Gustav


Gustav

Gustav, schwedischer Vorname. I. Könige von Schweden: 1) G. I. Wasa, geb. 12. März 1496 in Lindholm, stammte väterlicher Seits aus dem Hause Wasa, mütterlicher Seits aus dem Hause Sture, war der älteste Sohn des Reichsraths Erich Johansson u. hieß ursprünglich Gustav Erichson; er lebte seit 1509 in Upsala u. seit 1512 bei dem Reichsverweser Sten Sture; 1518 focht er gegen die Dänen, wurde aber von dem Usurpator Schwedens, König Christian II. von Dänemark, als Geißel festgehalten; 1519 entfloh er von da nach Lübeck, u. der dortige Rath unterstützte ihn zu seiner Rückkehr nach Schweden, wo er sich aber lange erfolglos herumtreiben mußte, bis es ihm gelang, die Dalekarlier zum Aufstand zu bewegen. Der Reichstag ernannte ihn nun 24. August 1521 zum Reichsverweser u. nach der Eroberung Stockholms 1523 zum König. Unter ihm wurde die Reformation in Schweden eingeführt, der er bereits 1530 beigetreten war, die Universität Åbo gestiftet, dem Bürger- u. Bauerstand Rechte gegen den Adel u. den Klerus gewonnen. Er st. 29. Sept. 1560; vermählt war er seit 1536 mit Katharina von Sachsen-Lauenburg (st. 1535), Mutter[790] Crichs XIV.; dann seit 1531 mit Margaretha Löwenhaupt, Mutter Johanns III. u. Karls IX.; endlich mit Katharina Torpa. Lebensbeschreibung von Archenholz, Tüb. 1801, 2 Bde.; Fryxell, deutsch von Ekendahl, 1831. 2) G. II. Adolf, Enkel des Vorigen, Sohn Karls IX. u. Christinens von Holstein, geb. 9. December 1594, begleitete seinen Vater auf seinen Reisen u. in seine Kriege u. folgte ihm 8. November 1611 in der Regierung; er führte glückliche Kriege gegen Dänemark, Rußland u. Polen, erwarb Karelien, Ingermanland u. Kexholm u. machte Ansprüche auf Esth- u. Livland, ging dann nach Deutschland, wo er 4. Juli 1630 landete u. die Protestanten im Kampfe gegen den Kaiser unterstützte; über seine Thaten dabei s.u. Dreißigjähriger Krieg, über seine Wirksamkeit für Schweden, s.d. (Gesch.). Er fiel, wahrscheinlich durch Meuchelmord des Herzogs Franz von Lauenburg, bei Lützen den 6. November 1632. Er war vermählt seit 1620 mit Marie Eleonore, Tochter des Kurfürsten Johann Sigmund von Brandenburg, u. hatte von ihr eine einzige Tochter, Christine, welche ihm in der Regierung folgte. Im November 1854 wurde seine von Fogelberg gebildete Statue in Gothenburg aufgestellt. In Deutschland wurde ihm außer dem Denkmal bei Lützen noch eins am 2. September 1840 zwischen Coswig u. Göritz u. eins 1853 in Bremen errichtet. Nach ihm wurde der 1832 in Deutschland gestiftete Unterstützungsverein hülfsbedürftiger protestantischer Glaubensgenossen Gustav-Adolf-Stiftung (s.d.) genannt. Lebensbeschreibung von Rango, Lpz. 1824; Sparfeld, ebd. 1845; Gfrörer, 3. Aufl. Stuttg. 1852, Fryxell, deutsch Lpz. 1852; Flathe, Gustav Adolf u. der Dreißigjährige Krieg, Dresd. 1840 f., 4 Bde. 3) G. III., ältester Sohn Adolf Friedrichs u. Louisen Ulrikens von Brandenburg, geb. 24. Januar 1746, folgte 12. Februar 1771 seinem Vater. Er unterzeichnete zwar die zu Gunsten des Adels das Königthum beschränkende Acte vom 5. März 1772, schaffte aber, nachdem er den Bürger- u. Bauernstand u. die Armee gewonnen hatte, bald die alte Verfassung ab u. gab mit Bewilligung der Stände eine neue. Er führte 1789 Krieg gegen Rußland u. wollte sich nach dem Frieden an dem Kampfe gegen die Französische Republik betheiligen, als er am 29. März 1792 auf einer Maskerade von Ankarström erschossen wurde, s.u. Schweden (Gesch.). Er war seit 1766 vermählt mit Sophie Magdalene, Tochter des Königs Friedrich V. von Dänemark, die ihm seinen Nachfolger, Gustav IV., gebar. Vgl. G. III., König von Schweden, Chem. 1793, 2 Bde.; G-s III. Tod (von A. A. L. Gr. von Lehndorf), Hamb. 1793; D'Aguila, Hist. du règne de G. III., Par. 1815, 2 Bde. G. war nicht allein Beschützer der Wissenschaften, sondern auch selbst Schriftsteller; seine Schriften gab heraus Dechaux, Par. 1805, 5 Bde., französisch von Joh. Gabr. von Oxenstjerna; schwedisch als Konung Gustaf III. s. Skrifter i politiska och vittra ämnen, tillika med dess brefvexling, Stockh. 1806–12, 6 Bde. (1. Theil enthaltend seine Reden, Mittheilungen über König Adolf Friedrich, das Ehrendenkmal Lennart Torstensons; der 2. u. 3. Theil die dramatischen Werke [auch bes. Stockh. 1826, 2 Bde., darunter die historischen Stücke Gustav Wasa, Gustav Adolf u. Ebba Brahe, Helmfelt u.a.; der 4. bis 6. den meist französisch geschriebenen Briefwechsel des Königs), deutsch im Auszug von Fr. Rühs, Berl. 1805–1808, 3 Bde.: seine Staatsreden gesammelt u. aus dem Schwedischen übersetzt von D.H. Thomas, Lüb. 1781. Am 23. Juni 1788, vor seiner Abreise in den Finnischen Krieg, deponirte G. auf der Bibliothek zu Upsala zwei Kisten, die er erst 50 Jahre nach seinem Tode zu öffnen befahl. Dies geschah 29. März 1842; der literarische Inhalt derselben, bestehend in Briefen, historischen u. politischen Aufsätzen, in Skizzen u. Staatsschriften, wurde herausgegeben von Geijer, Ups. 1843–46, 3 Bde., deutsch von Creplin, Hamb. 1843 ff., 3 Bde. 4) G. IV. Adolf, Sohn des Vorigen, geb. 1. November 1778; folgte demselben 1792 unter Vormundschaft seines Oheims, des Herzogs Karl von Südermanland, u. selbständig seit 1. November 1796. Er war ein erklärter Feind Napoleons, was ihm den Verlust Stralsunds u. Rügens 1807 u. Finnlands 1808 verursachte; nachdem er einen vergeblichen Versuch zur Eroberung Norwegens gemacht u. durch seinen Eigen- u. Starrsinn nicht nur die Freundschaft aller europäischen Mächte, sondern auch die Anhänglichkeit des Adels u. des Heeres im eigenen Lande verscherzt hatte, wurde er in Folge einer am 13. März 1809 ausbrechenden Verschwörung entthront u. entsagte 29. März der Regierung, worauf das Haus Wasa der Krone Schweden für verlustig erklärt wurde; s. Schweden. Nach seiner Entsetzung lebte er als Graf von Gottorpin Deutschland u. der Schweiz, namentlich in Basel, u. reiste viel. Nach der Schlacht bei Leipzig suchte er Napoleons Freundschaft u. wollte sein Adjutant werden, was Napoleon aus politischen Rücksichten versagte. Er reichte darauf beim Wiener Congreß gegen seine Entsetzung für sich u. seinen Sohn eine Protestation ein, war vergebens bemüht, unter dem Namen Oberst Gustavson, den er später führte, in Norwegen als Bürger aufgenommen zu werden u. st. 7. Februar 1837 zu St. Gallen. Er war seit 1797 vermählt mit Friederike, Tochter des Erbprinzen Ludwig Karl von Baden, von welcher er sich 15. Februar 1812 scheiden ließ; sein Sohn ist G. 10). Seine Überreste wurden am 27. März 1845 der Begräbnißkapelle in Eichhorn in Österreich, da dies Gut in Privathände übergegangen war, enthoben u. zu Oldenburg in der großherzoglichen Gruft beigesetzt. Das am 10. December 1812 in Schweden erlassene Verbot gegen allen u. jeden Verkehr mit der Familie des Königs G. IV., wurde im Mai 1844 vom König Oskar aufgehoben. Er schr.: Betrachtungen über meine ersten Kriegsthaten, aus dem Französischen, Jena 1817; Mémorial du colonel Gustafson, Lpz. 1620 (deusch von F. Gleich, ebd. 1829); Nouvelle consi, lération sur la liberté illimitée de la presse, Aachen 1833 (deutsch, ebd. 1833); La journée du 13. Mars, ou Les faits essentiels de la révolution de 1809, St. Gallen 1835 (dänisch von E. Ch. Monrath, Kopenh. 1835).

II. Andere Fürsten: A) Landgraf von Hessen-Homburg: 5) G. Adolf Friedrich. vierter Sohn des Landgrafen Friedrich Ludwig, geb. 17. Februar 1781, war k.k. General der Cavallerie, folgte seinem Bruder Philipp 1846 u. st. 8. September 1848, s.u. Hessen-Homburg. Er war seit 1818 vermählt mit Louise von Anhalt-Dessau[791] (geb. 1798), da sein Sohn Friedrich (geb. 1830), bereits am 8. Mai 1848 zu Bonn gestorben war, so folgte ihm sein jüngster Bruder Ferdinand. B) Herzog von Mecklenburg-Güstrow: 6) G. Adolf, Sohn des Herzogs Joh. Albrecht, geb. 1633, folgte seinem Vater u. regierte von 1636–1695, wo er am 26. October starb, s. Mecklenburg (Gesch.). Er war seit 1654 mit Magdalene Sibylle, Tochter des Herzogs Friedrich von Holstein Gottorp (st. 1719) vermählt, welche ihm nur Töchter gebar. C) Fürst von Nassau-Saarbrück: 7) G. Adolf, Sohn Wilhelm Ludwigs, regierte 1640–1677, s.u. Nassau. D) Pfalzgraf von Kleeburg: 8) G. Samuel Leopold, Sohn Adolf Johanns, geb. 1670, regierte 1718–31, s. Pfalz (Gesch.).

III. Prinzen: 9) G. Erichson, Prinz von Schweden, Sohn Erichs XIV., geb. 1568; war erklärter Thronerbe von Schweden, floh aber nach Entthronung seines Vaters durch Johann III. nach Polen u. von da nach Rußland, wo er mehrere Jahre im Gefängniß saß; er st. zu Kaschin 1607. 10) G., seit 1829 Prinz von Wase, Sohn des Königs G. IV. von Schweden, geb. 9. Nov. 1799; ist k.k. österreichischer Feldmarschalllieutenant u. Divisionär u. lebt in Wien; er war seit 1830 mit der Prinzessin Louise, Tochter des Großherzogs Karl von Baden vermählt, ließ sich aber von derselben 1844 scheiden; seine einzige Tochter ist Karoline, Gemahlin des Kronprinzen Albert von Sachsen. 11) G. Adolf, Sohn des Markgrafen Friedrich V. von Baden-Durlach, geb. 1631; diente Venedig u. Schweden, wurde 1663 in Rom katholisch, kaiserlicher Generalmajor, 1668 Benedictiner Abt in Fulda u. Kempten, 1672 Cardinal u. st. 1677.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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