (ungefähr unsern Bürger- od. Realschulen entsprechend) u. 69 öffentliche Volksschulen. Ebenso fehlt es noch an Wohlthätigkeitsanstalten, wovon nur das Marinehospital in Pensacola zu erwähnen wäre. Bibliotheken: die State-Library in Tallahassee (2000 Bde.), die Judical-Library in St. Augustine u. die Naval Hospital-Library in Pensacola. Hauptbeschäftigung: Acker- u. Plantagenbau, doch ist bei der dünnen Bevölkerung nur erst ein kleiner Theil des Landes angebaut (von den 37,931,520 Acres, welche F. enthält, 1850 erst 349,423 Acres); ferner Viehzucht (durch die Savannen begünstigt), Industrie erst im Entstehen, jetzt noch auf Baumwolle beschränkt; Handel zur Zeit ebenfalls noch unbedeutend; Ausfuhrartikel sind: Bauholz, Baumwolle, Reis, Terpentin u.a. Harze; Ausfuhr im Jahre 1855_: 1,403,594 Doll.; Einfuhr: 45,998 Doll. An Eisenbahnen besitzt. F. erst 2 kleine Bahnen (von Tallahassee nach St. Marks u. von Jola nach St. Josephs) zusammen 12 Meilen.

Sebastian Cabot entdeckte 1497 die Küste F-s; 1512 nahm sie Ponce de Leon von Domingo aus für Spanien in Besitz u. nannte sie, da er gerade am Palmsonntage (Palma florida) dahin kam, F. Vergebens versuchte er u. 1526 Pamfilo de Narvaez an der Küste Colo nien zu gründen. 1538 eroberten zwar die Spanier die ganze Halbinsel, aber sie konnten dieselbe gegen die Übermacht der Eingebornen nicht behaupten. Endlich gelang es 1562 einigen Franzosen eine Niederlassung zu gründen; diese wurden aber 1565 von den Spaniern vertrieben, welche nun das Land colonisirten u. nach ihrer Weise verwalteten, bis sie es 1763 an die Engländer abtreten mußten. England that für die Landescultur eben so wenig, wie die Spanier, welche 1780 Westflorida wieder eroberten u. im Frieden 1783 Ostflorida dazu bekamen. Nach alter Sitte schleppte sich nun das dort herrschende Colonialwesen fort, bis Spanien die Halbinsel nach langen Unterhandlungen 1819 an die Nordamerikanische Union, die auf dasselbe seit 1803 Ansprüche machte, abtreten mußte. Seit 1822 bildete darauf F. einen eignen[375] Staat in der Nordamerikanischen Union. Ein Aufstand der eingebornen Seminolen gegen die Eingewanderten wurde 1842 unterdrückt. 1845 wurde auch der bis dahin bei Mexico verbliebene Antheil von F. in die Nordamerikanische Union aufgenommen. Vgl.: Schöff, Reise durch die Nordamerikanischen Staaten nach Ostflorida etc., Erl. 1788, 2 Thle.; Bartram, Reisen nach Nord- u. Südcarolina, Georgien, Ost- u. Westflorida etc., Berl. 1793; Robin, Reise nach dem Innern von Louisiana, dem westlichen F. etc., Berl. 1809 f., 3 Thle.; Adair, Geschichte der amerikanischen Indianer, bes. von Ost- u. Westflorida, Bresl. 1782; J. Lee Williams, The Territory of Florida, New-York 1837; Fairbanks, The history and antiquities of the City of St. Augustine, Florida. Comprising some of the most interesting portions of the early history of Florida, ebd. 1858.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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