Förster


Förster

Förster, 1) Johann, s. Forster 1); 2) Joh. Christian, geb. 1735 in Halle, studirte daselbst, wurde 1761 Professor der Philosophie, 1787 preußischer Kriegs- u. Domänenrath u. 1796 Inspector des Botanischen u. Ökonomischen Gartens der Universität u. st. 1798; er schr. u.a.: Einleitung in die Staatslehre, Halle 1765; Einleitung in die Cameral-, Polizei- u. Finanzwissenschaften, Berl. 1771; Entwurf der Land-, Stadt- u. Staatswirthschaft, ebd. 1782, 2. A. 1793. 3) Johann Christ., geb. 1754 in Auerstädt; war Diakonus, dann Domprediger in Naumburg, zuletzt Superin tendent in Weißenfels u. st. 1800; er schr. u.a.: Lehrbuch der christlichen Religi on, Weißenf. 1786, 11. Aufl. 1823; Beicht- u. Communionbuch, Offenb. 1794, 5. Aufl., Lpz. 1822. 4) Karl Aug.., Sohn des Vor., geb. 1784 in Naumburg, studirte 1800–1803 in Leipzig Theologie u. Philologie, wurde 1806 Adjunct u. 1807 Professor am Cadettencorps in Dresden u. st. 1841; er übersetzte die Gedichte Petrarcas, Lpz. 1818 f., 2 Thle., 3. A. 1851; Torquato Tassos, Zwickau 1821, 2. A. Lpz. 1844; Dantes Vita nuova, Lpz. 1841; vollendete Müllers Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrhunderts 1838 mit dem 14. Bde. u. schr.: Rafael, ein Kunst- u. Künstlerleben (Gedichte), Lpz. 1827; Gesammelte Gedichte, Lpz. 1842, 2 Bde.; Biographische u. literarische Skizzen aus seinem Leben gab Luise F. (seine Gattin), Dresd. 1846, heraus. 5) Lebrecht Günther, pseudon. Alexis der Wanderer, geb. 1788 in Gotha, trat früh in gothaische Militärdienste, machte zum Theil als Hauptmann die Feldzüge in Pommern, Tyrol, Spanien, Rußland u. Frankreich mit; wurde 1821 pensionirt u. lebte in Altenburg,[429] wo er 1846 starb; er schr.: Blätter aus der Brieftasche Alexis des Wanderers, Altenb. 1820, u. unter diesem Namen Boda, die Lautenspielerin, Quedl. 1823; übers. Ossians Gedichte, ebd. 1827, 2. Aufl. 1830, 2 Bde.; den Cervantes, ebd. 1825–26, 12 Bde.; Bottas Geschichte von Italien, ebd. 1827–31, 8 Bde.; Segurs Memoiren etc., ebd. 1827 f., 10 Bdchn.; Michauds Geschichte der Kreuzzüge, ebd. 1827–32, 7 Bde. (vom 2. Bde. an); Napoleons Briefe an Josephine etc., ebd. 1833, 2 Bde.; Memoiren des Marschall Ney etc., ebd. 1834–36, 2 Bde., u.a. 6) Friedr., geb. 24. Sept. 1792 in Münchengosserstädt an der Saale; studirte Theologie, wohnte dem Feldzuge gegen Frankreich im Lützowschen Corps bei, wurde Offizier u. hatte Antheil an der Zurückführung der geraubten Kunstsachen aus Paris, war dann mehrere Jahre Lehrer in der königlichen Artillerie- u. Militärschule in Berlin, verlor jedoch diese Stelle 1817 auf Befehl des Königs wegen eines Aufsatzes in der Nemesis, wurde indeß später zweiter Director an der Kunstkammer u. dem Ethnographischen Museum, bis ihn seine Veröffentlichungen aus dem Privatleben Friedrich Wilhelms II. in seiner neuesten Geschichte des preußischen Staates 1849 abermals um die Gunst des Hofes brachten; er schr.: Beiträge zur neueren Kriegsgeschichte, Berl. 1816, 2 Bde.; Der König u. seine Ritter (Gedicht), ebd. 1816; Grundzüge der Geschichte des preußischen Staates, ebd. 1817–1818, 2 Thle.; Einleitung in die allgemeine Erdkunde, ebd. 1819, 2. A. 1820; Handbuch der Geschichte, Geographie u. Statistik des preußischen Reiches, ebd. 1820–1822, 3 Bde.; Der Feldmarschall Blücher u. seine Umgebungen, Lpz. 1818, 2. Ausg. 1821; Friedrichs des Großen Jugendjahre, Bildung u. Geist, Berl. 1822; Reisen u. Reiseabenteuer, ebd. 1826; anonym: Briefe eines Lebenden, ebd. 1827, 2 Bde. (im Gegensatz der Briefe eines Verstorbenen vom Fürsten Pückler, mit denen sie als 5. u. 6. Bd. in einer französischen Übersetzung als Fortsetzung gegeben wurden); Gustav Adolf, historisches Drama, ebd. 1833; Wallenstein, Herzog von Mecklenburg etc., Potsd. 1834 (er erwies durch seine Forschungen die Unschuld Wallensteins in Betreff der Anklage auf Hochverrath); Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, ebd. 1834 f., 3 Bde.; nebst Urkundenbuch, 2 Bde., u. Ausg. 1839; Die Höfe u. Cabinette Europas im 18.. Jahrh., ebd. 1836–1839, 3 Bde.; Gedichte, Berl. 1838, 2 Bde.; Statistischtopographisch-historische Übersicht des preußischen Staates, ebd. 1839; Leben u. Thaten Friedrichs des Großen, Meiß. 1840 f.; Die Perle auf Lindaheide, Neustrelitz 1841; Columbus, Lpz. 1842; Pet. Schlemihls Heimkehr, Lpz. 1843, 2. A., 1849; Wallensteins Proceß, Lpz. 1844; Preußens Helden, Berl. 1846 ff.; Die Mittheilungen über König Friedrich Wilhelm II. in der neuen u. neuesten Geschichte Preußens 1850. 7) Ernst Joachim, Bruder des Vor., geb. 8. April 1800 in Münchengosserstädt an der Saale, studirte in Jena u. Berlin Theologie, Philosophie u. Philologie, wandte sich aber 1822 zur Malerkunst, malte in Dresden nach Holbein u. Tizian, schloß sich 1623 in München an Cornelius an, arbeitete 1824 u. 1825 an der Aula in Bonn, später an der Ausschmückung der Arcaden des Hofgartens in München u. des Neuen Königsbanes daselbst; sein erstes Frescogemälde eigener Erfindung ist die Erstürmung der Veroneser Clause durch Otto von Wittelsbach. Er war seit 1826 mehrere Male in Italien, wo er in Pisa, Volterra, Pistoja, Bologna etc. manche, die italienische Kunstgeschichte bereichernde Studien machte (1833), alte nicht beachtete Gemälde großer Meister auffand, namentlich in Padua (1837) die Fresken in der Capella di S. Giorgio entdeckte u. herstellte, u. eine reiche Sammlung von Handzeichnungen nach älteren Werken theils im Auftrag des Königs Max von Baiern, der Könige Friedrich August von Sachsen u. Friedrich Wilhelm von Preußen, theils für sich selbst anfertigte; er widmete sich später ganz der Kunstschriftstellerei, lebt jetzt in Münchenn. ist Mitglied der k. Akademie der bildenden Künste zu Amsterdam u. München. Er schr.: Leitfaden zur Betrachtung der Wand- u. Deckenbilder des neuen Königbaues in München, Münch. 1834; Beiträge zur neueren Kunstgeschichte, Lpz. 1835; Briefe über Malerei, in Bezug auf die Gemäldesammlungen in Berlin, Dresden, München etc., Stuttg. 1838; München, ein Handbuch für Fremde u. Einheimische, Münch. 1838, 8. Aufl. 1858; Dasselbe französisch, ebd. 1838, 3. Aufl 1853; Handbuch für Reisende in Italien, ebd. 1840, 6. Aufl. 1857, auch französisch 4. Aufl. 1850; Die Wandgemälde der St. Georgenkapelle in Padua, Berl. 1841, etc.; Handbuch für Reisende in Deutschland, Münch. 1847, 2. A., 1853; Joh. Georg Müller, St. Gallen 1851; Die Geschichte der deutschen Kunst, Lpz. 1851–59, 5 Bde.; Gedichte, Lpz. 1854; gab auch vom 4. bis 8. Bde. Wahrheit aus Jean Pauls Leben, Bresl. 1826–33; Politische Nachklänge von Jean Paul, Heidelb. 1832; ferner Jean Pauls, seines Schwiegervaters, literarischen Nachlaß, Berl. 1836–38, 5 Bde.; Den Papierdrachen, Frankf. 1845, 2 Bde.; Genellis Umrisse zum Homer miterklärendem Text, Stuttg. 1844; Denkmale der deutschen Baukunst, Bildnerei u. Malerei (Prachtwerk mit vielen Stahlstichen), Lpz. 1835–59, Bd. 1–5 (wird fortgesetzt); Leben u. Werke des Fra Beato Angelico da Fiesole, Regensb. 1859; 1842, nach dem Tode L. von Schorns, übernahm er einen Theil der Redaction des Kunstblattes u. die deutsche Ausgabe des Vasari. 8) Wilh. A. F., geb. 1797 in. Sagan, starb als Artilleriemajor a. D. am 10. Mai 1847 in Berlin. Er schr.: Erster Unterricht in der eigentlichen Statik od. Geostatik für Militärschulen, 1828; Gedächtnißtafeln der allgemeinen Geschichte, 1835; Eurynome, dramatisches Taschenbuch, 1837; Geschichte des königlich preußischen 1. Kürassirregiments, 1843. 9) Emanuel Aloys, geb. 1747 zu Niedersteine in Schlesien, arbeitete einige Jahre in einer Wirthschaftskanzlei, diente 2 Jahre in der preußischen Armee, ging 1776 nach Wien, um sich in der Tonkunst zu vervollkommnen u. starb 1823 daselbst. Er schr.: Anleitung zum Generalbaß, 1806 (in mehrere Sprachen übersetzt); Anhang dazu: Praktische Beispiele, 1823 u. componirte u.a. 48 Violinquartetten, viele Claviersonaten, Fugen u. Präludien für die Orgel u. das Clavier. 10) Heinrich, geb. 24. Nov. 1799 zu Großglogau Schlesien, studirte Theologie in Breslau, wurde 1825 zum Priester geweiht, 1837 Domcapitular in Breslau, Inspector des sürstbischoslichen Clerikalseminars u. Domprediger; trat mit großer Energie dem Treiben Ronges entgegen;[430] wurde 1848 in die Nationalversammlung zu Frankfurt gewählt, wohnte im Nov. 1848 der Synode der deutschen Bischöfe in Würzburg bei u. wurde 1853 Fürstbischof von Breslau. Er ist einer der größten Kanzelredner des katholischen Deutschland. 11) Marie, Tochter von F. 4), geb. 1817 in Dresden, erzog nach dem Tode ihres Vaters ihre jüngste Schwester, besuchte von 1849–51 das südliche Rußland u. 1853 Italien u. st. 1856 in Dresden; sie schr. Briefe aus Südrußland, Lpz. 1856: Gedichte, ebd. 1857; u. übersetzte das Leben der Lucretia Davidson, Lpz. 1843.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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