Opitz


Opitz

Opitz, 1) Martin O. von Boberfeld, geb. 23. Decbr. 1597 zu Bunzlau in Schlesien, studirte seit 1618 in Frankfurt a.d. O., 1619 in Heidelberg u. 1620 in Strasburg Anfangs Jurisprudenz, dann Philosophie, Geschichte, Beredtsamkeit u. Dichtkunst. Mit seinem Freunde Hamilton, einem reichen Dänen, reiste er zu Ende 1620 nach den Niederlanden u. lebte 1621 sieben Monate lang im Holsteinischen. Zu Ende 1621 kehrte er nach Schlesien zurück u. wurde von dem Herzog Georg Rudolf von Liegnitz an dessen Hof gezogen; 1622 wurde er Professor der Philosophie u. der Schönen Wissenschaften zu Weißenburg in Siebenbürgen, kehrte aber 1623 als herzoglicher Rath nach Liegnitz zurück. Zu Ende 1624 reiste O. nach Sachsen u. hielt sich am längsten in Wittenberg auf; nach seiner Rückkehr nach Schlesien, 1625, begleitete er Kirchner, welcher in Aufträgen des Herzogs von Liegnitz[315] nach Wien gesandt wurde, dahin u. wurde dort für ein Trauergedicht auf den Tod des Erzherzogs Karl vom Kaiser Ferdinand II. als Dichter gekrönt. Seit 1626 lebte O. wieder in Schlesien, bald an Höfen, bald in stiller Zurückgezogenheit unter gelehrten Freunden. Zu Ende 1626 wurde er Secretär des Burggrafen zu Dohna, Karl Hannibal, u. der Burggraf brauchte ihn in verschiedenen Unterhandlungen mit fremden Höfen. 1628 wurde O. von dem Kaiser Ferdinand II. unter dem Namen von Boberfeld (nach dem durch seinen Geburtsort Bunzlau fließenden Flüßchen Bober) in den Adelstand erhoben. Nach dem Tode des Burggrafen (1633) lebte O. abwechselnd an den Höfen zu Liegnitz u. Brieg, begleitete 1634 den Herzog Johann Christian von Brieg nach Thorn u. suchte von dort aus einen, vor den Kriegsstürmen gesicherten Zufluchtsort in Danzig, wurde 1638 Secretär des Königs Wladislaw IV. von Polen u. ft. 20. Aug. 1639 als Historiograph von Polen in Danzig an der Pest. O. ist der Schöpfer einer deutschen Prosodie u. Metrik, indem er, statt der Sylbenzählung, die Sylbenmessung für den Vers forderte u. mehre neue Metra ein- u. andere außer Gebrauch gekommene in die deutsche Poesie zurückführte; als Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft hieß er der Gekrönte. Er schrieb schon als Gymnasiast Strenae (lateinische Epigramme über Gegenstände der Literatur) 1616; dann die Lehrgedichte: Trost in Widerwärtigkeiten des Kriegs, 1621, herausgegeben 1633; Zlatna (von der Ruhe des Gemüths), 1622; Vilgut (vom wahren Glück), 1628; Lob des Kriegsgottes, 1627; das beschreibende Gedicht: Vesuv, 1633; das dramatische: Daphne, 1627, u. das Singspiel: Judith; vermischte Gedichte: Poetische Wälder; metrische Übersetzungen der Antigone des Sophokles, der Trojanerinnen des Seneca, das Hohe Lied Salomonis u. die Psalmen, der Sonn- u. Festtagsperikopen (1634) Cato's Disticha, Hugo Grotius' De veritate relig. christ. Unter seinen geistlichen Liedern, herausgeg. 1638, sind mehre voll Schwung u. inniger Andacht. Seine bisher ungedruckten Epigramme auf die Eroberung von Magdeburg hat F. A. Ebert in seinen Überlieferungen zur Geschichte, Literatur etc., Dresd. 1826, Bd. 1, mitgetheilt. O. schr. auch: Büchlein von der deutschen Poeterei, 1624, 10. Aufl. 1668; Deutsche Poemata, Strasb. 1624, von Zinkgref, Danz. 1641, 2 Bde., Frankf. a.M. 1628, 1644 u. 1648; Werke, Bresl. 1690, 3 Bde., Frankf. u. Lpz. 1724, von Bodmer u. Breitinger, Zür. 1745, u.ö.; vgl. Gullmann, Über die Ausgaben der Gesammtwerke von O., Ratib. 1850; eine Auswahl findet sich in W. Müllers Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh., Bd. 1, Lpz. 1822; Trillers Opitz, Frankf. 1746, 4 Bde.; Biographieen unter andern von C. G. Lindner, Hirschb. 1740 f., 2 Bde., u. Aufl. ebd. 1771; von Strehlke, Lpz. 1856, u. von Hoffmann v. Fallersleben, ebd. 1858. 2) Christ. Wilhelm, geb. 1756 in Berlin, debütirte 1775 bei der Seilerschen Hofschauspielergesellschaft in Leipzig u. Dresden, war später in Bonn, hierauf wieder in Leipzig unter Bandini u. sodann in Petersburg angestellt, von wo er 1789 wieder nach Leipzig zur Seconda'schen Gesellschaft zurückkehrte u. nach Reineckes Tode die Regie übernahm; in jüngeren Jahren war er als Liebhaber voll Leben u. Feuer, auch später als Chevalier aus gezeichnet; er st. 1610 in Dresden. 3) Georg Emanuel, geb. 1775 in Prag, Maler, studirte in Prag, dann unter Casanova in Dresden, wendete sich, bisher Portraitmaler, seit 1807 dem Malen von Volksscenen zu. Er hielt sich dann in Wien, Leipzig, Prag etc. auf, folgte 1813 der Herzogin von Kurland von Karlsbad nach Paris, lebte dann in Heidelberg u. Altenburg, fixirte sich zuletzt in Leipzig u. st. 1641. Obgleich in mehren Gattungen der Kunst (Ölmalerei, Kupferstechen) geschickt, zeichnete er sich vornehmlich durch seine Volksscenen, Charakterschilderungen, Costüms etc. in Aquarell u. Gouache aus. Er schr. unter dem Namen Bohemus: Hygiea u. Eros u.m.a.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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